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Frank Appel im Interview Post-Chef für höhere Spritpreise – „Fünf-Tage-Zustellung würde auch Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten"

Appel glaubt, dass Konzerne so verlässlicher ihre Klimaziele planen und damit auch umsetzen könnten. Zudem spricht er über Kriegsängste und seine Erfahrungen mit DOS-Rechnern.
18.12.2019 - 03:57 Uhr 2 Kommentare
„Wir müssen die CO2-Emission verteuern.“ Quelle: Jann Höfer für Handelsblatt
Frank Appel

„Wir müssen die CO2-Emission verteuern.“

(Foto: Jann Höfer für Handelsblatt)

Bonn Im Streit um den Klimaschutz befürwortet Post-Chef Frank Appel die vom Bundesrat beschlossene Erhöhung der Benzinpreise um sieben Cents. „Das ist der richtige Schritt in die richtige Richtung. Nicht zu viel und nicht zu wenig“, sagte Appel im Interview mit dem Handelsblatt.

Appel sieht in höheren Energiepreisen generell eine wichtige Chance, den technologischen Wandel zu beschleunigen. Dazu gehöre auch die Entwicklung neuer Energieträger. „Die Lösung liegt einerseits in künstlichen und andererseits in alternativen Treibstoffen“, glaubt der promovierte Naturwissenschaftler. „Dazu müssen wir die CO2-Emission verteuern, und zwar so, dass wir verlässliche Businesspläne daraus machen können.“

Von einem Handel mit CO2-Zertifikaten hält er dabei wenig. Damit die Wirtschaft verlässlich planen kann, verlangt Appel stattdessen konkrete Preiserhöhungen für Diesel, Benzin oder Kerosin – und das möglichst global. „Wenn ich weiß, die Tonne CO2 kostet überall auf der Welt zehn, 20 oder 50 Euro, kann ich daraus errechnen, ob ich aus einer entsprechenden Investition einen positiven Beitrag erhalte oder keinen.“

Die selbstgesetzte Frist, das eigene Geschäft bis 2050 CO2-frei zu betreiben, will Appel dennoch nicht verkürzen. Den größten Anteil am CO2-Fußabdruck der Post habe nicht der Lieferwagen-Verkehr, den man schon jetzt mit dem emissionsfreien „Streetscooter“ ausrüste, sondern der Flugverkehr. Die Entwicklungszyklen seien dort sehr lang, klagt Appel und merkt an: „Der flächendeckende Einsatz von nachhaltigen Treibstoffen brächte hier einen Schub.“

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    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Appel, hätten Sie als junger Mensch bei Fridays for Future mitdemonstriert?
    Ich habe mich in meiner Jugend für meine Überzeugungen eingesetzt und so zum Beispiel im Bonner Hofgarten gegen die Nachrüstung oder auch gegen Kernkraftwerke demonstriert. Es hat sich gut angefühlt, Teil einer Bewegung mit einem gemeinsamen Ziel zu sein. Voraussetzung für meine Teilnahme an Demonstrationen war immer, dass es dort nicht zu Gewalt kam. Ich finde es sehr gut, wenn Menschen ihre Meinung äußern, aber man muss denen, die man kritisiert, mit Respekt begegnen.

    Und inhaltlich? Haben die Kids recht?
    Sie haben Recht, dass wir etwas tun müssen. Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen alle realistisch, umsetzbar und zielführend sind, da habe ich meine Zweifel.

    Welche Maßnahmen favorisieren Sie denn?
    Die Lösung liegt einerseits in künstlichen und andererseits in alternativen Treibstoffen. Dazu müssen wir die CO2-Emission verteuern, und zwar so, dass wir verlässliche Businesspläne daraus machen können.

    Also einen Handel mit CO2-Zertifikaten?
    Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass CO2 etwas kostet und dieser Preis aus Wettbewerbsgründen mindestens europäisch, am besten global gilt. Wir müssen hier über Industrien und Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten; Alleingänge führen hier nicht zum Ziel. Wenn ich weiß, die Tonne CO2 kostet überall auf der Welt zehn, 20 oder 50 Euro, kann ich daraus errechnen, ob ich aus einer entsprechenden Investition einen positiven Beitrag erhalte oder keinen. Solange ich das nicht genau weiß, bekomme ich auch keinen Zug auf die alternativen Technologien. Sollte dies nicht konsensfähig oder für bestimmte Industrien nicht anwendbar sein, müssen wir in Alternativen wie dem Zertifikatehandel denken.

    Reicht Ihnen der am Montag beschlossene Kompromiss im Vermittlungsausschluss, der den Liter Benzin um gut sieben Cent verteuern wird?
    Das ist der richtige Schritt in die richtige Richtung. Nicht zu viel und nicht zu wenig.

    Sie selbst haben der Post 2017 das Ziel gesetzt, bis 2050 CO2-frei zu arbeiten. Müssen Sie angesichts der Klimadebatte die Frist nicht verkürzen?
    Natürlich möchten wir unser Geschäft so bald wie möglich CO2-neutral betreiben, aber wir sind hier auch abhängig von regulatorischen Rahmenbedingungen und technologischen Entwicklungen unserer Partner und Zulieferer. Da müssen wir realistisch sein. Den größten Anteil an unserem CO2-Fußabdruck haben nicht unsere Lieferwagen, die in urbanen Räumen durch emissionsfreie Streetscooter ersetzen können, sondern unser Flugverkehr. In dieser Industrie stecken nachhaltige Lösungen noch in den Kinderschuhen, die Entwicklungszyklen sind sehr lang. Der flächendeckende Einsatz von nachhaltigen Treibstoffen brächte hier einen Schub.

    Für Ihre Express-Sparte bestellen Sie gerade zahlreiche neue Flugzeuge bei Boeing. Gibt es von dort Signale, dass man an alternativen Treibstoffen arbeitet?
    Sie arbeiten daran. Nur: Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die den Einsatz alternativer und künstlicher Antriebe wirtschaftlich machen und den Unternehmen die Möglichkeit geben, daraus verlässliche Businesspläne zu erstellen.

    Drücken Sie da die sozialen Kosten nicht in den Skat? Am Ende werden sich dann nur noch Reiche Flugreisen leiten können.
    Es gibt eben nicht den Königsweg, der alle glücklich macht, ohne dass jemand den Preis dafür bezahlt. Wenn es Härten gibt, muss man bei diesen gegensteuern.

    Deutsche Post DHL hat sich einen Purpose gegeben: Logistik ermögliche den globalen Handel, die Post verbinde Menschen und verbessere ihr Leben. Nur: Passiert nicht gerade das Gegenteil? Die Globalisierung provoziert Handelsstreit und Populismus.
    Den Purpose „Connecting People, Improving Lives“ haben wir uns schon 2009 gegeben. Für unsere rund 550.000 Mitarbeiter in allen Ländern der Welt ist es wichtig zu wissen, dass unser Unternehmen einen Beitrag leistet und zu verstehen, welcher dies ist. Nach einigen sehr starken Jahren sehen wir aktuell eine leichte Abkühlung des Welthandels, aber ich bin sicher, dass sich der Trend der Globalisierung aufgrund ihrer vielen Errungenschaften nicht zurückdrehen lässt.

    Es irritiert sie also nicht, dass der Welthandel zurückgeht?
    Unser jüngster DHL Global Connectedness Index, mit dem wir einmal im Jahr anhand von Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströmen den Stand der weltweiten Vernetzung messen, zeigt einen leichten Rückgang, aber ein weiterhin hohes Niveau der Globalisierung. Es ist im Moment nicht der tatsächliche Handel, der schrumpft, sondern der Kapitalfluss. Positiv ist das nicht, denn Unternehmen verzögern ihre Kapitalinvestitionen. Das bremst die Konjunktur. Wenn Unternehmen ihre Kapazitäten nicht weiter ausbauen, wird es auch kein signifikantes Wirtschaftswachstum geben.

    Europa soll stärker werden

    Das zeigt doch, wie groß die Unsicherheiten derzeit sind.
    Deshalb ist es wichtig, dass wir im kommenden Jahr Lösungen für die aktuellen Unsicherheiten, wie den Brexit, bekommen. Die Verzögerungen haben zwar dafür gesorgt, dass es keinen harten Brexit gegeben hat, sie haben aber auch den Verzug von Investitionen zur Folge.

    Doch viele Unsicherheiten bleiben. Die Investitionen aus China gehen zurück, in Hongkong verschärfen sich die Bürgerproteste, die USA setzen Handelsschranken gegen China und Europa. Beunruhigt Sie das nicht?
    Wir müssen Europa weiter stärken. Jahrhundert-Herausforderungen wie die Digitalisierung können wir nur gemeinsam meistern. Aus diesem Grund haben wir unsere mehr als 300.000 Beschäftigten in Europa vor der Wahl im Mai in einer großangelegten Kampagne zur Beteiligung aufgerufen. Wir haben aufgezeigt, welche großartigen Errungenschaften die EU uns gebracht hat, weil diese oft in Vergessenheit geraten. Meistens kommt so etwas leider bei den Menschen emotional nicht an. Wir müssen das, was die Globalisierung getan hat, positiv besetzen. Immerhin hat uns das vereinigte Europa 75 Jahre Frieden beschert.

    Können Sie sich vorstellen, dass es in Ihrer Lebensspanne in Europa Krieg gibt?
    Damit das nicht passiert, müssen wir den Menschen erklären, was wir mit Europa für einen Schatz haben. Ich glaube, da reden wir zu wenig drüber.

    Wer ist schuld daran?
    Ich denke, viele haben das System der sozialen Marktwirtschaft, das nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde, mittlerweile als selbstverständlich angenommen. Doch nicht jeder fühlt sich auf diesem Weg mitgenommen.

    Veränderungen im Konzern erklären
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    2 Kommentare zu "Frank Appel im Interview: Post-Chef für höhere Spritpreise – „Fünf-Tage-Zustellung würde auch Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten""

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ H. Oser,
      genau richtig beobachtet und beschrieben.

      Solche Vorsitzende wie H. Appel sollte man schnellstens entfernen.

      Aber Beamte können nicht entlassen werden. (siehe auch Deutsche Bahn)

    • Für wie dumm hält Appel uns eigentlich?
      Ein höherer Spritpreis die Hr. Appel/Post von der Politik fordert hat über haupt nichts mit Klimaschutz zu tun, sondern ausschließlich mit Schädigung der Wettbewerber. Die Post hat mit ihrem StreetScooter ein E-Mobil für die Stadt und die Wettbewerber nicht. Hier soll also ausschließlich Wettbewerb verhindert bzw. erschwert werden.
      Desweitern würden die Forderung von Hr. Appel/Post nach höheren Spritpreise alle autofahrenden Bürger treffen nachdem Hr. Appel/Post bereits die Postgebühren drastisch erhöht hat. Hr. Appel/Post sollte sich nicht in die Politik einmischen, sondern sein Unternehmen auf Fordermann bringen und die massenhaft prekären Beschäftigungen von Mitarbeitern beseitigen.

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