Gabriela Hearst: Chloés neue Chefdesignerin soll für mehr Nachhaltigkeit sorgen
Die Autodidaktin hat erst 2015 ihr Label gegründet und gleichzeitig die Ranch des Vaters in Uruguay übernommen.
Foto: Getty ImagesParis. Vor langer Zeit machte der deutsche Designer Karl Lagerfeld Chloé wieder berühmt, und auch Stella McCartney kreierte mal für die Marke. Nun soll Gabriela Hearst in diese Fußstapfen treten. Die 44-jährige Designerin aus Uruguay, die schon seit Langem in New York lebt, ersetzt die Französin Natacha Ramsay-Lévi, die nach vier Jahren unerwartet aufhört, wie vor einigen Tagen bekannt wurde.
Lange hat das 1952 gegründete Modehaus Chloé, das zur Schweizer Richemont-Gruppe gehört, nicht gesucht. Im März soll Hearst schon ihre erste Kollektion für den Herbst und Winter 2021 vorstellen. Die Designerin ist in Frankreich bisher nicht sehr bekannt, obwohl sie im Oktober eine Show ihrer eigenen Marke Gabriela Hearst, die sie neben Chloé weiterführen will, in Paris gezeigt hat. In New York ist sie dagegen schon ein Star.
Chloé-CEO Riccardo Bellini erklärte über sie: „Zusammen teilen wir die Überzeugung, dass wir alle eine Verantwortung haben, an der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft mitzuwirken.“ Bei Hearsts Wahl geht es vor allem auch darum, die Marke nachhaltiger und ökologischer zu gestalten. Nachhaltigkeit ist für immer mehr Käufer von Luxusmode zunehmend ein wichtiges Argument, auch Häuser wie Gucci und Balenciaga setzen darauf.
Über ihre neue Aufgabe bei Chloé sagte Hearst: „Ich kann es kaum erwarten, mit Riccardo Bellini zu arbeiten und ihn bei seinem Engagement, ein sozial und ökologisch verantwortliches Unternehmen zu schaffen, zu begleiten.“
Viele Prominente haben schon längst die Mode von Gabriela Hearst entdeckt, darunter Melania Trump, Jill Biden, aber auch Meghan Markle und Kate Middleton. Wie Meghan schwören viele auf ihre Lederwaren. Das war ein Bereich, der vorher weniger gut bei Chloé lief. Grund für den Designerwechsel soll auch gewesen sein, dass die Umsatzzahlen unter der Vorgängerin fielen, hieß es in französischen Medien.
Wolle von der eigenen Ranch
Hearst, Mutter von drei Kindern, ist Autodidaktin und hat keine Modeschule besucht. Erst 2015 hat sie ihr Label gegründet und gleichzeitig die Ranch ihres Vaters mit Schafen in Uruguay übernommen. Die Wolle für ihre Mode stammt von ihrer eigenen Farm. Das gefällt der Modeszene, die immer mehr Wert auf Ökologie und Ursprünglichkeit legt.
Hearst hatte prominente Unterstützung, als sie ihre Karriere startete. Sie ist seit 2013 mit dem Verlagserben John Augustine Chilton (Austin) Hearst verheiratet, zu dessen Imperium unter anderem die Zeitschrift Harper’s Bazaar gehört. Ihr Mann hat in ihr Modelabel investiert. Nach drei Jahren soll es schon Umsätze von bis zu 20 Millionen Dollar gemacht haben. Hearst steht für eleganten Minimalismus, der ihr dieses Jahr den wichtigen US-Award als „Womenswear Designer of the Year“ einbrachte.