Lufthansa: Eurowings Discover soll bald anders heißen
Die Touristik-Airline der Lufthansa-Gruppe soll einen neuen Namen und ein neues Outfit bekommen - auch um das Markenwirrwarr etwas aufzulösen.
Foto: IMAGO/CHROMORANGEFrankfurt. Eurowings Discover war für viele Passagiere von Beginn an ein verwirrendes Ärgernis. Denn obwohl auf den Jets der Name der Billigtochter prangt, können die Kunden weder bei Eurowings Flugtickets für die Langstrecken-Airline erwerben noch dort verloren gegangene Koffer reklamieren. Zuständig ist die Kernmarke Lufthansa. Das sorgt immer wieder für Ärger mit den Kunden.
Diese Verwirrung soll bald ein Ende haben. Eurowings Discover wird einen neuen Namen bekommen, die Flugzeuge einen neuen Farbton. Nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld entfällt der Namenszusatz Eurowings, das Eurowings-Lila weicht wohl einem Blauton – in Annäherung an das Blau der Kernmarke. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte auf Anfrage, dass an dem Thema gearbeitet wird. Details nannte er aber nicht.
Unter dem neuen Namen hat die Konzernführung einiges mit der Touristik-Airline vor. Zunächst soll Discover schwarze Zahlen erreichen. Im Juli 2021 – mitten in der Pandemie – gestartet, hatte Eurowings Discover bisher nur Verluste eingeflogen. Allein im vergangenen Jahr lag das Minus nach Informationen aus Konzernkreisen bei rund 170 Millionen Euro. Für das laufende Jahr gehe das Management dagegen von einem Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe aus.
Ein Sprecher des Unternehmens wollte die Zahlen nicht kommentieren. Lufthansa publiziert keine separaten Wirtschaftsdaten für Discover, sie werden in den Zahlen der Kernmarke konsolidiert. Lufthansa-CEO Carsten Spohr hat gegenüber Investoren bereits vor einigen Wochen versprochen, dass 2023 alle Airlines der Gruppe einen Gewinn abliefern werden. Im vergangenen Jahr war das nur Swiss und AUA gelungen.
Der nun angepeilte Gewinn soll über eine Ausweitung des Angebots erreicht werden. „Wir werden dieses Jahr über Wachstum bei Discover reden, zunächst noch innerhalb der bestehenden Flotte“, sagte Spohr Mitte Mai bei einem Mitarbeitertreffen in München. Im kommenden Jahr könnte dann auch die Flotte weiter ausgebaut werden.
Lufthansa: Discover könnte Airbus 350 und Boeing 787 bekommen
Aktuell fliegt Discover mit 22 Flugzeugen, darunter zwölf Airbus A330 für die Langstrecke. Mit zehn A320 werden wiederum auf der Mittelstrecke touristische Ziele angesteuert. Künftig könne die Tochter aber vielleicht auch mit Langstreckenjets vom Typ Boeing 787 oder Airbus A350 unterwegs sein, deutete Spohr an.
Bei Eurowings Discover erwartet das Management einen zweistelligen Millionengewinn.
Foto: dpaSchon länger wird in Branchenkreisen über eine Umbenennung des Ablegers spekuliert. Eigentlich sollte der neue Name in diesen Wochen publik gemacht werden. Doch der Termin wurde verschoben. Die Lufthansa-Spitze wolle zunächst sicherstellen, dass das wichtige Sommergeschäft weitgehend reibungslos laufe, heißt es in Unternehmenskreisen.
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Im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Flugabsagen und Verspätungen wegen Personalmangels viele Kunden zur Verzweiflung getrieben. „In einer Zeit, wo alles am Anschlag ist, Flugzeuge rauszunehmen, um sie umzulackieren, wäre kontraproduktiv“, heißt es im Umfeld des Managements.
Der Name Eurowings Discover sorgte für Verwirrung bei Kunden
Der für viele Kunden verwirrende Name Eurowings Discover ist Folge einer komplexen Situation im Gründungsjahr 2021. Zu dem Zeitpunkt nahm der Konzern wegen der Pandemie noch Staatshilfen in Anspruch. Mithilfe von Steuergeldern eine komplett neue Airline aufzubauen hätte wahrscheinlich bei der Bundesregierung und der EU-Kommission Widerspruch provoziert.
Der Name Eurowings Discover sollte signalisieren, dass es sich bei dem Ableger nicht um etwas völlig Neues handelt. Tatsächlich gab es schon früher Langstreckenverbindungen unter der Marke Eurowings. 2015 nahm die Billigtochter eigene Fernziele auf. Doch das Vorhaben ging gründlich daneben.
Flugzeuge fielen aus, weil die Flotte damals viel zu klein war. Wegen fehlenden Geräts kam es zu teils massiven Verspätungen. Im Januar 2016 erreichten Passagiere aus Kuba Deutschland zum Beispiel mit einer Verzögerung von 68 Stunden. 2019 änderte das Management die Strategie. SunExpress Deutschland und die deutsche Betriebsstätte von Brussels Airlines kümmerten sich fortan um die Langstrecke von Eurowings. Das wiederum erwies sich als sehr komplex.
Nach dem Ausbruch des Coronavirus stellte das Management die Langstrecke von Eurowings zunächst ein. SunExpress Deutschland und der deutsche Standort von Brussels Airlines wurden geschlossen. Die Idee einer eigenen Langstrecken-Airline mit niedrigeren Kosten wanderte deshalb aber nicht zurück in die Schublade.
Vielmehr startete das Management eine genaue Analyse, warum die Strategie bisher nicht aufging. Ein Ergebnis: So ein Geschäftsmodell braucht eine große Vertriebsmacht. Eurowings kennt sich mit der Vermarktung von Kurz- und Mittelstrecken aus, nicht aber mit der Langstrecke.
Eine zweite Erkenntnis: Eine Langstrecke braucht ein Drehkreuz, an dem die Großraumflugzeuge gefüttert werden können. Eurowings hatte das nicht, die Airline musste selbst die Passagiere herbeischaffen, was viel zu aufwendig war.
Lufthansa-Tochter: Vorbild ist Edelweiss in der Schweiz
Der Blick in die Schweiz zeigte, wie es besser laufen kann. Dort bedient Edelweiss am Drehkreuz Zürich die touristische Langstrecke, gespeist mit Passagieren der Premiummarke Swiss. Das war die Geburtsstunde für Eurowings Discover.
Innerhalb der Gruppe sorgte die neue Fluggesellschaft in den ersten Monaten für Unmut – vor allem bei den Piloten der Kernmarke. Denn Discover nutzt zum Teil Fluggerät, das vorher für Lufthansa Airlines im Einsatz war und bedient Strecken, die ebenfalls bisher von der Kernmarke geflogen wurden.
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Mittlerweile soll sich die Situation etwas entspannt haben. Ob die Spannungen zwischen den Crews beider Airlines angesichts des geplanten Wachstums wieder zunehmen werden, ist schwer zu sagen. Für Konzernchef Spohr steht jedenfalls fest, dass es für spezielle Marktsegmente auch eigene Airlines mit den passenden Kostenstrukturen braucht.
Deshalb habe man vor vielen Jahren Eurowings gegründet, erklärte er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Mai: „Wenn wir versuchen würden, in Deutschland die Kurzstrecke mit Lufthansa zu fliegen, würden wir entweder hohe Verluste machen oder die Kunden sind sauer, weil wir den Service so weit runterfahren müssten, dass es nicht mehr Lufthansa ist.“ VW und Audi seien auch nicht das Gleiche. „Der Kunde hat das verstanden, da wollen wir hin.“
Erstpublikation: 03.07.2023, 11:00 Uhr.