Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Outdoorbranche Jack Wolfskin will als grüne Marke zurück in die Regale

Die Outdoor-Marke steht im scharfen Wettbewerb, viele Sportgeschäfte führen das Label nicht mehr. Die Firmenchefin schärft nun das Profil.
22.02.2020 - 12:25 Uhr Kommentieren
Die Geschäftsführerin von Jack Wolfskin, Melody Harris-Jensbach, will die Bemühungen um den Umweltschutz besser herausstellen. Quelle: dpa
Jack Wolfskin

Die Geschäftsführerin von Jack Wolfskin, Melody Harris-Jensbach, will die Bemühungen um den Umweltschutz besser herausstellen.

(Foto: dpa)

München Shoppen mit gutem Gewissen: Jack Wolfskin sieht sich schon lange als grüner Vorreiter. Bislang hat das deutsche Outdoor-Label aber kaum damit geworben. Das werde sich nun ändern, sagte Geschäftsführerin Melody Harris-Jensbach dem Handelsblatt: „Wir versuchen, das positiv und authentisch zu kommunizieren.“

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit sei so stark wie nie, unterstrich die Managerin: „Das spielt bei den Konsumenten eine große Rolle.“ Deshalb sei es jetzt an der Zeit, die schon seit Jahren laufenden Bemühungen um den Umweltschutz den Käufern gegenüber herauszustellen. Mit zwei, drei Kernbotschaften werde die Marke auf die Leute zugehen.

Jack Wolfskin liegt damit voll im Trend. Die Outdoorbranche war zwar stets stark darin, in ihrer Reklame die bunten Regenjacken, Wanderhosen und Klettershirts in unberührter Natur abzubilden. Im Wesentlichen bestanden die Textilien aber aus mit Chemikalien behandeltem Kunststoff.

Inzwischen aber haben sich die Anbieter gewandelt. Sie folgen damit einerseits dem Zeitgeist, stehen aber auch unter dem Druck der Aktivisten von Greenpeace sowie von Ökopionieren der Branche wie Patagonia oder Vaude.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    So bringt Jack Wolfskin immer mehr Textilien in die Läden, die komplett aus recycelten Materialien bestehen. Sowohl Wolle als auch Kunstfasern werden nach Firmenangaben wiederverwertet. Die gesamte Kollektion komme zudem bereits seit vergangenem Jahr ohne per- und polyfluorierte Chemikalien aus.

    Neues Färbe-Verfahren soll 90 Prozent weniger Wasser benötigen

    Diese werden in der Branche häufig verwendet, weil sie Wasser, Schmutz und Fett an der Bekleidung abperlen lassen. Allerdings können sie in Luft, Wasser und Nahrung geraten und so die Umwelt – und die Gesundheit – schädigen. Darüber hinaus nutze Jack Wolfskin inzwischen ein Verfahren zur Färbung, das 90 Prozent weniger Wasser als die bisherigen Anwendungen verschlinge, erklärte Harris-Jensbach.

    Händler bestätigten, dass sich die Kunden immer mehr für nachhaltige Ware interessieren. Allerdings sei es für die Leute häufig schwer, sich zu orientieren, sagte Martin Kerner, Geschäftsführer des Outdoor-Geschäfts Basislager in Karlsruhe. Daher habe er ein eigenes Label geschaffen, mit dem er nachhaltig hergestellte Ware in seinem Laden kennzeichne.

    Denn das ist eine große Hürde. Verbraucher können bislang nur schwer erkennen, wie nachhaltig Bekleidung und Schuhe hergestellt werden. Am Label „Grüner Knopf“ können sich die Menschen in Deutschland orientieren. Weltweit fehlt aber ein Standard.

    Grafik

    Um das zu ändern, haben sich global mehr als 250 Marken, Fabriken und Händler in der Sustainable Apparel Coalition zusammengeschlossen. Die Vereinigung hat den sogenannten Higg-Index entwickelt. Mit diesem Werkzeug sollen Umweltbelastung und die Sozialleistungen gemessen werden. Noch ist das System nicht fertig. In den kommenden Jahren aber werden die Käufer die Ware vergleichen können, ähnlich wie das heute beim Stromverbrauch von Elektrogeräten möglich ist

    So lange will Harris-Jensbach nicht warten. Sie will in der Werbung und an den Produkten selbst informieren. Es sei aber sinnlos, sich in technischen Details zu verlieren: „Es muss über die Emotion gehen.“

    Jack Wolfskin muss sich bewegen, denn das Unternehmen steht in scharfem Wettbewerb. So manches Sportgeschäft führt das Label inzwischen gar nicht mehr. Bei der Fachhandelskette Sport 2000 etwa sind Konkurrenten wie Vaude, Fjällräven, The North Face und Salewa an den Hessen vorbeigezogen. Schon 2018 fiel das Label aus der Rangliste der 20 umsatzstärksten Lieferanten heraus.

    Unter den beliebtesten Marken beim Händlerverbund Intersport ist Jack Wolfskin vergangenes Jahr um einen Rang auf Platz zehn abgerutscht. Zum Vergleich: Die Outdoor-Eigenmarke der Einkaufsgenossenschaft, McKinley, steht an dritter Stelle in der Verkaufsstatistik, gleich nach Adidas und Nike. Anfang des Jahrzehnts war Jack Wolfskin noch direkt hinter Adidas die Nummer zwei, sogar vor Weltmarktführer Nike.

    Allerdings betreibt Jack Wolfskin so viele eigene Geschäfte wie keine andere Outdoor-Marke hierzulande. Daher sind die Fachhändler für den Hersteller lange nicht so wichtig wie für die Mitbewerber.

    Es ist kein Zufall, dass Jack Wolfskin immer weniger Platz in den Regalen der Fachhändler bekommt. Das Unternehmen hat eine bewegte Zeit hinter sich. Harris-Jensbach musste sich lange mehr mit Bankern, Rechtsanwälten und Investoren beschäftigen als mit dem eigentlichen Geschäft.

    In den vergangenen Jahren gaben sich die Besitzer die Klinke in die Hand. Das allerdings ist inzwischen vorbei: Vor gut einem Jahr übernahm der US-Konzern Callaway die Firma für 418 Millionen Euro.

    Jüngere Zielgruppe im Visier

    Die Amerikaner wollen eigenen Angaben zufolge mit Jack Wolfskin den Lifestyle-Bereich außerhalb ihres Kerngeschäfts mit Golfausrüstung stärken. Vergangenes Jahr habe die Tochter 356 Millionen Dollar (326 Millionen Euro) zum Konzernumsatz von 1,7 Milliarden Dollar beigetragen, teilte Callaway Mitte Februar mit.

    Dass es inzwischen auch etwas modischer zugehen darf, zeigt sich in den Neuheiten, die Harris-Jensbach Anfang des Jahres auf der weltgrößten Sportmesse Ispo vorgestellt hat. Das Label nimmt nun zunehmend eine jüngere Zielgruppe ins Visier.

    Mit der „365“-Kollektion bietet Harris-Jensbach künftig in großem Stil modische Parkas, Daunenjacken oder Fleece-Shirts für den Alltag an. Die „Pack and Go“-Linie wiederum soll Reisende ansprechen, die allwettertaugliche Jacken und Hosen mit minimalem Gewicht und Packmaß suchen, Geschäftsleute auf Dienstreise etwa.

    Unter den Outdoor-Marken ist inzwischen ein regelrechtes Rennen um die nachhaltigste Bekleidung ausgebrochen. Adidas hat gerade einen Anorak vorgestellt, der aus einem einzigen Material besteht, aufgearbeitetem Plastikmüll. Die einfarbige Jacke soll sich damit besonders leicht wiederverwerten lassen.

    Das erhöht den Druck auf den Rest der Branche, mit eigenen Lösungen nachzuziehen. Wann das Adidas-Modell in die Läden kommen wird, ließ der Sportkonzern indes offen. Harris-Jensbach bleibt also noch etwas Zeit, sich selbst etwas Innovatives einfallen zu lassen.

    Mehr: Lesen Sie mehr darüber, wie Jack Wolfskin in den USA und Japan expandiert.

    Startseite
    Mehr zu: Outdoorbranche - Jack Wolfskin will als grüne Marke zurück in die Regale
    0 Kommentare zu "Outdoorbranche: Jack Wolfskin will als grüne Marke zurück in die Regale"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%