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Onlinehandel Tschechisches Start-up will Amazon Fresh in Deutschland Konkurrenz machen

Gründer Tomas Cupr startet im kommenden Jahr einen Lebensmittellieferdienst in München. Und er hat schon zehn weitere deutsche Großstädte im Visier.
18.09.2020 - 15:14 Uhr Kommentieren
Im vergangenen Jahr ist Rohlik nach Ungarn expandiert, Ende des Jahres startet der Dienst in Österreich unter dem Namen „gurkerl.at“. Quelle: Rohlik
Rohlik

Im vergangenen Jahr ist Rohlik nach Ungarn expandiert, Ende des Jahres startet der Dienst in Österreich unter dem Namen „gurkerl.at“.

Düsseldorf An übertriebenen Selbstzweifeln leidet Tomas Cupr nicht. Es gebe doch unzählige Kunden in Deutschland, die gerne Lebensmittel online bestellen würden. „Aber bisher gibt es für sie noch nicht das richtige Angebot“, behauptet der Gründer des tschechischen Lieferdienstes Rohlik. Und genau dafür wolle er bald sorgen.

Ab dem kommenden Frühjahr will er unter der neuen Marke „knuspr.de“ zunächst in München Lebensmittel liefern – und diesen Dienst dann rasch bundesweit ausdehnen. Liefern will er innerhalb von zwei Stunden nach Bestellung. „Wenn die Belieferung 48 Stunden dauert, dann kann man doch besser in den Supermarkt gehen“, sagt er.

Bei seinen Plänen lässt er sich auch von großen Konkurrenten wie Rewe oder Amazon Fresh nicht abschrecken. „Ja, natürlich ist die Konkurrenz hart in Deutschland, aber das ist sie auch in Tschechien“, sagt der 37-Jährige. Und da wird das 2014 gegründete Unternehmen dieses Jahr bereits 300 Millionen Euro umsetzen, bei einem Gewinn von knapp acht Millionen Euro.

Auch Experten sehen gute Perspektiven für den Angreifer. „Es ist noch nicht zu spät, jetzt nach Deutschland zu kommen“, sagt Rainer Münch, Handelsexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman. „Der Markt in Deutschland ist so groß, da ist noch viel Platz für neue Wettbewerber.“

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    Gerade die Coronakrise hat dem Geschäft in den vergangenen Monaten einen deutlichen Schub gegeben. Nach Zahlen des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel brachte das zweite Quartal 2020 dem Lebensmittel-Onlinehandel einen Umsatzrekord von 772 Millionen Euro. Das war eine Steigerung von 89,4 Prozent.

    „Ja, natürlich ist die Konkurrenz hart in Deutschland, aber das ist sie auch in Tschechien.“ Quelle: Rohlik
    Tomas Cupr

    „Ja, natürlich ist die Konkurrenz hart in Deutschland, aber das ist sie auch in Tschechien.“

    Oliver-Wyman-Berater Münch hält dies nicht für ein Strohfeuer. „Von den Neukunden, die jetzt durch den Corona-Effekt kommen, werden sicherlich 50 Prozent bleiben“, prognostiziert er. Und davon will bald auch Rohlik profitieren. „Wir wachsen jedes Jahr um 70 Prozent – und diese Wachstumsrate wollen wir auch beibehalten“, sagt Cupr, der noch 75 Prozent an seinem Unternehmen hält.

    Im vergangenen Jahr ist Rohlik nach Ungarn expandiert, Ende des Jahres startet der Dienst in Österreich unter dem Namen „gurkerl.at“. Doch der Start in Deutschland soll den großen Durchbruch bringen. „Wir sind nicht verrückt, wir wissen, dass es eine große Herausforderung ist“, räumt Cupr ein. Doch innerhalb des ersten Jahres könnten bereits vier weitere Städte dazukommen.

    Startkapital kam von Delivery Hero

    Das nächste Ziel sei es, in zehn großen deutschen Städten auszuliefern, darunter beispielsweise Frankfurt, Stuttgart und Köln. „In wenigen Jahren wollen wir einen Umsatz von mehreren Milliarden Euro in Deutschland machen“, sagt der Unternehmer selbstbewusst.

    An dieser Aufgabe haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen. Das beste Beispiel ist der US-Riese Amazon. Mit großen Erwartungen startete das Unternehmen 2017 den Lieferdienst Amazon Fresh, eröffnete rasch die Liefergebiete Berlin, München, Hamburg und Potsdam. Doch danach stockte die Expansion. Offenbar nahmen die Kunden den Dienst nur zögerlich an.

    Erst in diesem August hat Amazon einen neuen Anlauf unternommen – diesmal jedoch unter der Marke Amazon Now mit einem etwas anderen Konzept und in der Region Südhessen. Als Partner ist jetzt die Supermarktkette Tegut dabei, aus deren Filialen geliefert wird. Wie schnell das Geschäft diesmal wächst, muss sich erst zeigen.

    Im Skalieren von Geschäftsmodellen hat der Rohlik-Gründer immerhin Erfahrung. Denn es ist nicht das erste Unternehmen, das Cupr gründete.

    Startkapital für Rohlik brachte ihm der Verkauf der Restaurantlieferplattform DameJidlo. Die hat er so erfolgreich zum Marktführer in Tschechien gemacht, dass er sie an Delivery Hero verkaufen konnte. Außerdem bekam er Geld von den tschechischen Fonds Miton und Enern.

    Für seine weitere Expansion in Europa sucht Cupr nun frisches Kapital. Er hat die Finanzierungsberater von Arma Partners beauftragt, zusätzliche Investoren ins Boot zu holen. Rund 100 Millionen Euro sollen so zusammenkommen.

    Das dürfte auch notwendig sein. Denn die Investitionen in den Start in Deutschland werden erheblich sein. Geplant sind zunächst ein Auslieferungslager in München und eine eigene Flotte an Lieferfahrzeugen. Für jede weitere Region muss dann nachgerüstet werden.

    Gerade der Ausbau der Lieferkapazitäten ist für viele Liefer-Start-ups ein heikler Punkt. Als im Zuge der Coronakrise in Deutschland die Nachfrage explodierte, weil viele Konsumenten kontaktlos einkaufen wollten, konnten Unternehmen wie Picnic oder Getnow die Nachfrage kaum bedienen. „Wir haben in der Coronakrise den größten vorstellbaren Boom erlebt“, berichtete beispielsweise Sebastian Wiese, Chef des Lieferdienstes Getnow, der mit der Metro zusammenarbeitet.

    „Es gibt einen Wettbewerb der Systeme“

    Am stärksten vom Boom profitiert hat wohl das niederländische Start-up Picnic, das in Deutschland bisher ausschließlich in NRW präsent ist und seinen Umsatz dort verdoppeln konnte – auch weil es starke Investoren im Rücken hat und rasch ein 15.000 Quadratmeter großes zweites deutsches Auslieferungslager eröffnen konnte.

    Genau wie Rohlik liefert es mit eigenen Autos und Fahrern aus. Aber ansonsten ist es der Gegenentwurf zum tschechischen Konkurrenten. Während sich Rohlik auf Großstädte konzentrieren will, liefert Picnic eher im ländlichen Raum.

    „Es gibt einen Wettbewerb der Systeme“, prognostiziert Handelsexperte Münch. „Es ist noch viel Raum für Experimente.“

    Hilfreich könne dabei durchaus sein, wenn ein Anbieter nicht aus dem klassischen Handel kommt, sondern sich als Tech-Unternehmen sehe – wie Rohlik und Picnic. „Dann ist er offener für neue Ideen und betrachtet das Geschäft eher vom Kunden aus“, so Münch.

    Das sieht auch Thomas Cupr so. „Als wir gestartet sind, hatten wir keinerlei Handelsexpertise“, erzählt der Unternehmer. „Aber genau das war unser Vorteil.“ Sie seien nicht mit einem fertigen Sortiment gestartet, sondern hätten die Kunden gefragt, welche Produkte sie haben wollen. Auf diese Weise hätten sie ihr Angebot ganz gezielt ausbauen können.

    Dabei will Rohlik weitgehend auf den klassischen Großhandel verzichten. Stattdessen will das Unternehmen die Waren direkt bei Herstellern einkaufen, gerne auch in der Region. In Österreich etwa sollen 95 Prozent der Produkte direkt vom Hersteller bezogen werden. Ähnlich soll es dann auch in Deutschland laufen. „Wir wollen ein wichtiger Handelspartner und Kanal für kleinere Produzenten werden“, betont Cupr.

    Letztlich hängt der Erfolg in der Tat davon ab, ob der Service die Wünsche der Kunden trifft. Noch werden erst schätzungsweise zwei Prozent der Lebensmittel in Deutschland online bestellt. Doch das könnte sich rasch ändern. „Wenn es ein perfektes Angebot flächendeckend gäbe, wäre der Marktanteil des Onlinegeschäfts am Lebensmittelhandel schnell jenseits der zehn Prozent“, sagt Experte Münch. Und das wäre immerhin ein Markt von fast 20 Milliarden Euro.

    Mehr: Amazon startet neue Offensive bei Lieferung von Lebensmitteln.

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