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LogistikerTST steckt 150 Millionen Euro in bundesweites Lkw-Ladenetz

Spediteuren fällt der Abschied vom Diesel schwer, weil Ladevorrichtungen für schwere Trucks fehlen. Der Logistiker TST will den Ausbau nun selbst in die Hand nehmen.Christoph Schlautmann 11.02.2024 - 13:28 Uhr aktualisiert
Das Ladenetz für batteriebetriebene Trucks ist in Deutschland lückenhaft. Foto: dpa

Düsseldorf. Die Elektrowende bei Lkw kommt nicht in Gang: Gerade einmal 829 Neuzulassungen batterieelektrisch betriebener Nutzfahrzeuge über 16 Tonnen gab es bis vergangenen Herbst in Deutschland. Jährlich werden in derselben Gewichtsklasse rund 55.000 Diesel-Laster zugelassen.

Den Spediteuren fällt der Abschied vom Diesel auch schwer, weil Stromladevorrichtungen für schwere Trucks hierzulande weitgehend fehlen. Dagegen kämpft nun der Transport- und Lagerhaus-Logistiker TST an. Das Unternehmen aus Worms will zusammen mit einem Partner insgesamt 150 Millionen Euro investieren, um den Mangel an E-Ladestationen im Lkw-Verkehr zu lindern.

Nach Informationen des Handelsblatts hat TST dazu mit dem rheinhessischen Stromversorger EWR zu gleichen Teilen ein Joint Venture gegründet, das unter dem Namen PVSM Energy bis Ende 2025 bundesweit 41 Ladestationen errichten will.

TST beschäftigt 3500 Mitarbeitende und betreibt 75 Logistikzentren und einen umfangreichen Fuhrpark. Inhaber Frank Schmidt hat bei seinen Plänen aber nicht nur die eigene Lkw-Flotte im Blick, die er nach eigener Aussage schrittweise auf elektrisch betriebene Zugmaschinen von Mercedes-Benz und Scania umstellen will.

„Wir werden auch Dritten den Zugang zu unserem Ladenetz öffnen“, kündigt Schmidt im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Ziel des Joint Ventures mit EWR sei die klimaneutrale Warenversorgung in Deutschland.

TST-Gründer und Geschäftsführer Frank Schmidt: Der Logistiker nimmt den Ausbau des Lkw-Stromladenetzes jetzt selbst in die Hand. Foto: PVSM

Die schleppende Umstellung schwerer Lastwagen auf alternative Treibstoffe steht im deutlichen Widerspruch zum Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Darin ist als Ziel ausgegeben, bis 2030 ein Drittel der Fahrleistung im Straßengüterverkehr auf elektrische Antriebe umzustellen.

Am Freitag hatte die Bundesregierung zudem auf EU-Ebene doch noch den strengeren CO2-Regeln für Lkw und Busse zugestimmt. Nachdem sich das Kanzleramt eingeschaltet hatte, gab das FDP-geführte Verkehrsministerium sein Veto auf. Der Einigung zufolge sollen die CO2-Emissionen von Reisebussen und Lkw bis 2040 verglichen mit 2019 um 90 Prozent sinken.

Aral versucht sich mit „Pulse“-Netz

Das mehr als lückenhafte Strom-Versorgungsnetz für schwere Trucks aber macht der Umstellung auf elektrische Antriebe bislang einen Strich durch die Rechung. Als einer der prominentesten Anbieter präsentierte sich zuletzt die BP-Tochter Aral, die unter dem Firmennamen „Pulse“ inzwischen 2000 Ladesäulen installiert hat.

Das Problem: Für die Versorgung schwerer Lkw sind davon aktuell gerade einmal acht Stationen geeignet.

Immerhin hat Aral Pulse diese entlang des viel befahrenen Autobahn-Korridors „Rhein-Alpen“ postiert, mit Startpunkten in Dortmund und Düsseldorf und einem vorläufigen Endpunkt nahe Mannheim. „Die 300-Kilowatt-Säulen erlauben einen Ladevorgang, der 45 Minuten dauert und für rund 200 Kilometer Strecke reicht“, erklärt eine Aral-Sprecherin auf Anfrage.

Ladesäule von Aral Pulse: Nur acht Stationen sind für schwere Lkw geeignet. Foto: IMAGO/MiS

Angeboten werde ausschließlich Ökostrom. „Wo es die Standortsituation hergibt, kombinieren wir die Stationen mit Versorgungsläden von Rewe To Go“, sagt sie. Damit wolle man für eine angenehme Aufenthaltsqualität der Lkw-Fahrer sorgen.

Im vergangenen Mai eröffnete in Hamburg auch Tankstellen-Konkurrent Shell seine erste Lkw-Elektroladestation. Eine weitere sollte in Hannover folgen, bis voraussichtlich 2025 zudem eine „Ladeinfrastruktur an wichtigen Verkehrsknotenpunkten“, wie es damals hieß. Weitere Meldungen blieben seither allerdings aus.

Strom kommt vom Lagerdach

Den stockenden Ausbau nimmt TST nun gemeinsam mit dem Energieunternehmen EWR zum Anlass, selbst in das Geschäft einzusteigen.

Jährlich 70.000 Megawattstunden Ökostrom wollen beide liefern, den der Logistiker TST mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern seiner Lagerhallen erzeugen soll. In einigen Regionen Norddeutschlands soll Windkraft hinzukommen.

16 Stationen entstehen bereits in diesem Jahr, lautet das erste Ausbauziel der beiden Gesellschafter, und zwar in Nähe der Autobahnen A1, A2, A5, A6, A61 und A67. Die erste geht im Mai in Worms in Betrieb. Feste Zusagen gibt es zudem für die Standorte Hamburg, Bremen und am Kamener Kreuz.

30 Minuten Ladezeit an der Rampe

Sie umfassen nach Angaben der Partner sogenannte Supercharger mit einer Ladeleistung von bis zu 400 Kilowatt, aber auch zusätzlich Batteriegroßspeicher, die bis zu drei Megawatt Leistung des erzeugten Grünstroms bevorraten. 

Strom, der nicht in die E-Ladeinfrastruktur fließt, beheizt die Hallen des Logistikers und soll darüber hinaus an der Börse vermarktet werden.

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Zudem setzt TST auf versenkbare Schnellladesäulen, die Elektro-Lkw während des Entlade- und Beladevorgangs an Warenlager-Rampen binnen 30 Minuten betanken. Damit soll der Lkw-Fahrer während der Stromaufnahme keine Zeit verlieren.

Doch von einer ausreichenden Elektroversorgung ist Deutschlands Lkw-Branche selbst nach dem erfolgten Komplettausbau des Joint Ventures noch meilenweit entfernt. Mehr als 300 Ladeorte, heißt es bei der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, benötige man deutschlandweit für einen reibungslosen Verkehr schwerer Elektro-Lkw. Und das auch nur in einem ersten Schritt.

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