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Airline Lufthansa muss um Investoren kämpfen – Kapitalerhöhung fällt wohl kleiner aus

CEO Spohr hat den Konzern bis jetzt gut durch die Krise geführt. Doch Anleger bleiben skeptisch – die geplante Kapitalerhöhung dürfte weniger einbringen als gedacht.
31.08.2021 - 14:19 Uhr Kommentieren
Der Lufthansa-CEO will am liebsten noch vor der Bundestagswahl die Staatshilfen an den Bund zurückzahlen. Doch die Uhr tickt. Quelle: dpa
Carsten Spohr (rechts) zusammen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in einem Cockpit einer A320neo

Der Lufthansa-CEO will am liebsten noch vor der Bundestagswahl die Staatshilfen an den Bund zurückzahlen. Doch die Uhr tickt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es ist ein aufgeräumter, gut gelaunter Carsten Spohr, der am Montagabend in der Konzernzentrale vor die Presse tritt. „Wir glauben, eine positive Bilanz ziehen zu können für den Sommer und auch positiv auf die letzten Monate dieser Pandemie schauen zu können“, sagt der Lufthansa-Chef selbstbewusst.

Zwar bereite man sich darauf vor, dass noch mal ein langer, kalter Winter folgen werde. Aber das Ziel, im Jahresdurchschnitt 40 Prozent der normalen Kapazität zu fliegen, werde erreicht. „Wir sind als eine der Top-5-Airlines weltweit in diese Pandemie hineingegangen. Es ist unser Anspruch, als eine der Top-5-Airlines aus der Pandemie wieder herauszukommen“, zeigte sich Spohr selbstbewusst.

Tatsächlich läuft es nicht so schlecht für Europas größte Airline-Gruppe. Zwar hängt der wichtige Interkontinentalverkehr Richtung Nordamerika wegen der Einreisebestimmungen weiter am Boden fest. Seine Zuversicht, dass sich die USA noch im September für Geimpfte aus Europa öffnen, wiederholte Spohr nicht. Er wage hier keine Prognose mehr.

Doch das Unternehmen hat im zweiten Quartal erstmals seit Frühjahr 2020 mit 340 Millionen Euro wieder einen positiven bereinigten freien Cashflow erzielt. Hier machen sich gestiegene Ticketanzahlungen bemerkbar. Radikal wurden die Kosten gedrückt. 3,5 Milliarden Euro will Spohr bis 2024 an Kosten einsparen. Mehr als die Hälfte dieser Summe hat das Management bereits durch entsprechende Maßnahmen umgesetzt.

„Krisen sind Spohrs Stärke“, heißt es im Umfeld des Aufsichtsrats. „In der Pandemie hat er die Ärmel hochgekrempelt, auch Dinge geregelt, für die er eigentlich gar nicht zuständig ist.“ Doch an einer Stelle hakt es: Die geplante Kapitalerhöhung läuft zäher als geplant.

Investoren verlangten heftigen Kursabschlag

Zwar sind die Vorbereitungen nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld kurz vor dem Abschluss. „Das wird in den nächsten Wochen kommen. Es muss auch kommen, denn sonst verfallen Fristen und man muss wieder von vorne beginnen“, sagt eine Führungskraft. Doch die Lufthansa wird deutlich weniger Geld bekommen als geplant.

Drei Milliarden Euro wollte das Management eigentlich einsammeln. Alles war vorbereitet. Am 14. Juni gab der Konzern ehrgeizige Mittelfristziele bekannt, danach sollte die Kapitalerhöhung realisiert werden. Doch die Reaktionen der Investoren waren zurückhaltend. „Die Angebote der Investoren waren so unattraktiv, das konnte man nicht annehmen“, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Teilweise sei ein Abschlag auf den Kurs von bis zu 50 Prozent verlangt worden.

Nun werden es wohl höchstens zwei Milliarden Euro werden, wenn denn die Angebote dieses Mal besser sind. Dass der Bund, der im vergangenen Jahr mit 20 Prozent bei Lufthansa eingestiegen ist, begonnen hat, Anteile zu verkaufen, hilft. Denn er wird den Erlös wohl nutzen, um bei der Kapitalerhöhung mitzuziehen – ein gutes Signal an die anderen Anteilseigner.

Doch ein gewisses Risiko bleibt. „Die Lufthansa hat sich in ihrer Geschichte bisher nicht den Ruf eines kapitalmarktorientierten Unternehmens erarbeitet“, beschreibt Daniel Röska von Bernstein Research die Stimmungslage auf Investorenseite: „Jetzt sollen die Investoren dem Unternehmen helfen, aber dazu reichen ein paar Folien und ein paar Monate nicht.“

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Über Jahrzehnte hat sich die Lufthansa nur am Rande mit den Interessen der Investoren beschäftigt. Die einstige Staatsairline machte ihr eigenes Ding, kaufte zum Beispiel lieber Flugzeuge, anstatt sie wie von Investoren gefordert zu mieten.

Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley erkannte das Problem und forderte eine intensivere Kapitalmarktkommunikation. Spohr und sein Team reagierten, im Juni 2019 fand ein erster Kapitalmarkttag statt. Doch wenige Monate später kam die Corona-Pandemie, andere Themen waren plötzlich wichtiger.

Die gute Nachricht: Auch die kleinere Kapitalerhöhung dürfte reichen, um die Staatshilfen wie geplant zurückzuzahlen. Das will Spohr um jeden Preis schaffen. Denn die staatliche Stütze ist Segen und Fluch zugleich. Solange Steuergeld im Konzern gebunden ist, darf das Management keine größeren Zukäufe tätigen. Jede Dividendenzahlung an Joint-Venture-Partner ist untersagt oder muss etwa gegenüber dem Vertreter der EU-Kommission begründet werden – selbst wenn Verträge Lufthansa rechtlich zur Zahlung verpflichten.

Probleme sind längst nicht gelöst

Auch dürfen keine Boni an das Management fließen, was für Frustration sorgt. Auf der Leitungsebene habe es einen massiven Aderlass gegeben, beklagt eine Führungskraft: „Es gibt ganze Abteilungen, die deswegen um ihre Handlungsfähigkeit fürchten.“ Umso wichtiger ist es, dass der Befreiungsschlag am Kapitalmarkt gelingt.

Gelöst sind die Probleme der Airline-Gruppe damit allerdings nicht: „Selbst wenn zwei Milliarden Euro reichen mögen, die Staatshilfe zurückzuzahlen, es reicht nicht, um die Bilanz zu richten“, sagt Röska von Bernstein Research: „Die Lufthansa wird früher oder später wieder bei den Investoren um Geld bitten müssen.“

Nicht mangelnde Liquidität ist das Problem des Konzerns. Es ist das stark geschrumpfte Eigenkapital. 3,15 Milliarden Euro sind hier Ende Juni im Zwischenbericht vermerkt – und das auch nur, weil der Konzern im zweiten Quartal noch mal 1,5 Milliarden Euro als stille Einlage aus dem Rettungspaket des Bundes gezogen hat. Das ist zu wenig, vor allem im Verhältnis zur Verschuldung.

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15,6 Milliarden Euro hat Lufthansa an Finanzschulden aufgetürmt. Zieht man die flüssigen Mittel von etwas mehr als zwei Milliarden Euro ab, bleiben 13,5 Milliarden Euro. Das ist mehr als das Vierfache des Eigenkapitals. Will die Lufthansa attraktiv für den Kapitalmarkt werden, muss als Erstes eine solide Eigenkapitalbasis her.

Zumal die nächste Herausforderung bereits wartet. Ende des Jahres läuft die wegen Corona großzügig gestaltete Regelung zum Kurzarbeitergeld aus. Zwar werben die Gewerkschaften derzeit massiv in der Politik für eine Verlängerung. Gelingt das aber nicht, kommen auf viele Unternehmen zusätzliche Kosten zu, auch auf die Lufthansa.

Personalchef Michael Niggemann hat deshalb erste informelle Gespräche mit Verdi und der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit aufgenommen. Das Ziel: Anschlusstarifverträge zu den bestehenden Krisenvereinbarungen, mit denen Arbeitszeit und Lohn dauerhaft abgesenkt werden.

Doch einfach werden die Verhandlungen nicht. Die Gewerkschaften sehen mittlerweile ein ganz anderes Problem: Der Personalabbau sei so stark ausgefallen, dass es in vielen Bereichen zu Engpässen komme, heißt es etwa bei Verdi.

Mehr: Gastronomie, Luftfahrt, Events – vielen Corona-geschädigten Branchen geht das Personal aus

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