Burger King schmeißt Filialbetreiber raus: Fast-Food-Kette zieht Konsequenz aus Hygieneskandal
Burger King verkaufte 2013 seine in Eigenregie betriebenen Filialen in Deutschland – und kündigt nach Skandalen jetzt dem Käufer.
Foto: ReutersDüsseldorf. Burger King will einen Schlussstrich ziehen: Die US-Fast-Food-Kette kündigt ihrem größten Franchise-Nehmer in Deutschland. Die Yi-Ko-Holding betrieb zuletzt 89 Restaurants mit rund 3000 Mitarbeitern. Die Filialen müssen jetzt schließen, doch der Franchise-Nehmer will sich wehren.
Im Frühjahr hatten massive Hygienemängel in den Burger-King-Restaurants für großes Aufsehen gesorgt. Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hatte über die Verstöße berichtet. Außerdem fiel Yi-Ko durch ihr Vorgehen gegen Arbeitnehmer auf – so verklagte der Franchise-Nehmer unter anderem mehrere Betriebsräte. Jetzt platzte der Burger King Beteiligungs GmbH, die im Mai vergangenen Jahres die vormals in Eigenregie betriebenen Filialen noch an Yi-Ko verkauft hatte, offenbar der Kragen.
„Nach dem Hygieneskandal im Mai hat sich zunächst vieles verbessert, doch seit dem Sommer gab es wiederholt Verstöße gegen die geschlossenen Vereinbarungen“, erklärte Burger-King-Deutschland-Chef Andreas Bork in der „Bild“-Zeitung. Daher habe man am Dienstag alle Verträge fristlos gekündigt.
„Die Yi-Ko hat Urlaubsgelder und Zuschläge einbehalten, im Krankheitsfall Gehälter erst verspätet ausgezahlt“, sagte Bork. Das stimme nicht mit den Grundsätzen von Burger King überein. Offenbar gab es aber auch bei der Hygiene erneut Probleme. Die „hohen Standards“ würden nicht überall eingehalten, erklärte Bork in der „Bild“. Eine Rolle bei der Kündigung spielten auch Hinweise, dass Ex-Geschäftsführer Ergün Yildiz „sich wieder in das Tagesgeschäft eingemischt hat“, so Bork. Dabei hatte Burger King mit Yi-Ko im Mai einen Geschäftsführerwechsel vereinbart.
Yildiz hatte die Restaurants 2013 mit einem Geschäftspartner gekauft, nach seinem offiziellen Rückzug als Geschäftsführer blieb er Gesellschafter der Yi-Ko Holding.
Die 89 Burger-King-Filialen müssten jetzt zumachen, teilte die Burger King Beteiligungs GmbH auf Anfrage von Handelsblatt Online mit. Yi-Ko werde mit der Kündigung des Franchise-Vertrages dazu aufgefordert, die Restaurants zu schließen. „Wenn die Yi-Ko dieser Forderung nicht nachkommt, werden wir gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen.“
Es droht ein juristisches Scharmützel, denn Franchise-Nehmer Yildiz will sich wehren. Sein Anwalt und Interims-Geschäftsführer Dieter Stummel sagte dem Handelsblatt, er wolle mit einer einstweiligen Verfügung vor Gericht erreichen, dass die Restaurants vorerst weitermachen können. Offenbar will Stummel der Schließungsaufforderung nicht sofort nachkommen, sondern vor Gericht erreichen, dass Yi-Ko weiter beliefert wird. Die Kündigung sei unberechtigt. Sollten die Restaurants schließen, drohe eine rasche Insolvenz.
Deutschland-Chef Bork hatte in der „Bild“ erklärt, dass es für konkrete Pläne mit den Filialen noch zu früh sei: „Wir werden alles dafür tun, möglichst alle Restaurants und die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten.“
Die Beschäftigten stehen vor einer ungewissen Zukunft. „Das ist natürlich jetzt eine sehr schwierige Krise für dieses Unternehmen“, sagte Guido Zeitler, Referatsleiter für das Gastgewerbe bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), am Mittwoch. „Wir brauchen ganz schnell Klarheit, wie es mit den einzelnen Restaurants weitergeht, damit die Beschäftigten die Klarheit haben, bei wem sie morgen, übermorgen und überübermorgen noch arbeiten“, forderte Zeitler. Theoretisch sei es zwar denkbar, dass eine neue Burger-Kette gegründet werde – aber das sei nicht von heute auf morgen machbar. Zugleich liefen Kosten wie Pachten und Gehälter weiter. Die NGG erwarte nun, dass Burger King den Beschäftigten zur Seite stehe.
Zu Burger King gehören in Deutschland – inklusive der jetzt betroffenen Filialen – rund 700 Restaurants. Burger King ist die weltweit zweitgrößte Fast-Food-Kette hinter McDonald's. Das 60 Jahre alte Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben mehr als 14.000 Restaurants und bedient täglich über elf Millionen Gäste in 100 Ländern. Fast alle Burger-King-Filialen werden von unabhängigen Lizenznehmern in einem sogenannten Franchise-System geführt.
Im dritten Quartal erwirtschaftete das US-Unternehmen nur ein kleines Umsatzplus von 1,4 Prozent auf 279 Millionen Dollar (223 Millionen Euro). Sonderkosten wegen der Übernahme der kanadischen Kaffee- und Donut-Kette Tim Hortons sorgten zudem für einen Quartalsverlust von 23,5 Millionen Dollar, nach 68,2 Millionen Dollar Gewinn im Vorjahr.