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Seefahrt Jeder siebte Frachter bleibt wegen Corona leer

Fast 14 Prozent der weltweiten Containerflotte stehen derzeit still. Nach der Kreuzfahrt wird damit auch das Seefrachtgeschäft zum Millionengrab.
19.05.2020 - 15:02 Uhr Kommentieren
Aktuell zählt die Pariser Marktforschungsfirma Alphaliner 500 „Auflieger“, also beschäftigungslose Frachter, mit einer Kapazität von drei Millionen Standardcontainern (TEU). Quelle: dpa
Containerfrachter

Aktuell zählt die Pariser Marktforschungsfirma Alphaliner 500 „Auflieger“, also beschäftigungslose Frachter, mit einer Kapazität von drei Millionen Standardcontainern (TEU).

(Foto: dpa)

Düsseldorf Nach dem Niedergang der maritimen Kreuzfahrt Anfang März trifft die Corona-Pandemie nun auch die weltweite Handelsflotte mit voller Wucht. „Wesentliche Teile der deutschen Handelsflotte sind absehbar in ihrer Existenz gefährdet“, warnt Alfred Hartmann, Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR).

Laut einer Umfrage seines Hamburger Verbands büßten die Seefahrtsunternehmen im März und April im Schnitt 30 bis 40 Prozent ihrer Umsätze ein. 44 Prozent der Reedereien registrierten nach eigener Auskunft eine „erhebliche Beeinträchtigung ihrer Liquidität“.

Auch der Markt für Schiffsvermietungen, der weltweit von deutschen Unternehmen dominiert wird, gerät damit ins Rutschen. Die Charter-Raten für Schiffe in allen Segmenten seien teilweise um bis zu 40 Prozent gesunken, berichtet der VDR. Für die kommenden Monate erwartet der Verband einen weiteren Verfall.

Schuld ist vor allem der weltweite Einbruch im Einzelhandel. So strich der französische Reederei-Gigant CMA CGM im April 13 Abfahrten, weil insbesondere Handelshäuser in Europa und Amerika wegen fehlender Kundennachfrage Belieferungen aus Fernost stoppten.

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    Beim deutschen Konkurrenten Hapag-Lloyd brach der Nettogewinn im ersten Quartal 2020 um rund drei Viertel auf 25 Millionen Euro ein. „Wir erwarten, dass wir die Effekte der Corona-Pandemie im zweiten Quartal klarer sehen werden“, erklärte Vorstandschef Rolf Habben Jansen dazu am Dienstag.

    Seit dem Ende des ersten Quartals hat sich die Lage noch einmal deutlich verschärft. Aktuell zählt die Pariser Marktforschungsfirma Alphaliner 500 „Auflieger“, also beschäftigungslose Frachter, mit einer Kapazität von drei Millionen Standardcontainern (TEU). Bei weltweit 22 Millionen Container-Stellplätzen auf den Frachtern entspricht dies einer Rekordquote von 13,6 Prozent. „Angesichts des prognostizierten eklatanten Einbruchs des Welthandels ist mit einer weiteren Verschärfung der Marktlage für die Handelsschifffahrt zu rechnen“, glaubt VDR-Präsident Hartmann.

    Krise trifft auch die Werften

    Als einen „unhaltbaren Zustand“ kritisiert er das Verhalten der Banken gegenüber den Schifffahrtsgesellschaften. Sie weigerten sich in großer Zahl, Förderanträge der Reedereien an die KfW weiterzuleiten. Nur wenige seien bereit, den üblichen Haftungsanteil von zehn bis 20 Prozent bei diesen Staatskrediten zu übernehmen. „Deutschen Reedereien als zumeist mittelständischen Betrieben droht ohne wirksame Unterstützung aus den KfW-Programmen das Aus“, warnt der Präsident.

    Schon zu Beginn der Coronakrise war es nach zahlreichen Masseninfektionen zu einem Stillstand in der Kreuzfahrt gekommen. Rund 400 Luxusdampfer, darunter auch Schiffe der deutschen Reedereien Hapag-Lloyd Cruises, Tui Cruises und Aida, liegen seither beschäftigungslos auf. Die US-Kreuzfahrtkonzerne Carnival und Royal Caribbean sahen sich gezwungen, neue Kredite aufzunehmen, um ihre Liquidität zu sichern. Der Tui-Konzern aus Hannover kämpft mit einem 1,8 Milliarden Euro schweren Staatskredit ums Überleben.

    Die Krise auf den Weltmeeren trifft in der Folge auch die Werften, denen ein erhebliches Auftragsloch droht. Es sei für längere Zeit mit einer äußerst geringen Nachfrage nach Schiffen aller Art zu rechnen, teilte der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) am Dienstag mit. In Europa sei ein vorübergehender Rückgang von 50 bis 75 Prozent möglich.

    Eines der am stärksten betroffenen Unternehmen dürfte die Papenburger Meyerwerft sein. Dort rechnet man damit, dass Kunden wie Aida oder Costa ihre Optionen auf den Neubau von Kreuzfahrtschiffen zunächst zurückstellen werden. Die Werksleitung wolle versuchen, das Auftragsbuch während der Flaute zu strecken, berichtet das Fachblatt „Hansa“. Die Arbeitsleistung werde dadurch vermutlich um etwa 40 Prozent gekürzt.

    Mehr: Container-Reederei Hapag-Lloyd will mit Sparkurs Gewinnziel schaffen

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