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Interview John Cloppenburg: „Man hat das Gefühl, man verblutet langsam“

Das Mitglied der Unternehmensleitung von Peek & Cloppenburg spricht über den Umsatzeinbruch und kritisiert die Entscheidungen der Politik.
16.04.2020 - 14:59 Uhr Kommentieren
Für Cloppenburg, Mitglied der Unternehmensleitung des Modehändlers, ist es unverständlich, warum Baumärkte öffnen dürfen, Textilhändler aber nicht. Quelle: imago images / Future Image
John Cloppenburg

Für Cloppenburg, Mitglied der Unternehmensleitung des Modehändlers, ist es unverständlich, warum Baumärkte öffnen dürfen, Textilhändler aber nicht.

(Foto: imago images / Future Image)

Düsseldorf Das Düsseldorfer Unternehmen Peek & Cloppenburg (P&C) betreibt 140 Modehäuser in 14 Ländern. Es darf seine deutschen Filialen, die wegen der Coronakrise schließen mussten, nicht am Montag wiedereröffnen. Denn sie erfüllen nicht die Größenkriterien der Bundesregierung.

Herr Cloppenburg, Einzelhändler mit Filialen, die größer sind als 800 Quadratmeter, dürfen kommende Woche noch nicht öffnen. Fühlen Sie sich von der Politik betrogen?
Es ist für uns und für unsere Mitarbeiter nicht nachvollziehbar, warum große Baumärkte, Auto- und Buchhändler öffnen dürfen, aber wir als großer Textilhändler nicht. Der Umsatzausfall geht bei uns auf die Substanz. Man hat das Gefühl, man liegt auf der Straße und verblutet langsam.

Also halten Sie die Grenze von 800 Quadratmetern für willkürlich?
Es fehlen bislang plausible Erklärungen. Auf größeren Flächen können sich die Kunden doch viel leichter aus dem Weg gehen. Unsere großen Häuser zum Beispiel bieten mit ihren mehr als 10.000 Quadratmetern ausreichend Platz, um den geforderten Mindestabstand einzuhalten. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob wir Lebensmittel in unser Sortiment aufnehmen sollten, dann würde die Ladengröße wie bei den Supermärkten vielleicht keine Rolle spielen.

Wie stark ist denn das Geschäft von P&C in den ersten drei Monaten des Jahres eingebrochen?
In den ersten zwei Monaten lief alles auf einem ähnlichen Niveau wie im vergangenen Jahr. Im März ist dann unser Geschäft schon vor den angeordneten Ladenschließungen um fünfzig Prozent eingebrochen.

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    Rechnen Sie damit, die Umsatzdelle im Laufe des Jahres aufzuholen?
    Nein, das dürfte nicht gelingen. Wir erwarten im Gesamtjahr ein Umsatzminus von einem Drittel. Zusätzlich werden wir einen Teil der Frühlings- und Sommerware, die liegen geblieben ist, nur mit hohen Rabatten verkaufen müssen. Außerdem ist schwer einzuschätzen, wie sich die Kauflust der Verbraucher in den nächsten Monaten nach Öffnung verändern wird.

    Aber Sie haben ja noch das Onlinegeschäft.
    Ja, in Deutschland gab es ein kleines Plus, in Österreich und Polen ein großes. Aber das Onlinegeschäft ist kein Allheilmittel gegen den Umsatzausfall in unseren stationären Läden. Es ist nicht so ertragreich wie das übrige Geschäft. Wir haben einige Zeit gebraucht, um da die Gewinnschwelle zu erreichen.

    Wenn Sie denn in ein paar Wochen Ihre P&C- und Anson’s-Häuser öffnen dürfen, werden Sie dann zeitgleich alle öffnen?
    Auf jeden Fall. Es ist ein geringerer Verlust für uns, die Häuser zu öffnen, als sie weiter geschlossen zu halten – selbst wenn erst mal weniger Kunden kommen sollten als vor der Krise. Weniger Umsatz ist immer noch besser als gar kein Umsatz.

    Wie bereiten Sie sich auf die Öffnung vor?
    Wir bemühen uns, ausreichend Desinfektionsmittel und Masken zur Verfügung zu stellen. Mitarbeiter an den Aus- und Eingängen werden die Besucher zählen, damit sich immer nur so viele im Haus aufhalten, wie erlaubt ist. Gleichzeitig beschäftigen wir uns aber auch mit digitalen Lösungen, um die Besucherfrequenz automatisch zu erfassen.

    Hat die Coronakrise einen Einfluss auf Ihr Sortiment?
    Wir sind ein Haus der Mitte, das sowohl günstige Kleidung als auch Premium-Mode führt. Damit erreichen wir viele Menschen. An dieser Philosophie wird sich nichts ändern. Im Jahr nach der letzten Finanzkrise, also 2009, lagen wir mit der Mischung genau richtig. Wir hatten damals ein gutes Geschäftsjahr.

    Herr Cloppenburg, Sie haben im vergangenen Jahr ein Haus in Wien verkleinert. Beschleunigt die Coronakrise Ihre Strategie, auch mal Häuser zu verkleinern oder dauerhaft zu schließen?
    Wir halten nichts von Schnellschüssen. Wir sind gut beraten, erst einmal ein Jahr ins Land gehen zu lassen. Niemand weiß, wie sich der Markt bis Mitte 2021 entwickeln wird. Es dürfte aber zu einer Marktbereinigung im Handel, aber auch bei den Modemarken kommen.

    Aber eine Schließung oder Verkleinerung von Filialen schließen Sie nicht aus?
    Wir prüfen selbstverständlich regelmäßig, ob die Filialen unseren gestiegenen Ansprüchen an die Profitabilität genügen. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, ist die Schließung oder die Verkleinerung eine Option. Aber wir glauben an den stationären Einzelhandel. Deshalb setzen wir alles daran, dass unsere Häuser auch in schwierigen Zeiten erfolgreich sind.

    Mehr: Die Coronakrise wird laut McKinsey die Konsolidierung in der Modebranche beschleunigen. Die Unternehmen fordern Hilfen, um Insolvenzen zu verhindern.

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