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Konsum Für den Einzelhandel ist die Krise längst nicht ausgestanden

Aktuelle Studien zeigen: Die Pandemie hat das Kaufverhalten bereits deutlich verändert. Die Folgen für die Händler sind massiv und nachhaltig. Die Zahl der Geschäfte wird weiter sinken.
07.07.2020 - 14:50 Uhr 1 Kommentar
„Auf den stationären Handel wird eine richtig harte Zeit zukommen“, sagen Experten. Die Filialen verzeichnen weniger Kundschaft. Quelle: action press
Karstadt-Filiale in Hamburg

„Auf den stationären Handel wird eine richtig harte Zeit zukommen“, sagen Experten. Die Filialen verzeichnen weniger Kundschaft.

(Foto: action press)

Düsseldorf Die Coronakrise hat für den Handel schon viele schlechte Nachrichten bereitgehalten. Unternehmen wie Tom Tailor und Esprit stellten Insolvenzanträge, Galeria Karstadt Kaufhof versucht sich mit Hilfe eines Schutzschirmverfahrens zu sanieren. Und für viele andere Händler gilt: Nach der Wiedereröffnung der Geschäfte liegen die Umsätze meist weit unter den Werten vor Ausbruch der Coronakrise.

Viele Unternehmen klammern sich an die Vorstellung, dass dies nur eine Phase ist, die bald vorübergeht. Doch diese Hoffnung dürfte trügen, wie eine Studie der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal zeigt, die dem Handelsblatt vorliegt.

„Das Kundenverhalten wird sich dauerhaft ändern, ein Zurück zum alten Zustand wird es nicht geben“, fasst Bob Rajan, Managing Director vorn Alvarez & Marsal, die Ergebnisse zusammen. Rund 23 Prozent der Deutschen wollen danach seltener Geschäfte besuchen, mehr online einkaufen und insgesamt weniger ausgeben.

Nach einer Umfrage in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und der Schweiz ist ein Fünftel der Konsumenten geradezu in einen „Winterschlaf“ gegangen, wie es die Autoren der Studie formulieren. Das heißt, dass sie auf unabsehbare Zeit jegliche nicht unbedingt notwendigen Käufe eingestellt haben. Weitere 41 Prozent der Befragten haben ihren Konsum immerhin eingeschränkt und warten darauf, dass die Zeiten wieder besser werden – wann immer das auch sein wird.

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    Der Hauptgrund dafür ist der Umfrage zufolge die Sorge um die wirtschaftlichen Verhältnisse. Zentral ist dabei die Angst vor Jobverlust und die Furcht, dass die Ersparnisse in Zukunft weniger wert sind.

    Das spüren viele Händler schon jetzt sehr empfindlich – und fürchten, dass das ab Herbst noch zunehmen wird. „Wir rechnen fest mit einer Delle, wissen aber nicht, wie stark sie wird“, sagte beispielsweise Christian Haub, Chef der Tengelmann-Holding, zu der Kik und Obi gehören. „Wir haben zwei Szenarien: eine Rezession ohne und eine mit einem zweiten Shutdown. Wir hoffen auf das Erste“, betonte Christian Haub erst kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt.

    Besonders heftig trifft es die Ladengeschäfte. „Auf den stationären Handel wird eine richtig harte Zeit zukommen“, warnt Berater Rajan. „Die Entwicklung hin zu geringerer Verkaufsfläche und weniger Läden wird sich durch die Coronakrise noch einmal verschärfen.“ Die Geduld der Händler mit unprofitablen Standorten werde abnehmen.

    Deutliche Verschiebung hin zum Onlinehandel

    Denn in der Coronakrise hat sich eine deutliche Verschiebung hin zum Onlinehandel ergeben, die nach Ansicht von Experten auch nachhaltig ist. So haben 34 Prozent der befragten Deutschen in der Studie von Alvarez & Marsal angegeben, sie hätten jetzt Waren online bestellt, die sie vorher im Geschäft gekauft hätten. In Spanien und Italien lag dieser Anteil sogar bei 55 Prozent.

    „E-Commerce hat sich im zweiten Quartal nachhaltig als zusätzliche Versorgungsinfrastruktur etabliert“, bestätigt auch Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland. In einer Umfrage des Verbands unter 2500 Konsumenten gab gut jeder Zweite der Befragten an, dass er aufgrund der Erfahrungen in der Coronakrise künftig mehr online bestellen werde.

    „In der Coronakrise erleben wir alle relevanten Entwicklungen der letzten Jahre wie in einem Brennglas, sie verstärken sich“, beobachtet Alexander Birken, Vorstandschef der Otto Group. Die Plattform Otto.de habe in den Monaten März und April über eine Million Neukunden gewonnen. „Viele unserer Neukunden kaufen erstmals online ein. Und ein Teil dieser Verschiebung wird sich nach der Krise verstetigen“, ist sich Birken sicher.

    Top eins: Überleben

    Für traditionelle Händler bedeutet das ein radikales Umdenken. „Weil die Kundenfrequenzen in den Läden deutlich zurückgehen werden, verlieren auch traditionelle Messgrößen wie die Flächenproduktivität an Bedeutung“, so Experte Rajan. „Läden wandeln sich noch stärker vom Verkaufsraum zum Showroom.“

    Der Hauptgrund dafür ist der Umfrage zufolge die Sorge um die wirtschaftlichen Verhältnisse. Quelle: dpa
    Fußgängerzone in Gütersloh

    Der Hauptgrund dafür ist der Umfrage zufolge die Sorge um die wirtschaftlichen Verhältnisse.

    (Foto: dpa)

    Doch angesichts knapper liquider Mittel fällt den Unternehmen dieser Wandel schwer. „Für viele Händler geht es jetzt erst mal ums Überleben“, weiß Rajan aus den Gesprächen mit vielen Vorstandschefs aus der Branche. „Doch die Unternehmen dürfen nicht den Fehler machen, die Investitionen in die Zukunft einzustellen, sie müssen sich dabei aber sehr stark auf das Wesentliche konzentrieren.“ Investitionen sollten weniger in die Verschönerung der Läden als in neue Technologie und eine verbesserte Logistik fließen.

    „Die Händler werden gewinnen, die das neue Denken am schnellsten adaptieren“, prognostiziert Rajan. Innovationen bedeuteten nicht mehr in erster Linie Investitionen in neue Produkte, sondern beispielsweise Kooperationen im Bereich Social Media oder neue Apps.

    Für alle Händler gehe kein Weg daran vorbei, auch mit Amazon zusammenzuarbeiten und auf deren „Marketplace“ vertreten zu sein. „Für die meisten Kunden beginnt die Suche nach einem Produkt auf der Plattform von Amazon – und diese Power müssen auch andere Händler nutzen.“

    Mehr: Galeria Karstadt Kaufhof und die Tristesse der Innenstädte.

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    1 Kommentar zu "Konsum: Für den Einzelhandel ist die Krise längst nicht ausgestanden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • ist ja alles schön und gut, aber wenn der stationäre Handel nicht mehr ist, wird auch der online Handel nicht in annähertn den Maße existieren wie angenommen. Denn die Beschäftigten im stationären Handel sind auch Konsumenten , die dann ja nicht mehr da sind, auch nicht für den onlinie Handel, denn diese Konsumenten verdienen dann kein Geld mehr, um Konsum zu machen.

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