Fisch, Meeresfrüchte & Co.: Warum Konserven in Spanien eine Delikatesse sind
Madrid. Wenn Rogelio Enríquez vom Essen spricht, spitzt er den Mund, kneift die Augen leicht zusammen und beschreibt den Geschmack so konzentriert, als würden sich die Leckereien bereits direkt in seinem Mund befinden. Der Präsident der Madrider Akademie für Gastronomie liebt vor allem eines: Dosenfisch. „In der Dose vereint sich das Fett des Öls mit dem des Fisches und macht den Geschmack noch einmal stärker und reifer“, sagt er.
Enríquez steht in einem seiner Lieblingslokale, dem Coalla in Madrid, vor einem sechs Meter langen Regal voll sorgsam aufgereihter Konserven mit Fisch, Meeresfrüchten und Gemüse. Viele sehen aus wie kleine Kunstwerke, stylisch eingewickelt in Papier mit Zeichnungen von putzigen Tintenfischen oder sprechenden Seehechten. Konserven sind in Spanien angesagt.
Enríquez hortet zu Hause 400 davon – die älteste ist aus dem Jahr 2004. Auch die meisten anderen haben das Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten. „Das ist wie bei gutem Wein –je älter, desto besser“, beteuert der gelernte Pharmazeut. Seine ‚latas‘ wie die Konserven auf Spanisch heißen, öffnet er zu besonderen Gelegenheiten.