Miles & More: Lufthansa verschiebt das neue Vielfliegerprogramm
Der Konzern verschiebt die geplante Reform ihres Miles-&-More-Programms auf unbestimmt Zeit.
Foto: dpaFrankfurt. Die Coronakrise macht die Pläne der Lufthansa, ihr Vielfliegerprogramm wie geplant zu reformieren, vorerst zunichte. Eigentlich sollte das neue System Anfang kommenden Jahres starten. Dann wurde es wegen der Pandemie auf Anfang 2022 verschoben. Nun hat das Unternehmen in einem Schreiben an seine Top-Kunden mitgeteilt, dass auch dieser Termin nicht mehr gilt.
„Sie als Vielflieger und treuer Gast wissen um die herausfordernde Situation in unserer Industrie und kennen die Dynamik der aktuellen Lage, die immer wieder Anpassungen in unserem Angebot erfordert“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Heute müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir den Start des neuen Vielfliegerprogramms nicht wie geplant umsetzen können. Das bedeutet für Sie, dass die jetzigen Programmbedingungen ihre Gültigkeit behalten.“
Grundsätzlich halte man an den Plänen fest, das Programm zu vereinfachen, heißt es bei Lufthansa. Aber es sei nicht auszuschließen, dass das durch Corona veränderte Flugverhalten noch die eine oder andere Änderung notwendig mache.
Der Konzern hatte eigentlich vor, mit einem neuartigen Punktesystem jene Kunden stärker zu belohnen, die mit den Airlines der Gruppe, vorrangig den Premiummarken Lufthansa, Swiss und AUA, fliegen. Dagegen soll die bei Vielfliegern gerne genutzte Möglichkeit, ihren Status durch das Kaufen von Meilen bei Partnern des Miles-&-More-Programms zu sichern, erschwert werden.
Unter anderem sollte es zum Beispiel den Mitgliedern des HON Circle – der höchsten Kategorie in der Vielflieger-Systematik von Miles & More – künftig auch möglich sein, Punkte auf Flügen in der Economy-Klasse zu sammeln. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass immer mehr Unternehmen schon vor Corona strenge Reiserichtlinien vorgegeben haben und bei vielen Reisen nur Economy-Tickets erlauben.
Prämienmeilen verlieren an Bedeutung
Allerdings wirbelt die Pandemie den gesamten Luftverkehr durcheinander und damit auch den Alltag der Vielflieger. Weil wenig geflogen wird, ist es schwieriger, den Status als Vielflieger zu verteidigen. Auch können viele Services etwa in den Lounges oder beim Einsteigen wegen der strengen Hygienevorgaben nicht genutzt werden.
Hinzu kommt: Corona wird das Fluggeschäft grundsätzlich verändern, mit Folgen für die Vielfliegerprogramme. Privatreisen und Touristen gewinnen für die Fluggesellschaften an Bedeutung. Dagegen ist offen, ob die Geschäftsreisen je wieder das Niveau wie vor Beginn der Pandemie erreichen werden. Die Unternehmen haben gelernt, dass vieles auch digital geht.
Die Airline-Manager müssen sich also überlegen, ob und wie sie künftig die Privatkunden stärker bei der Ausgestaltung der Vielfliegerprogramme berücksichtigen. Experten glauben zudem, dass die Prämienmeilen – jene Meilen, mit denen man sich Waren und Dienstleistungen kaufen kann - an Bedeutung verlieren. Viele Produkte sind anderswo billiger zu bekommen. Dagegen werde der Status, der einem bestimmte Privilegien beim Fliegen garantiert, in Zukunft wichtiger.
Da aber derzeit keiner wirklich weiß, wie die Erholung des Luftverkehrs nach dem Ende der Pandemie aussehen wird, braucht Lufthansa wohl noch mehr Zeit, um die Konsequenzen für das eigene Vielfliegerprogramm zu analysieren.