Energietechnik: Siemens Energy setzt Sonderausschuss zu Windkrafttochter Gamesa ein
Die Erfolge in anderen Sparten werden regelmäßig durch hohe Verluste bei Siemens Gamesa zunichte gemacht.
Foto: dpaMünchen. Der Dax-Konzern Siemens Energy setzt angesichts der milliardenteuren Qualitätsprobleme bei der Windkrafttochter Gamesa einen Sonderausschuss des Aufsichtsrats ein. Das Gremium solle von Aufsichtsratsvize Hubert Lienhard geleitet werden, hieß es am Donnerstag in Industriekreisen. Siemens Energy wollte dazu keinen Kommentar abgeben.
Siemens Gamesa steckt schon seit Jahren in der Krise und zieht regelmäßig auch den Mutterkonzern in die Verlustzone. Ende Juni schockierte der Spezialist für erneuerbare Energien die Märkte mit einer neuen Negativnachricht: Massive Qualitätsprobleme an einigen Turbinen können in den kommenden Jahren mehr als eine Milliarde Euro kosten.
Der Aktienkurs von Siemens Energy stürzte darauf um mehr als ein Drittel ab – für einen Dax-Konzern ist das äußerst ungewöhnlich.
Siemens Energy: Aufsichtsrat wurde von der Milliardenbelastung überrascht
Über die mögliche Einsetzung eines Sonderausschusses hatte das Handelsblatt bereits berichtet. Dem Gremium sollen neben Ex-Voith-Chef Lienhard unter anderem Siemens-Vorstand Matthias Rebellius und IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner angehören, bestätigten Industriekreise. Zuerst hatte die „Wirtschaftswoche“ darüber berichtet.
Der Aufsichtsrat benötige umfassende Informationen, wie groß die Probleme schlimmstenfalls werden können und wie sie beseitigt werden sollen, sagte ein Kontrolleur dem Handelsblatt. Auch die anderen Aufsichtsräte seien vom Ausmaß des Desasters überrascht worden.
Auch Noch-Großaktionär Siemens und Investoren sind angesichts der anhaltenden Probleme beunruhigt. „Von dem Ausmaß der neuen Problematiken rund um die Windturbinen sind wir geschockt“, sagte Felix Schröder von Union Investment. Nun gelte es für das Management, die „zu behebenden Problematiken besser zu verstehen und einen realistischen Weg der Verbesserung zu kommunizieren“.
Siemens Energy musste wegen der neuen Belastungen seine Ertragsprognose für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr kassieren und rechnet nun mit weiter deutlich steigenden Verlusten.
Siemens hatte nach der Nachricht seine direkte Beteiligung an Siemens Energy von 31,9 auf 25,1 Prozent reduziert. Dazu wurden Anteile in einen Pensionsfonds verschoben. Der Konzern will die Beteiligung weiter reduzieren. Durch den Kurssturz von Siemens Energy ist das aber deutlich schwerer geworden.
Um die Probleme endlich in den Griff zu bekommen, hatte Siemens Energy die Windkraft-Tochter komplett übernommen und will sie nun integrieren. Die Siemens-Führung war nach Informationen aus Unternehmenskreisen von diesem Schritt nicht überzeugt. Siemens Energy habe durch den Kauf der restlichen Gamesa-Anteile die Risiken kostspielig weiter erhöht. Im Nachhinein sehe man sich in dieser Ansicht eher bestätigt.
Erstpublikation: 06.07.2023, 12:51 Uhr.