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Nach Staatseinstieg Bund akzeptiert Angela Titzrath und Michael Kerkloh als neue Lufthansa-Aufsichtsräte

Die Hamburger Hafenchefin und der frühere Flughafenchef ziehen ins Kontrollgremium ein. Damit bekommt Aufsichtsratschef Kley seine Wunschkandidaten.
28.08.2020 - 10:23 Uhr Kommentieren
Neue Kontrolleure für die Lufthansa. Fotos: Reuters und Getty Images
Angela Titzrath und Michael Kerkloh

Neue Kontrolleure für die Lufthansa.

Fotos: Reuters und Getty Images

Frankfurt Angela Titzrath, die Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG, und der ehemalige Münchener Flughafenchef Michael Kerkloh gehen als Vertreter des Bundes in den Aufsichtsrat von Lufthansa. Das Bundesfinanzministerium bestätigte jetzt den entsprechenden Vorschlag des Chefkontrolleurs der Airline-Gruppe, Karl-Ludwig Kley.

Der Bund stützt den Konzern, der durch den stark eingeschränkten Luftverkehr in der Corona-Pandemie in eine wirtschaftliche Existenzkrise geraten ist, mit neun Milliarden Euro. Im Gegenzug ist der Bund mit 20 Prozent bei Lufthansa eingestiegen. Zum Rettungspaket gehören zwei Posten im Kontrollgremium, bei denen der Bund ein Mitspracherecht hat. Kley konnte Kandidaten benennen, der Bund diese bestätigen oder ablehnen.

Unter anderem diese Forderung der Politik hatte bei den Verhandlungen über das Rettungspaket für teils heftige Diskussionen gesorgt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vor einem zu starken politischen Einfluss auf wichtige operative und strategische Entscheidungen gewarnt. Als Kompromiss verständigte man sich schließlich auf das „Airbus-Modell“. Die Vertreter des Bundes sollen unabhängig sein und entsprechend agieren können.

In Titzrath zieht eine in der Logistik erfahrene Managerin in das Kontrollgremium. Bevor sie Anfang 2017 zur Chefin der Hafengesellschaft in Hamburg berufen wurde, war sie Vorständin bei der Deutschen Post. Beide Unternehmen haben die öffentliche Hand als Anteilseigner – der Hafen die Freie und Hansestadt Hamburg, die Post den Bund.

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    Kerkloh wiederum verfügt als langjähriger Chef des Münchener Flughafens nicht nur in der Luftfahrt über jede Menge Erfahrung. Er weiß ebenfalls, wie man mit der Politik umgeht. Der Airport gehört dem Freistaat Bayern, dem Bund und der Stadt München. Zudem kennt er die Lufthansa bestens, der Flughafen und die Airline verbindet seit Jahren eine enge Zusammenarbeit.

    Erfahrene Kontrolleure müssen Platz machen

    Gleichwohl gibt es bei der Berufung der beiden neuen Kontrolleure durch das Gericht einen Wermutstropfen: Das Kontrollgremium verliert viel wertvolles Wissen. Zwei Aufsichtsräte müssen für die „Neuen“ freiwillig ihren Stuhl räumen.

    Einer ist Martin Koehler. Er hat fast während seiner gesamten Laufbahn die Luftfahrtbranche betreut. Der 62-Jährige begann seine Karriere bei der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG), wo er unter anderem Mitglied des Global Partnership Committee war. Vor allem aber leitete er das Competence Center „Aviation“ von BCG.

    Koehler hat seine Erfahrung bei vielen Airlines eingebracht, auch international. So war er etwa an dem Aufbau eines eigenen Billigablegers für die australische Qantas und einer Tochtergesellschaft der amerikanischen Jetblue beteiligt. Bei der Expansion der lateinamerikanischen Latam war er ebenso involviert wie bei der Sanierung der US-Airline Delta.

    Viele Jahre beriet er auch Lufthansa, bevor Koehler im März 2010 in das Kontrollgremium der Airline-Gruppe einzog. Dort kontrollierte er in Wolfgang Mayrhuber, Christoph Franz und nun Carsten Spohr drei CEOs des Unternehmens. Zudem erlebte Koehler drei Aufsichtsratsvorsitzende.

    Doch gerade die Tatsache, dass der 62-Jährige damit der dienstälteste Kontrolleur in diesem Gremium ist, dürfte dazu geführt haben, dass Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley ihn gefragt hat, ob er bereit wäre, seinen Stuhl zu räumen. Zwingen kann Kley in dem Kontrollgremium niemanden dazu, Platz für die beiden Vertreter des Bundes zu machen. Er ist auf Freiwilligkeit angewiesen.

    In Monika Ribar verliert der Lufthansa-Aufsichtsrat dagegen eine ausgewiesene Finanzexpertin. Die 60-jährige Schweizerin ist Präsidentin des Verwaltungsrats der Schweizer Bundesbahnen (SBB) und genießt in der Schweiz einen ausgezeichneten Ruf. Sie studierte an der Universität in St. Gallen „Finance and Controlling“, war dann eine Zeit lang die Leiterin der „Strategischen Planung“ der damaligen Fides Group, die heute zu KPMG gehört. 1991 wechselte sie zum Schweizer Logistikunternehmen Panalpina, wo sie unter anderen die Finanzchefin war.

    2014 wurde sie in den Aufsichtsrats von Lufthansa gewählt. Ribar wurde wohl deshalb gefragt, ob sie sich einen Verzicht auf das Amt vorstellen können, weil sie im Prüfungsausschuss des Gremiums sitzt. Dort braucht Kley einen freien „Stuhl“, denn im Rahmenvertrag des Rettungspakets ist ebenfalls vereinbart, dass einer der beiden Vertreter des Bundes in diesen Ausschuss einzieht.

    Wie das Ausscheiden der einzigen Schweizer Staatsangehörigen aus dem Lufthansa-Aufsichtsrat in der Eidgenossenschaft aufgenommen wird, bleibt abzuwarten. Der Schweizer Staat stützt die Lufthansa-Tochter Swiss und deren Schwester-Airline Edelweiss mit umgerechnet 1,4 Milliarden Euro. Zudem hat die Politik dort seit der Übernahme der Swiss durch Lufthansa stets großen Wert darauf gelegt, bei Entscheidungen im Aufsichtsrat einbezogen zu werden. Hier könnte noch Unruhe drohen.

    Aufsichtsratschef Kley bedauert den Verlust beider Kontrolleure. „Ich danke Monika Ribar und Martin Koehler für ihre langjährige und engagierte Mitarbeit im Aufsichtsrat. Mit ihnen verlieren wir zwei ausgewiesene Experten, die ihre große Managementerfahrung und ihre Airline-Kompetenz stets zum Wohle der Gesellschaft eingebracht haben“, lässt sich der Chefaufseher in einer Mitteilung zitieren.

    Kley ist schon länger stolz auf die prominente und professionelle Besetzung des Lufthansa-Gremiums. In diesem sitzen unter anderem Fresenius-Chef Stephan Sturm und der ehemalige Airbus-Chef Thomas Enders. Erst vor wenigen Wochen hatte Kley im Gespräch mit dem Handelsblatt darauf hingewiesen, dass man für diese Besetzung viel Lob bekommen habe: „Ich werde auch künftig keine Abstriche bei der Qualität akzeptieren“, so Kley.

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