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LogistikAuf Schnäppchenjagd: Reederei-Gigant CMA CGM vor spektakulärer Milliardenübernahme

Die weltweit drittgrößte Reederei greift nach der Logistiksparte des französischen Mischkonzerns Bolloré – und könnte der prominenten Eignerfamilie bis zu fünf Milliarden Euro zahlen.Christoph Schlautmann 18.04.2023 - 17:24 Uhr Artikel anhören

Die französische Reederei steuert auf einen Milliardenzukauf zu.

Foto: IMAGO/Chris Emil Janßen

Düsseldorf. Der französische Reedereikonzern CMA CGM, nach MSC und Maersk die Nummer drei auf den Weltmeeren, nutzt seine derzeitigen Fabelgewinne voraussichtlich für einen weiteren milliardenschweren Zukauf. Wie das von der Familie Saadé zu knapp drei Vierteln dominierte Seefahrtsunternehmen am Dienstag in Marseille mitteilte, befindet sich CMA CGM in Verhandlungen mit dem Pariser Mischkonzern Bolloré, um sich dessen Logistiksparte einzuverleiben.

Als Basis für den Transaktionspreis nennen die Verkäufer einen Unternehmenswert von fünf Milliarden Euro – ohne Schulden oder Barguthaben. Für die Reederei wäre dies ein Schnäppchen.

Vor exakt einem Jahr übernahm der Schweizer CMA-Wettbewerber MSC die Logistikdivision von Bolloré in Afrika und zahlte dafür 5,7 Milliarden Euro. Das nun im Mittelpunkt stehende Restgeschäft ist mit einem Umsatz von 7,1 Milliarden Euro allerdings fast dreimal so groß.

Bolloré Logistic ist nicht nur im Speditionsgeschäft aktiv, sondern betreibt auch weltweit eigene Lager- und Distributionszentren. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebita) belief sich im vergangenen Jahr auf 437 Millionen Euro.

Der designierte Verkäufer ist insbesondere in Frankreich kein Unbekannter. Die Familie Bolloré, die den Grundstein ihres heutigen Mischkonzerns bereits 1822 legte, gehört zu den einflussreichsten Clans des Landes. Mit einem Anteil von knapp 30 Prozent kontrolliert sie faktisch den Mischkonzern Vivendi, zu dem unter anderem der TV-Sender Canal+ oder die Werbeagentur Havas zählen. Hinzu kommen Aktivitäten im Strom- und Verlagsgeschäft.

Den außenstehenden Aktionären der börsennotierten Bolloré-Holding will der Clan den Deal mit CMA CGM mit einer Dividendenerhöhung schmackhaft machen. Stimmen sie dem Verkauf zu, erwartet sie laut einer Ankündigung von Dienstag eine zusätzliche Ausschüttung von 25 Cent pro Anteilsschein.

CMA CGM dagegen beabsichtigt nach eigener Auskunft mit dem Erwerb, die eigene Lieferkette über den Seetransport hinaus weiter auszubauen. Der Startschuss dazu fiel schon 2019 mit der Übernahme des Logistikriesen Ceva über die Börse. Zum Kaufpreis von einer halben Milliarde Euro folgte im vergangenen Jahr der französische Automobil-Transporteur Gefco. Kurz zuvor hatte CEO Rudolphe Saadé drei Milliarden US-Dollar ausgegeben, um einen Teil des US-amerikanischen IT-Unternehmens Ingram Micro zu erwerben, darunter 59 Logistikzentren beiderseits des Atlantiks.

Deutsche Post als Kunde

Nicht nur das US-Unternehmen brachte der Tochter Ceva Verstärkung bei Services rund um den E-Commerce, sondern auch der Anfang 2022 erfolgte Zukauf des französischen Paketdienstes Colis Privé. Der inzwischen zu 100 Prozent übernommene Zusteller für die sogenannte „letzte Meile“ ermöglicht es der Reederei, Pakete bis zur Haustür zuzustellen. Zu den Kunden in Frankreich zählt die Deutsche Post.

Der bislang spektakulärste Deal aber blieb im Frühjahr 2022 der Einstieg bei Air France-KLM. Für mehr als eine halbe Milliarde Euro griff der Schifffahrtskonzern nach 8,6 Prozent des Aktienkapitals und stieg damit zum größten nicht staatlichen Ankeraktionär der Airline auf, die in Europa zu den führenden Luftfrachtanbietern zählt. Eine Kooperation in der Frachtabfertigung haben Air France-KLM und CMA CGM längst unterzeichnet.

Bezahlt wird die milliardenschwere Einkaufstour durch die überbordenden Gewinne, die CMA CGM in den vergangenen zwei Jahren einfuhr. 2021 verbuchte das Seefahrtsunternehmen einen Nettogewinn von 17,9 Milliarden Dollar, 2022 kratzte man sogar an der Marke von 25 Milliarden Dollar.

Damit verdiente das 1978 gegründete Familienunternehmen so viel wie die Großbank BNP Paribas und der Luxuskonzern LVMH zusammen. Selbst der Energiekonzern Total blieb hinter dem Ergebnis von CMA CGM zurück. Grund für die förmlich explodierenden Reedereigewinne waren die exorbitanten Frachtraten auf See, die infolge der Coronakrise durch Engpässe in den Seehäfen entstanden waren.

Zeitweise übertrafen die Tarife für den Containertransport den langjährigen Durchschnittspreis um das Fünffache. Seit Sommer 2022 gehen die Frachtraten auf See jedoch wieder auf das übliche Niveau zurück, sodass sich das Diversifizierungsprogramm für die französische Reederei auszuzahlen scheint.

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Auf eine ähnliche Zukaufstrategie setzten in den vergangenen zwei Jahren auch die Wettbewerber MSC und Maersk, die sich ebenfalls im Speditions-, Lagerei- und Luftfrachtgeschäft verstärkten. In einem geringeren Umfang beteiligte sich auch Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd an den Zukäufen an Land, etwa durch Übernahmen von Logistikern in Italien, Mittel- und Südamerika sowie in Indien.

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