Luftfahrt: Start-up-Verband plädiert für Lilium-Hilfe
Frankfurt. Gründer und Gründerinnen aus Deutschland erhöhen den Druck auf die Bundesregierung, den Luftfahrtpionier Lilium mit einer Staatsbürgschaft zu unterstützen. Eine Initiative des Start-up-Verbands konnte innerhalb weniger Stunden über 650 Unterschriften sammeln. In dem Schreiben fordern die Unterzeichner die Bundesregierung auf, dem Unternehmen aus Bayern finanziell zu helfen.
Deutschland wolle bis 2030 zu einem global führenden Deeptech-Standort werden, heißt es in der Erklärung des Verbands: „Der Ausgang der aktuellen Diskussionen um staatliche Bürgschaften für das Unternehmen Lilium wird zeigen, ob dieser Leitgedanke auch für politische Entscheidungsträger der Ampelkoalition im Jahr 2024 gilt.“
Werde der Bund die Bürgschaft nicht genehmigen, hätte das voraussichtlich nicht nur den Absturz des Unternehmens zur Folge, warnt Christoph Stresing, der Geschäftsführer des Verbands: „Vielmehr wäre ein nachhaltiger Reputationsschaden des Deeptech-Standorts Deutschland zu befürchten, dessen langfristige Kosten nur schwer zu beziffern sind.“ Gründer und Investoren würden sich künftig einmal mehr überlegen, ob sie sich für Deutschland als Standort entscheiden, so Stresing.
Konkret geht es um eine Bürgschaft des Bundes in Höhe von 50 Millionen Euro. An dieser hängt wiederum eine bereits zugesagte Bürgschaft des Landes Bayern in gleicher Höhe. Doch es gibt Bedenken in Berlin. Während Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) helfen wollen, gibt es im Haushaltsausschuss Skepsis. Deshalb wurde eine Entscheidung in der vergangenen Woche vertagt.
Dabei drängt die Zeit. In einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hatte die Lilium-Führung vor einigen Tagen darauf hingewiesen, dass das Unternehmen unverzüglich eine Finanzierung benötige, um den Betrieb fortzusetzen. Zwar haben laut Lilium Investoren versprochen, kurzfristig weitere 32 Millionen Euro zu investieren. Doch diese Zusage hängt an einer Unterstützung seitens der deutschen Politik.
Ohne die könnte Lilium im schlimmsten Fall die Insolvenz drohen. Darauf weist die Führung des Jungunternehmens selbst in der Mitteilung an die SEC hin. Konkret ist davon die Rede, notfalls Instrumente unter dem „Insolvenzrecht“ nutzen zu müssen. Am Donnerstag will sich der Haushaltsauschuss erneut mit dem Thema befassen. „Wenn wir ein Nein bekommen, werden wir das Unternehmen in der jetzigen Form nicht in Deutschland halten können“, sagte Lilium-Mitgründer Daniel Wiegand der „Bild“-Zeitung.
Geld reicht nicht bis zum bemannten Erstflug
Lilium verfügte nach eigenen Angaben Ende Juni über rund 109 Millionen Euro an Barmitteln. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen allerdings 190 Millionen Euro verbraucht. Allein diese beiden Zahlen zeigen, wie dringend die Firma frische Mittel braucht. Mit den aktuellen Geldern wird Lilium nicht bis zum bemannten Erstflug Anfang kommenden Jahres überleben können. Der ist aber enorm wichtig, um überhaupt zu zeigen, dass die Idee funktioniert.
Lilium entwickelt seit Jahren einen elektrischen Senkrechtstarter. Das Unternehmen verfolgt dabei ein etwas anderes Konzept als Wettbewerber wie Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe oder Joby Aviation aus den USA. Während dort die Rotoren über dem Dach der Kabine angebracht sind, hat der Lilium-Jet Flügel, in die schwenkbare Rotoren eingelassen sind.
Der Start-up-Verband nennt zahlreiche Argumente für eine Unterstützung von Lilium. Es gehe um ein Darlehen, nicht darum, ein „krisengeschütteltes Unternehmen mit verlorenen Zuschüssen zu retten“. Außerdem zahle Lilium in Deutschland jährlich 50 Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben. „Eine Garantieerklärung des Bundes in Höhe von 50 Millionen Euro ist deshalb ein sehr moderates Investment.“