Interview mit Raoul Roßmann: „Sonst müssen wir Milliarden in die Innenstädte pumpen“: Rossmann-Chef fordert Sondersteuer für Online-Einkäufe
Der Inhaber der Drogeriekette Rossmann hält Milliardeninvestitionen in die Innenstädte für nicht zielführend und am Ende nur für sehr teuer für den Steuerzahler.
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Großburgwedel. Um die Innenstädte vor der Verödung zu retten, hat Raoul Roßmann, geschäftsführender Gesellschafter der Drogeriekette Rossmann, einen drastischen Vorschlag: „Wir brauchen Hürden für den Onlinehandel, insbesondere für die ganz großen Player wie Amazon, wenn wir das Gut der Innenstädte schützen wollen“, fordert er im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Das sei eine radikale Lösung, räumt er ein. „Aber es ist die einzige, die uns davor bewahrt, Milliarden in die Innenstädte zu pumpen, beispielsweise um künstlich Mieten zu reduzieren“, sagt er. Mit Hürden für den Onlinehandel werde der Strukturwandel im Handel eine Zeit lang gebremst, sodass die stationären Händler mehr Zeit bekämen, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.
Er schlägt dafür beispielsweise eine Paketsteuer oder höhere Mehrwertsteuersätze für Unternehmen mit einem hohen Umsatzanteil im Onlinehandel vor. „Wenn ich für ein online bestelltes Paket fünf Euro mehr bezahlen muss, als wenn ich die Produkte stationär erwerbe, dann überlege ich genau, ob es mir das wert ist“, sagt Roßmann. Die bisher diskutierten Maßnahmen mit Milliardeninvestitionen in die Innenstädte seien nicht zielführend und am Ende nur sehr teuer für den Steuerzahler.