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Energie

Strommarkt Die Coronakrise trifft jetzt auch die Energiekonzerne

Der Stromverbrauch hat sich deutlich verringert. Eon muss deshalb die Prognose senken. Die Branche zeigt sich insgesamt aber robust – im Gegensatz zu ihren Kunden.
12.08.2020 - 13:41 Uhr Kommentieren
Im zweiten Quartal wurde deutlich weniger Strom verbraucht als üblich. Vor allem Großkunden aus der Industrie drosselten ihre Nachfrage. Quelle: dpa
Stromproduktion

Im zweiten Quartal wurde deutlich weniger Strom verbraucht als üblich. Vor allem Großkunden aus der Industrie drosselten ihre Nachfrage.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Corona-Pandemie hat in der Wirtschaft viele Negativrekorde mit sich gebracht – auch in der Energiebranche: Im zweiten Quartal sank der Stromverbrauch in vielen europäischen Ländern im Schnitt um rund zehn Prozent. „Eine Zahl wie diese haben wir noch nie gesehen“, hielt Eon-Chef Johannes Teyssen am Mittwoch nüchtern fest.

Auch Teyssens Unternehmen konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Im ersten Halbjahr wurde das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Dax-Konzerns sowohl im Vertrieb als auch im Netzgeschäft belastet.

Normalerweise ist die Energiebranche äußerst robust gegen Schwankungen der Konjunktur. Der Stromverbrauch der Privathaushalte ist vergleichsweise stabil und dürfte während des Lockdowns sogar leicht gestiegen sein. Schließlich haben viele Menschen ihre Zeit im Homeoffice verbracht und die Abende zu Hause. Es wurde fleißig im Internet gesurft, und viele Filme wurden gestreamt.

Zwar schwankt der Verbrauch der Industrie auch in normalen Zeiten mit der Konjunktur etwas. Aber für gewöhnlich schlägt dieser Effekt über alle Sektoren hinweg kaum zu Buche.

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    In diesem Frühjahr war freilich alles anders. Der wochenlange Lockdown in Deutschland und allen anderen europäischen Märkten legte Fabriken still und zwang Händler zur Schließung ihrer Geschäfte. Zwar stieg in den Privathaushalten der Stromverbrauch durch das Arbeiten zu Hause leicht an. Dagegen wurde in den Konzernzentralen die Anwesenheit auf ein Minimum gedrosselt, und viele Bürogebäude blieben über Wochen leer.

    Stromproduzenten haben sich abgesichert

    Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sank im ersten Halbjahr 2020 der Stromverbrauch in Deutschland um 5,7 Prozent auf 272 Milliarden Kilowattstunden. Im zweiten Quartal brach er sogar um acht bis zehn Prozent ein.

    „Der Stromverbrauch ist zeitweise deutlich gesunken – und der Markt hat sich noch immer nicht ganz normalisiert“, sagt Wolfgang Hahn, Geschäftsführer des Energieberaters ECG, der Unternehmen Energieverträge mit den Versorgern vermittelt.

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    Dabei habe es im zweiten Quartal eine Riesenspanne gegeben, erklärte Teyssen. Während in Schweden, das auf einen Lockdown verzichtete, der Verbrauch stabil geblieben sei, sei er in Italien und Spanien um 18 Prozent eingebrochen. „Seit Juli pendelt sich das Minus in allen Ländern erstaunlicherweise um die fünf Prozent“ ein, sagte Teyssen. „Wir gehen davon aus, dass dies ein guter Indikator für den Rest des Jahres sein wird.“

    Mit einem zweiten Lockdown rechnet der Eon-Chef jedenfalls nicht – weil diese „große Keule“ zu viele Kollateralschäden mit sich bringe. Eine schnelle Normalisierung erwartet er allerdings auch nicht, „da sich nicht alle Sektoren so schnell vollständig erholen werden“.

    Eon senkte deshalb bei der Vorlage des Zwischenberichts die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Deutschlands größter Energiekonzern rechnet für das Gesamtjahr 2020 mit einem negativen Ergebniseffekt durch die Corona-Pandemie von 300 Millionen Euro. Entsprechend setzte er die Bandbreite, in der das Ebit erwartet wird, auf 3,6 bis 3,8 Milliarden Euro herab.

    Bisher hatte die Prognose zwischen 3,9 und 4,1 Milliarden Euro gelegen. Der um Sondereffekte bereinigte Konzernüberschuss wird jetzt auf 1,5 und 1,7 Milliarden Euro prognostiziert – statt bisher 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro.

    Die Verwerfungen im Strommarkt gehen auch an der Strombranche nicht vorbei, die finanziellen Auswirkungen sind aber – verglichen mit den Gewinnwarnungen aus anderen Branchen – eher moderat.

    Stromproduzent Uniper bestätigte zwar am Dienstag bei der Vorlage die Verwerfungen bei Nachfrage und Preisen: „Mit dem Rückgang der Produktionsaktivitäten der Industrie geht auch ein Rückgang der Nachfrage nach Strom und Gas einher, was sich dann wiederum negativ auf die Preise auswirkt“, sagte Finanzvorstand Sascha Bibert.

    Allerdings habe Uniper „einen wesentlichen Teil der Stromproduktion“ aus den Wasserkraftwerken in Deutschland und Schweden sowie den Nuklearkraftwerken in Schweden für das Jahr 2020 bekanntlich bereits im Voraus verkauft.

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    „Auch in den Jahren 2021 und 2022 sind die Absicherungsquoten hoch“, fügte er hinzu. Tatsächlich platzieren Stromproduzenten üblicherweise einen großen Teil der geplanten Stromproduktion schon langfristig, teilweise über Jahre voraus am Terminmarkt.

    Auch Deutschlands größter Stromproduzent RWE hat sich langfristig abgesichert und dürfte sich am Donnerstag, wenn er seinen Zwischenbericht vorlegt, entsprechend entspannt über die Folgen der Corona-Pandemie äußern. „Unser Geschäftsmodell ist robust gegen kurzfristige Nachfrageschwankungen“, hatte Finanzvorstand Markus Krebber nach dem ersten Quartal betont.

    Bei Eon ist der Effekt größer. Der Energiekonzern hatte in den vergangenen Jahren seine komplette Produktion abgestoßen. Zuerst spaltete er die konventionellen Kraftwerke in das neue Unternehmen Uniper ab. Im vergangenen Jahr gab er dann die erneuerbaren Energien im Zuge des großen Tauschgeschäfts mit RWE ab. Seither ist Eon auf die Sparten Vertrieb und Netze fokussiert – und hier machte sich der Einbruch der Stromnachfrage bemerkbar, wenn auch moderat.

    Die Hälfte der Belastung, also 150 Millionen Euro, entfallen auf das Netzgeschäft, weil Eon weniger mit der Durchleitung von Strom eingenommen hat. Allerdings ist dieser Effekt nicht nachhaltig. In der Regel billigen die Regulierungsbehörden den Netzbetreibern für eine Regulierungsperiode feste Erlöse zu. Eon ist deshalb zuversichtlich, einen „Großteil dieser Effekte“ im Netzgeschäft in den Jahren 2022 bis 2024 wieder aufholen zu können.

    Eon-Aktie gibt deutlich nach

    Ebenfalls mit 150 Millionen Euro belastet wird die zweite Sparte Kundenlösungen, also der Vertrieb. Der Konzern musste einen Teil der Strommengen, die er eingekauft hatte und wegen des Lockdowns nicht absetzen konnte, wieder verkaufen – zu schlechteren Konditionen.
    In den ersten sechs Monaten sank das Ebit durch die Effekte auf rund 2,2 von 2,3 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Der Überschuss verringerte sich auf 933 Millionen von 1,05 Milliarden Euro. Die Aktie gab zwischenzeitlich um deutlich über ein Prozent nach.

    Nach Teyssens Worten ist der Covid-19-Effekt, der sich nicht mehr aufholen lässt, aber auf „nur etwa zwei Prozent“ des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im laufenden Geschäftsjahr begrenzt. „Unter der Annahme, dass wir keinen zweiten flächendeckenden Lockdown in unseren Kernmärkten erleben, gehen wir davon aus, dass mit unseren Halbjahreszahlen finanziell der größte Teil der Pandemieauswirkungen für Eon bereits verarbeitet ist“, sagte Teyssen. Deshalb bestätigte der Konzern seine mittelfristigen Ziele. Auch die Ankündigung, die Dividende bis zur Ausschüttung für 2022 jährlich um fünf Prozent zu steigern, erhält Eon aufrecht.

    So moderat die Folgen für die Energiebranche sind, so drastisch sind sie teilweise für die Großkunden aus der Industrie. Während die Stromproduzenten in der Regel ihre Strommengen am Terminmarkt langfristig verkauft haben, haben sich viele Unternehmen im Gegenzug langfristig mit großen Strommengen eingedeckt. Jetzt, während des Lockdowns, konnten viele Unternehmen die vereinbarten Strommengen nicht mehr abnehmen. Im besten Fall haben die Großkunden großzügige Toleranzbänder vereinbart, innerhalb derer der Stromverbrauch schwanken darf. Aber nicht alle Unternehmen waren so weitsichtig.

    „Die Coronakrise hat den Strommarkt stark durcheinandergewirbelt“, sagt ECG-Geschäftsführer Hahn. Wer keine ausreichenden Toleranzbänder vereinbart hatte, so Hahn, musste Strom, den er nicht verbrauchen konnte, am Markt zu deutlich niedrigeren Preisen verkaufen, als er ursprünglich für den Kauf bezahlt hatte. „Großkunden sind dadurch zum Teil in Probleme geraten.“

    Mehr: Eon senkt die Prognose für 2020

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