Beiersdorf, Unilever, P&G: Konsumgüterfirmen lassen Pandemie hinter sich – und wollen die Preise weiter erhöhen
Beiersdorf ist gut ins neue Jahr gestartet.
Foto: dpaDüsseldorf. Beiersdorf und Unilever sind überraschend gut ins Jahr gestartet. Der Nivea-Hersteller wuchs in den ersten drei Monaten aus eigener Kraft um 10,3 Prozent, der britische Produzent von Dove oder Axe steigerte seinen Umsatz um 7,3 Prozent. Beide Konsumgüterhersteller übertrafen mit ihren am Donnerstag präsentierten Zahlen deutlich die Erwartungen der Analysten.
Zuletzt hatten auch der Ariel-Hersteller Procter & Gamble (P&G) und der Parfumproduzent L’Oréal überdurchschnittlich gute Zahlen vermeldet – genauso wie der Duft- und Aromenhersteller Symrise, der diesen Firmen zuliefert. P&G steigerte den Umsatz im abgelaufenen Quartal aus eigener Kraft um zehn Prozent, L’Oréal um 13,5 Prozent, bei Symrise waren es 8,3 Prozent.
Die Zahlen zeigen: Die Konsumgüterbranche hat ihr Coronatief überwunden, allerdings zulasten der Verbraucher. Denn die Markenartikler profitierten in den ersten Monaten vor allem von Preissteigerungen, die sie an den Handel und somit an die Kunden weitergeben konnten.
So erhöhte Unilever die Preise um 8,3 Prozent, während das Absatzvolumen um ein Prozent fiel. Auch Beiersdorf steigerte den Umsatz vor allem durch Preiserhöhungen.
Konsumgüterfirmen sind in einem Dilemma: Sie müssen zwar versuchen, auf die stark steigenden Rohstoff- und Energiekosten zu reagieren. Sie können die Preise aber nicht zu sehr erhöhen, weil die Verbraucher, die ohnehin unter der Inflation leiden, sonst auf günstigere Produkte etwa von Handelsmarken ausweichen. Bislang hätten die Preiserhöhungen nicht dazu geführt, dass Kunden weniger Beiersdorf-Produkte gekauft hätten, sagte Finanzvorständin Astrid Hermann.
Beiersdorf und Unilever erholten sich besonders in Produktkategorien, die am stärksten unter den Pandemie-Einschränkungen gelitten hatten: Deodorants, Gesichtsreinigung oder Lippenpflege. Auch L’Oréal mit Marken wie Maybelline oder Lancôme verzeichnet hierzulande seit Anfang April ein zweistelliges Wachstum bei Lippenstiften.
Während der Pandemie war vor allem das Geschäft mit dekorativer Kosmetik wie Nagellack, Make-up oder Lippenstift eingebrochen, da es während der Lockdowns wenig Anlässe zum Schminken und Ausgehen gab und auch der stationäre Fachhandel geschlossen war. Zwar stieg durch Corona die Nachfrage nach Hygiene- und Desinfektionsmitteln, das konnte die Verluste im margenstärkeren Kosmetikgeschäft allerdings nicht ausgleichen.
Bei Beiersdorf profitiert die Luxusmarke La Prairie mit einem organischen Umsatzplus von 11,1 Prozent. Hochwertige Kosmetika werden häufig an Flughäfen gekauft. Weil die Menschen wieder mehr fliegen, wird dieser Vertriebskanal für die Markenartikler wieder wichtiger. Die Kernmarke Nivea dürfte auch davon profitieren, dass Konsumenten wegen vermehrter Urlaubsreisen stärker Sonnenschutzprodukte nachfragen.
Kunden müssen mit weiteren Preiserhöhungen rechnen
Trotz der guten Nachrichten: Die Konsumgüterfirmen kämpfen seit vielen Monaten mit steigenden Rohstoffkosten und lückenhaften Lieferketten. So verzeichnete etwa Henkel 2021 insgesamt 1400 Lieferunterbrechungen, während es vor Corona nur bis zu 250 waren, hieß es jüngst auf der Hauptversammlung.
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine verschärft die Probleme weiter und sorgt zudem für steigende Energiekosten. Das dürfte Margen und Gewinne schmälern. So geht P&G zwar von größeren Umsätzen als zuletzt aus, allerdings auch von niedrigeren Gewinnen.
Hersteller Unilever rechnet im zweiten Halbjahr nun mit Kosten von 2,7 Milliarden Euro – 1,2 Milliarden mehr als zunächst anvisiert.
Foto: BLOOMBERG NEWSKonkurrent Unilever rechnet im zweiten Halbjahr nun mit Kosten von 2,7 Milliarden Euro – 1,2 Milliarden mehr als zunächst anvisiert. Die Briten wollen darauf mit weiteren Preiserhöhungen reagieren. Bislang habe man so zwei Drittel der steigenden Kosten abfedern können.
Auch Beiersdorf versucht, mit der Weitergabe der Kosten und Effizienzmaßnahmen zu reagieren. Für Verbraucher heißt das: Sie müssen für Kosmetika mit weiteren Preiserhöhungen rechnen.
Kosmetikfirmen nur indirekt vom Ukrainekrieg betroffen
Beiersdorf etwa erwirtschaftet dort drei Prozent. Der Nivea-Hersteller hält auf Jahressicht unverändert an seinem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich fest. Er rechnet sogar damit, die Marge im Konsumentengeschäft leicht steigern zu können. Unilever verwies wegen steigender Kosten allerdings darauf, dass die Gewinnmarge nun am unteren Ende der anvisierten 16 bis 17 Prozent liegen werde.
L’Oréal leidet infolge des Kriegs unter Engpässen bei wichtigen Vorprodukten, „besonders bei Ölen für die Herstellung von Kosmetikprodukten, Verpackungsmaterialien und Glasflakons“, schreibt DZ-Bank-Analyst Michael Pohn. L’Oréal werde es seiner Ansicht nach gelingen, die Mehrkosten an die Verbraucher weiterzugeben.
Henkel wird kommenden Donnerstag seine Quartalszahlen veröffentlichen. Die Düsseldorfer hatten zuletzt nach langer Kritik ihr Russlandgeschäft beendet. Wie sich das auf die Erlöse auswirkt, könnte dann klarer werden. Zudem will Vorstandschef Carsten Knobel Details des Konzernumbaus präsentieren, bei dem auch Mitarbeiter entlassen werden sollen.