Logistik: Amazon steigt mit Discountpreisen ins Speditionsgeschäft ein
Logistik für die erste Meile.
Foto: ReutersDüsseldorf. Amazon macht deutschen Spediteuren das Geschäft streitig und startet überraschend einen preisaggressiven Frachtdienst aus Übersee. Die Deutschlandtochter von Amazon bestätigte auf Anfrage entsprechende Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen. Demzufolge baut der weltgrößte Onlineversender derzeit unter dem Namen „Amazon Global Logistics“ – kurz AGL – ein neues Geschäftsfeld auf.
Das Ziel: Amazon will für die unabhängigen Händler auf seinem Marktplatz zunehmend den weltweiten Transport der Waren übernehmen. Dazu nutzt Amazon auf fremden Containerschiffen und in Frachtflugzeugen Kapazitäten, die sie Importeuren zur Verfügung stellt. Bislang überließ der US-Konzern die Warenbeförderung bis in die regionalen Verteilzentren nahezu komplett den Marktplatzhändlern und deren Spediteuren.
Als Einfallstor für das Neugeschäft nutzt Amazon ein Ärgernis, das vielen europäischen Importeuren zuletzt den Gewinn verhagelte: die seit Herbst 2020 erheblich gestiegenen Frachtraten für Container. „Die von den Speditionen aufgerufenen Preise unterbietet Amazon massiv“, berichtet die Zollexpertin und Wirtschaftsjuristin Francine Dammholz aus Gesprächen mit Mandanten.
Über Seehäfen wie das ostchinesische Ningbo verschiffe AGL seit Kurzem ganze Container Richtung Rotterdam, berichtet sie. Von dort aus gelange die Importware unmittelbar in die Warenverteilzentren von Amazon, wo der US-Konzern die komplette restliche Logistik übernimmt.