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Emissionsfreie Antriebe Deutsche Bahn will 2024 Wasserstoffzug von Siemens testen

Die Bahn und Siemens schicken ab 2024 einen Wasserstoffzug im Raum Tübingen testweise auf die Schienen. Die Reichweite soll bei 600 Kilometern liegen.
23.11.2020 Update: 23.11.2020 - 16:50 Uhr 1 Kommentar
Ein Zug dieses Typs kostet nach Angaben von Siemens je nach Ausstattung fünf bis zehn Millionen Euro. Quelle: Siemens
Mireo Plus

Ein Zug dieses Typs kostet nach Angaben von Siemens je nach Ausstattung fünf bis zehn Millionen Euro.

(Foto: Siemens)

Düsseldorf Zwei Jahre nach dem Start der ersten mit Wasserstoff angetriebenen Triebwagen von Alstom auf dem deutschen Eisenbahnnetz wagt sich auch der Staatskonzern Deutsche Bahn an diese neue Technologie. Gemeinsam mit Siemens will die Bahn 2024 einige Erprobungszüge in Baden-Württemberg einsetzen, teilten die Unternehmen am Montag mit.

Wasserstofftriebwagen könnten eines Tages Dieselzüge ersetzen und so die Klimabilanz verbessern. Das Besondere am Siemens-Zug: Der Mireo Plus H kann alternativ mit Batterien und auch mit Strom aus der Oberleitung fahren.

Das französische Unternehmen Alstom gilt als Pionier auf dem Gebiet der mit Brennstoffzellen angetriebenen Züge. Die ersten beiden Triebwagen des Typs Coradia iLint sind seit September 2018 in Niedersachsen im normalen Fahrbetrieb. Es sind umgerüstete Dieseltriebwagen.

Die lokale Verkehrsgesellschaft LNVG will ab dem kommenden Jahr 14 Coradia-Wasserstoffzüge auf ihren Strecken betreiben. Darüber hinaus hat die hessische Verkehrsgesellschaft RMV für ihr Netz 27 Coradia iLint für den Einsatz ab 2022 bestellt. Das wäre die weltweit größte Flotte mit Wasserstoffzügen. Bei der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) hat der iLint inzwischen einen zehnwöchigen Testbetrieb absolviert.

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    Der Zug von Siemens soll eine Reichweite von 600 Kilometern haben und ist mit Brennstoffzellen von Ballard Power ausgestattet. „Die klimafreundliche Verkehrswende ist möglich“, sagte Bahn-Vorstandsmitglied Sabina Jeschke. „Unsere Wasserstoffzüge können langfristig Dieselfahrzeuge ersetzen“, sagte der Chef der Siemens-Zugsparte, Michael Peter der Agentur Reuters. Die Ablösung des Verbrennungsmotors im Bahnverkehr durch Fahrzeuge mit Wasserstofftanks oder Batterien werde sich zu einem milliardenschweren Markt entwickeln.

    „Wir sehen in Europa ein Marktpotenzial von 10.000 bis 15.000 Triebzügen, die in den nächsten zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden“, sagte der Siemens-Mobility-Chef. Ein Zug des Typs Mireo Plus H koste je nach Ausstattung fünf bis zehn Millionen Euro. „Das ergibt in Europa ein Marktpotenzial von 50 Milliarden bis 150 Milliarden Euro.“

    Offen sei jedoch, ob sich auf den nicht elektrifizierten Strecken Fahrzeuge mit Wasserstofftanks oder solche mit Batterien durchsetzen. Siemens verfolge deswegen mehrere Optionen. „Der Strom kommt entweder aus der Oberleitung, aus der Batterie oder aus der Brennstoffzelle“, erläuterte Peter. „Aufgrund unserer Modulbauweise können wir diese Stromquellen im Fahrzeug je nach Kundenwunsch kombinieren.“ Eine Studie des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) hatte gezeigt, dass Brennstoffzellen nicht immer die beste Alternative zu Diesel sind.

    Siemens Mobility sieht sich im Vorteil gegenüber dem Rivalen Alstom: Während die Franzosen ihren Coradia iLint aus einem Dieselfahrzeug entwickelt haben, kann sich der Siemens-Zug auf elektrifizierten Streckenabschnitten auch aus der Oberleitung versorgen, um zu fahren und um die Batterie zu laden.

    Wasserstoff soll mit grünem Strom hergestellt werden

    Nicht nur deswegen sieht Siemens für alternative Antriebe auf der Schiene geringere Hürden als bei der Ablösung von Dieselfahrzeugen auf der Straße. „Die Versorgungs-Infrastruktur ist wesentlich einfacher“, sagte Peter. „In einem Regionalnetz brauchen Sie nur eine einzige Tankstelle. Dort nimmt der Betreiber regelmäßig große Mengen ab.“

    Für den Tübinger Wasserstoffzug rüstet die Bahn das Instandhaltungswerk Ulm um und entwickelt eine mobile Wasserstofftankstelle. Der Wasserstoff solle in Tübingen mit Ökostrom hergestellt werden. Der Zug werde ein Jahr lang einen Dieseltriebwagen zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim ersetzen, hieß es. Das ermögliche es, 330 Tonnen Kohlendioxid im Jahr einzusparen.

    Bei der Leistung der Wasserstoffzüge gibt es Peter zufolge keine Abstriche. „In puncto Beschleunigung und Geschwindigkeit steht der Mireo herkömmlichen Elektro-Triebzügen in nichts nach und ist Dieselfahrzeugen überlegen.“ Mit starken Diesellokomotiven, wie sie etwa auf den nicht elektrifizierten Strecken Nordamerikas fahren, könne der Wasserstoffantrieb aber noch nicht konkurrieren: „Für schwere Güterzüge wie auf den amerikanischen Langstrecken sehe ich derzeit noch keine Einsatzmöglichkeit für Brennstoffzellen.“

    Die Bahn will in 30 Jahren klimaneutral unterwegs sein. Dafür müssen unter anderem 1300 Dieseltriebzüge ersetzt werden. Denn 13.000 Kilometer Schiene haben keine Oberleitung, das sind 39 Prozent des Netzes. Die Elektrifizierung geht nur sehr langsam voran. Oft sind die Strecken ohne Stromanschluss aber auch nicht besonders stark befahren.

    Für solche Abschnitte testet die Bahn auch Hybrid-Loks mit Diesel und Batterie. Es soll zudem reine Batteriezüge geben. Experimentiert wird auch mit sogenanntem Öko-Diesel aus Altfetten. Denn auch mit Strom sind die Züge nicht sauber unterwegs. Der Ökostrom-Anteil im Bahnstrom liegt bei 60 Prozent. Für 2038 werden 100 Prozent angestrebt.

    Mit Material von dpa und Reuters

    Mehr: Studie: Batteriezug schlägt Wasserstoff-Triebwagen

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    1 Kommentar zu "Emissionsfreie Antriebe: Deutsche Bahn will 2024 Wasserstoffzug von Siemens testen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • wer braucht so einen überflüssigen Zug? Die Bahn hat genug E Strecken - wo noch Diesel fährt ist entweder wirtschaftlich wenig los oder der Dieselzug ist billiger.

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