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InvestitionsprogrammWie die Bahn und die Telekom die Funklöcher im Zug beseitigen wollen

Bahn und Telekom versprechen einen besseren Handyempfang entlang der Schiene. Dazu sollen zwei lange bekannte Probleme endlich gelöst werden.Jens Koenen 23.06.2021 - 16:04 Uhr Artikel anhören

Um attraktiver für die Kunden zu werden, wollen Deutsche Telekom und Deutsche Bahn die Mobilfunk-Infrastruktur entlang der Schiene ausbauen.

Foto: picture alliance/dpa

Frankfurt. Bahnkunden sollen spätestens ab 2026 im gesamten Schienennetz in Deutschland lückenlos und mit einer hohen Bandbreite telefonieren können. Dazu haben die Deutsche Bahn und die Deutsche Telekom ein gemeinsames Investitionsprogramm in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags beschlossen. „In den nächsten Jahren werden wir eine lückenlose Mobilfunkverbindung sicherstellen, ohne Unterbrechungen und in einer besseren Qualität als bisher“, sagte Bahn-Chef Richard Lutz am Mittwochmittag in Berlin.

Konkret will die Telekom bis Ende 2024 die 7800 Kilometer langen Hauptverkehrsstrecken, auf denen alle ICE-Züge sowie die wichtigsten ICs fahren, so weit ertüchtigen und ausbauen, dass Datenraten von mehr als 200 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich sein sollen. Bis Ende 2025 soll das dann auch für die viel befahrenen anderen Strecken erreicht werden, die eine Länge von 13.800 Kilometer haben.

Ende 2026 sollen schließlich die noch verbleibenden 11.800 Kilometer des Regionalverkehrs erschlossen werden – hier allerdings mit einer Bandbreite von 100 Mbit/s. Die Bahn will ihrerseits weitere Flächen und Glasfaserinfrastruktur zur Verfügung stellen. Eine weitere Aufgabe des Schienenkonzerns ist es, dafür zu sorgen, dass die Mobilfunksignale besser in den Innenraum der Züge durchdringen können.

„Die Kunden haben einen Anspruch auf eine dauerhafte Gesprächsverbindung“, sagte Timotheus Höttges, CEO der Deutschen Telekom: „Die Erkenntnis, dass die Versorgung entlang der Schiene ausbaufähig ist, haben wir längst. Jetzt haben wir die Lösung.“ Insgesamt werde man rund 800 neue Mobilfunkstandorte in Betrieb nehmen.

Gerade entlang der zuweilen einsamen Bahnstrecken ist das deutsche Mobilfunknetz immer noch nicht so ausgebaut, wie es für einen guten Empfang notwendig wäre. Bei den Frequenzversteigerungen in den Jahren 2015 und 2019 hatte die Bundesnetzagentur Auflagen gemacht, auch einen besseren Mobilfunk entlang der Schiene sicherzustellen. Einiges ist seitdem bereits geschehen. Doch Vielfahrer und Pendler, die die Bahn nutzen, wissen: Es gibt noch zahlreiche Funklöcher.

Mobilfunk und Bahnfunk können sich gegenseitig stören

Ein weiteres Problem: Dort, wo es eine ausreichende Mobilfunkversorgung gibt, müssen die Betreiber die Leistung zum Teil drosseln. Denn es gibt eine Kollision mit dem Funknetz der Bahn, das das Unternehmen für die interne Kommunikation nutzt. Die Frequenzen des Funknetzes der Bahn und des Mobilfunknetzes liegen nahe beieinander. Dadurch könnten sie sich gegenseitig stören, was ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Die Telekom will aus diesem Grund nun die 6000 alten Mobilfunkzellen mit der sogenannten GSM-R-Technologie komplett austauschen. Die Bundesregierung wiederum hat ein Förderprogramm bis 2022 verlängert, um die Bahnfunkgeräte in den Zügen umzurüsten. „Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir mit dem Mobilfunk näher an die Schiene rücken können“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Auch die Bahn-Konkurrenten begrüßen dies. „Das ist für uns ein großer Erfolg, denn die Regierung hatte bis zuletzt eine Verlängerung abgelehnt“, sagte Peter Westenberger, Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE): „Wir haben darauf bestanden, dass für wirklich alle Loks eine 100-prozentige Umrüstförderung gezahlt wird.“

Ein durchgängig guter Empfang im Zug ist für die Bahn wichtig, um die eigene Attraktivität zu steigern. Unabhängig davon, wie nach der Bundestagswahl im September die künftige Regierung aussehen wird – alle Parteien haben das Thema Klimaschutz auf der Agenda. Dazu soll die Bahn die Zahl der Fahrgäste deutlich steigern.

Serviceinitiative der Deutschen Bahn

Die Bahn soll, wo es möglich ist, Kurzstreckenflüge ersetzen. Dazu muss der Schienenkonzern nicht zuletzt bei den Geschäftsreisenden punkten. Das gelingt am besten, wenn diese die Reisezeit zum Arbeiten nutzen können. „Ein Zug ist nicht mehr nur ein Transportmittel, er ist auch ein Büro, ein Konferenzraum“, sagte Bahn-Chef Lutz. Er zeigte sich zuversichtlich, dass man auch mit den anderen Mobilfunkunternehmen bald eine Lösung finden werde.

Die Verbesserung des Handyempfangs ist Teil einer Serviceinitiative der Bahn. Dazu gehört zum Beispiel die Modernisierung der DB-Lounges an den großen Bahnhöfen. Auch die digitalen Services werden sukzessive ausgebaut. So können Kunden, die ihr Ticket online oder mobil gekauft haben, bei Verspätungen ihre Entschädigung seit Kurzem digital beantragen.

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Gleichzeitig schafft das Unternehmen ab dem kommenden Jahr die Möglichkeit ab, noch im Zug beim Schaffner ein Ticket zu kaufen. Stattdessen können Kurzentschlossene bis zu zehn Minuten nach Abfahrt des Zugs über die App einen Fahrschein lösen – ohne Bordzuschlag. Die mobile Erreichbarkeit im Zug wird also immer wichtiger werden.

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