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Ex-Innogy-Chef Peter TeriumKurzer Höhenflug – abrupter Absturz

Selten musste ein Spitzenmanager in Deutschland seinen Posten so überstürzt räumen wie Innogy-Chef Peter Terium. Dabei galt er vor kurzem noch als der große Meistermacher bei der Aufspaltung des RWE-Konzerns.Jürgen Flauger 21.12.2017 - 19:11 Uhr Artikel anhören

Schon lange wurde er beim Mutterkonzern RWE kritisch beäugt.

Foto: dpa

Düsseldorf. Es ist gerade einmal einen Monat her, da sprach ‧Innogy-Chef Peter Terium noch in höchsten Tönen über seinen Aufsichtsratschef Werner Brandt. Brandt hatte damals seinen Rückzug angekündigt, um sich neuen Aufgaben zu widmen. Er zieht in den Aufsichtsrat von Siemens ein.

„Ich bereue das sehr“, sagte Terium bei einer Abendveranstaltung mit Journalisten in Düsseldorf. Der ehemalige SAP-Manager Brandt sei stets eine gute Stütze gewesen. Terium war an diesem Tag ohnehin in seinem Element. Voller Begeisterung erzählte der Niederländer von den ambitionierten Plänen, die er mit Innogy hatte. Vor allem in der Elektromobilität, bei Photovoltaik und sogar in der Breitband-Telekommunikation sollte das junge Unternehmen durchstarten. RWE habe eine „gesunde Tochter“.

Ganz so gesund ist die Tochter nicht, wie Terium vor einer Woche mit einer Gewinnwarnung einräumen musste. Vor allem muss Terium die ambitionierten Pläne wieder begraben – und sein Verhältnis zu Brandt dürfte sich auch merklich abgekühlt haben. Am Dienstagabend gaben Innogy und Brandt überraschend die Trennung von Terium bekannt.

Meister der Aufspaltung

Selten wurde ein Spitzenmanager so überraschend und abrupt abserviert wie der 54-Jährige. Selten hat ein Dax-Manager aber auch in so kurzer Zeit so viele Milliarden Euro vernichtet. Die Innogy-Aktie brach um 17 Prozent ein, der Börsenwert schmolz um fast vier Milliarden Euro ab. Noch dazu wurde die Aktie des Mutterkonzerns RWE, der 77 Prozent hält, mitgerissen.

Es war zwar auf den ersten Blick nur eine leichte Korrektur des Ergebnisses. Terium ließ damit aber einen Großteil der Hoffnungen zerplatzen, die er ein Jahr zuvor mit dem Innogy-Börsengang bei den Anlegern geweckt hatte. Tatsächlich war das ein Meisterstück: Mit der Aufspaltung des angeschlagenen RWE-Konzerns, den er damals noch leitete, setzte er Kräfte frei. Die neue Innogy, die sich komplett auf das Geschäft mit der Energiewende konzentrierte, wurde an der Börse begeistert aufgenommen. Innogy und RWE sammelten Milliarden ein, und Terium wechselte an die Spitze des Newcomers.

Zu Teriums Abgang würdigte Brandt Innogy nun auch als „richtige Antwort auf die deutsche Energiewende“ und als eine „Perle der deutschen Energiewirtschaft“.

Tatsächlich war der IPO auch für Terium, der zuweilen unbeholfen wirkt, ein Befreiungsschlag. Als der gelernte Buch- und Steuerprüfer 2011 zum Nachfolger von Jürgen Großmann berufen worden war, hatte ihn keiner auf der Rechnung – und er hatte stets mit Vorbehalten zu kämpfen. Während Johannes Teyssen für die Aufspaltung von Eon gefeiert wurde, galt Terium als Zauderer ohne Visionen. Für viele blieb er der Controller, als der er 2003 bei RWE angefangen hatte.

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Der erfolgreiche Börsengang ließ die Kritiker zwar zunächst verstummen. Mit der Gewinnwarnung zerbarsten aber nicht nur die übertriebenen Erwartungen. Auch die Kritiker waren schnell wieder da. Im RWE-Aufsichtsrat machten die kommunalen Aktionäre Front gegen ihn. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz, der 2011 bei Großmanns Nachfolge Terium unterlegen war, schrieb einen mahnenden Brief, forderte Kostendisziplin ein – und gab den Innogy-Chef zum Abschuss frei.

Schon lange wurden Teriums Aktivitäten beim Mutterkonzern kritisch beäugt. Statt an raschen Erfolgen war Terium vor allem am langfristigen Umbau interessiert. Der Kulturwandel vom angestaubten Versorger zum modernen Dienstleister war ihm ein Herzensanliegen. Er hatte ein Faible für Digitalisierung und Start-ups, steckte Millionen in den Innovation-Hub, war selbst gerne im Silicon Valley, diskutierte mit Professoren der Stanford University und trommelte andere Unternehmen für eine Europa-Initiative zusammen.

Das wurde so lange geduldet, solange Innogy ein Erfolgsmodell war. Jetzt, mit dem drastischen Absturz, rückten die gewaltigen Kosten in den Vordergrund und die vielen Berater, die Terium beschäftigte. Viele seiner Ideen waren ohnehin als esoterisch verschrien. Teriums Strategie war langfristig angelegt, sein Vertrag lief noch bis 2021. Zum Abschluss wird er seine Visionen nicht mehr bringen können.

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