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Lieferdienst Delivery Hero kauft in Südamerika zu – muss aber (noch) viel Kaufkraft links liegen lassen

Mit der Übernahme des Lateinamerika-Geschäfts des Konkurrenten Glovo baut Delivery Hero seine dortige Marktführerschaft aus. Doch zwei wichtige Märkte fehlen.
17.09.2020 Update: 17.09.2020 - 06:44 Uhr Kommentieren
Das Berliner Lieferservice-Unternehmen expandiert in Lateinamerika. Entspannt zurücklehnen kann es sich dabei aber noch lange nicht. Quelle: AFP
Deliver Hero Logo auf einem Scooter

Das Berliner Lieferservice-Unternehmen expandiert in Lateinamerika. Entspannt zurücklehnen kann es sich dabei aber noch lange nicht.

(Foto: AFP)

Salvador Nach Übernahmen in Südkorea und Dubai setzt der Dax-Neuling Delivery Hero seinen Expansionskurs über Zukäufe in Lateinamerika fort: Für einen Gesamtkaufpreis, der inklusive einer leistungsabhängigen Klausel bis zu 230 Millionen Euro betragen könnte, übernimmt das Berliner Start-up die Aktivitäten des spanischen Konkurrenten Glovo in Lateinamerika.

Delivery Hero ist als Investor an Glovo beteiligt. In Argentinien, Panama und der Dominikanischen Republik kauft Delivery Hero damit einen Konkurrenten aus dem Markt. In Ecuador, Peru, Costa Rica, Honduras und Guatemala ist der Lieferdienst nun erstmals präsent.

„Lateinamerika ist eine Region mit außergewöhnlichem Wachstumspotenzial für die Online-Lieferdienste“, sagt Niklas Östberg, CEO von Delivery Hero. Delivery Hero ist seit Ende August im deutschen Leitindex Dax und hat dort den insolventen Zahlungsabwickler Wirecard ersetzt.

Seit dem Dax-Einstieg hat die Aktie allerdings verloren. Die Investoren waren enttäuscht von den Halbjahreszahlen mit einem hohen Vorsteuerverlust von 460 Millionen Euro bei 958 Millionen Euro Umsatz. Der Konzern setze voll auf Wachstum und verzichte deswegen auf Profite, erklärte CEO Östberg immer wieder.

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    Lateinamerika ist dabei zur Schlüsselregion geworden, weil durch die Coronakrise dort die Bestellungen für Essenauslieferungen rasant gewachsen sind. Lateinamerika ist die am schnellsten wachsende Region für die Branche außerhalb von Asien-Pazifik geworden, beobachtet der Marktforscher Euromonitor.

    Grafik

    Bei Delivery Hero haben im ersten Halbjahr die Bestellungen an den 40 Standorten weltweit um 96 Prozent zugelegt, wie auch in Lateinamerika. Damit stiegen Orders und Umsatz mehr als doppelt so stark wie in Europa. Nur in Asien waren die Zuwächse noch größer.

    In Lateinamerika ist Delivery Hero an einigen Standorten besonders profitabel, weil das Unternehmen dort schon früh eingestiegen ist und den Markt dominiert. In Argentinien, Uruguay und Chile etwa mit dem Tochterunternehmen PedidosYa, das Delivery Hero bereits 2014 kaufte.

    Dessen Gründer Ariel Burschtin blieb als CEO am Ruder und expandierte weiter mächtig in Lateinamerika. PedidosYa und damit Delivery Hero ist heute Marktführer in sieben Ländern der Region.

    Doch auch die Konkurrenz investiert in die Wertschöpfungsketten, beispielsweise in „dark kitchen“, also Industrieküchen, die genau die Speisen liefern, für die die Algorithmen der Lieferdienste eine potenzielle Nachfrage festgestellt haben. Mit sinkenden Kosten der Essenproduktion bleibt mehr von der Marge für den Lieferdienst übrig.

    Delivery Hero setzt auch auf eigene Supermärkte („Cloud Stores“). In Buenos Aires stellen Personal Shopper, also Einkaufsberater, die Orders zusammen, die 30 Minuten nach Bestellung beim Kunden landen sollen. Viele kleine Orders und schnelle Lieferungen sind das Ziel. „Quick Commerce“ nennt Delivery Hero diese weitere Stufe der Lieferdienste.

    Das Problem: Diese Investitionen sind teuer. Die Nettogewinnrate (Ebitda) ist in der Region im ersten Halbjahr deutlich gesunken. Der Grund, so Delivery Hero, seien „die höheren Investitionen in Kundenbindung und Produktentwicklung“.

    Delivery Hero fehlen Brasilien und Mexiko

    Entscheidend ist, dass Delivery Hero seine Marktstellung in den wichtigen Märkten ausweitet: Der Konzern ist mit der Glovo-Übernahme in einigen der größten Ökonomien des Kontinents, in Argentinien, Chile und Kolumbien und neu jetzt Peru, vertreten. Doch in Mexiko und Brasilien, wo sich bis zu zwei Drittel der Kaufkraft und Bevölkerung des Kontinents konzentrieren, ist der Lieferdienst nicht präsent.

    Dennoch stehen die Chancen gut, dass Delivery Hero auch bei künftigen Konsolidierungen in Lateinamerika eine wichtige Rolle spielen wird. Der Konzern ist bereits durch Überkreuzbeteiligungen präsenter als auf den ersten Blick ersichtlich: Die Berliner sind mit 20 Prozent seit 2018 an Rappi aus Kolumbien beteiligt. Das ist das erfolgreichste Liefer-Start-up aus Lateinamerika selbst.

    Für Delivery Hero ist es weltweit die bedeutendste Beteiligung. Doch in Kolumbien machen sie Rappi Konkurrenz – mit einer anderen Kette (Domicilios), an der Delivery Hero 49 und iFood 51 Prozent gehören. iFood wiederum ist stark in Brasilien und wird von Prosus kontrolliert, der Tochter des südafrikanischen Medienkonzerns Napsters. Prosus – und damit schließt sich der Kreis - wiederum ist auch der größte Aktionär bei Delivery Hero.

    Mehr: Dax-Neuling mit Schattenseiten: Weltweit wächst die Kritik an Delivery Hero.

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