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Mytheresa-CEO Michael Kliger

„Wir sind im konstanten Dialog mit fast allen Luxusmarken.“

(Foto: Mytheresa)

Michael Kliger im Interview Mytheresa-CEO: „Man hat in Deutschland schon deutlich mehr Mut zur Farbe“

Michael Kliger, Chef der Onlineplattform, spricht im Interview über den aktuellen Boom von Herrenluxusmode und den Wandel der Geschlechterrollen.
23.01.2020 - 12:42 Uhr Kommentieren

Herr Kliger, vor 14 Jahren ist Mytheresa als Plattform für Luxusmode online gegangen. Aber erst jetzt startet man mit Männermode. Warum hat es so lange gedauert?
Die Idee gab’s natürlich schon früh. Andererseits war das Wachstum mit der Damenmode bei Mytheresa derart rasant, dass man für die Eroberung des Herrenmarkts einfach keine Kapazitäten mehr frei hatte.

Da hat Ihre Plattform einiges verpasst.
Wenn man sieht, was manche Mitbewerber dann gestartet haben, und vor allem, was sich in dieser Zeit modisch getan hat, stimmt das leider. Der große Boom von Sneakers und Streetwear der vergangenen Jahre ging an uns vorbei. Interessanterweise findet jetzt gerade ein Umbruch statt, den wir nutzen wollen.

Inwiefern?
Die jüngsten Modeschauen zeigen: Es wird wieder eleganter, cleaner. Themen wie Fabrikation, Materialien und natürlich Nachhaltigkeit werden wichtiger. Das wird uns helfen. Wir starten also in ein neues Kapitel.

Wie viel Marktforschung ist Ihrem Männer-Start vorausgegangen?
Als Plattform sind wir ohnehin im konstanten Dialog mit fast allen Luxusmarken, die zum großen Teil ja auch in der Männermode aktiv sind – von Gucci über Prada bis Saint Laurent. Da wussten wir also schon viel. Wie diese Mode dann bei uns aussehen und kuratiert wird, das folgt trotzdem immer auch viel dem Bauchgefühl.

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    Was hat sich verändert – vielleicht auch, was Geschlechterrollen angeht?
    Da ist eine neue Generation von Männern gerade über das Thema Streetwear neu an die Mode herangeführt worden. Und dieser Trend hat klar in Asien angefangen. Dort ist zum Beispiel das Geschäft rund um Handtaschen für Männer genauso groß wie das für Damen. Man muss wissen: 50 Prozent der globalen Luxuskunden sind Asiaten. Damit zusammenhängend hat sich das Gender-Thema stark entwickelt, die Neudefinition von Geschlechterrollen. Insofern wächst der Männermarkt derzeit viel dynamischer.

    Woran merken Sie, dass das derzeit fast das heißere Pflaster der Branche ist als das klassische Damengeschäft?
    Schauen Sie sich große Labels an wie Dior – die wir derzeit noch nicht im Programm haben: Da ist viel mehr Debatte um die Herrenkollektionen von Kim Jones als um die von Maria Grazia Chiuri bei den Frauen – trotz ihres großen Erfolgs. Schauen Sie sich an, welche Revolutionen Virgil Abloh bei Louis Vuitton provoziert oder Hedi Slimane bei Celine. Viele Marken denken derzeit auf der Männerseite viel kreativer über nächste Schritte nach.

    Die kurzen Hosen von Thom Browne oder die wilden Pullover von Valentino sind trotzdem noch nicht unbedingt in deutschen Vorstandsetagen angesagt.
    Aber auch da verändert sich etwas, wenngleich der asiatische Markt für uns tatsächlich wichtiger ist. Man hat auch in Deutschland schon deutlich mehr Mut zur Farbe. Und Labels wie Loro Piana, Brunello Cucinelli oder Zegna bedienen das in ihren jüngsten Kollektionen. Auch Dax-Chefs gehen schon mal in roten Sneakern auf die Bilanzpressekonferenz.

    Wie groß wird das Markenangebot für Männer bei Ihnen sein?
    Wir haben im vergangenen Herbst mit dem Einkauf begonnen und starten nun mit den Frühling-Sommer-Kollektionen 2020 mit 120 Topmarken …

    … und mehreren sogenannten Capsule Collections von Prada, Thom Browne oder Valentino. Was hat Mann sich darunter vorzustellen?
    Das soll vor allem dokumentieren, welches Vertrauen uns die Marken gleich zum Start entgegenbringen. Und natürlich ist es wichtig, da ein paar Dinge anbieten zu können, die niemand anderes hat.

    Außerdem eröffnen Sie ein 2 000-Quadratmeter-Studio in Mailand. Wozu braucht eine Onlinefirma so etwas noch?
    All unsere Looks und Männerartikel werden in diesem Studio fotografiert. Dort entsteht auch die ganz besondere Bild- und Textansprache für unsere künftigen männlichen Kunden. Das größte kreative Potenzial für so ein Projekt bietet derzeit Mailand.

    Was ist der größte Unterschied zwischen den Geschlechtern, wenn es darum geht, ihnen online Mode zu verkaufen?
    Sagen wir so: Wir glauben zumindest, dass Frauen sich sehr genau vorstellen können, wie einzelne Artikel zu einem bestimmten Look passen. Männer wollen dagegen eher durch komplette Outfits inspiriert werden. Denen zeigen wir die Looks auch an Models – also auch mit Gesichtern. Den Männern muss auch der Typ gefallen, der im Anzug steckt. Da fehlt es den Herren noch etwas an Sicherheit, aber vielleicht ist das auch einfach Faulheit.

    Wie viel wurde in den Start investiert?
    Es gibt viele Mytheresa-Mitarbeiter, die sich um beide Seiten kümmern, insofern lässt sich das schwer in Euro beziffern. Rein für die Männermode haben wir mittlerweile aber 40 neue Kollegen eingestellt.

    Wie viel Umsatz erhoffen Sie sich?
    Wir haben natürlich einen Plan, sonst hätten wir ja nicht gewusst, wie viel Ware wir einkaufen sollen. Im ersten Jahr ist mir aber vor allem wichtig, dass die Kunden verstehen, was Männermode bei Mytheresa überhaupt bedeutet. Wir müssen also nicht Umsatz knüppeln, sondern Bewusstsein schaffen.

    Wie sieht Ihre Prognose generell aus für 2020, für Ihre Firma und die Branche?
    Wir sind bislang ja mit rund 24 Prozent pro Jahr gewachsen. Da der Luxusmarkt, und da besonders das Onlinegeschäft, bislang keinerlei Schwächen zeigt, bin ich also sehr zuversichtlich.

    Herr Kliger, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Nach der Insolvenz stellt sich Gerry Weber neu auf. Dabei nimmt sich der Modehersteller erfolgreiche Marken wie Massimo Dutti und Cos zum Vorbild.

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