Start-up-Check: Gründerin entwickelt nachhaltige Mini-Proben für Parfümerien
Düsseldorf. Kaum jemand, der in eine Parfümerie geht, kommt ohne Pröbchen wieder heraus. Eine dreistellige Millionenzahl dieser Fläschchen und Tütchen mit Testmengen von Hautcremes oder Düften wird weltweit jedes Jahr verteilt. Doch viele davon landen ungeöffnet im Müll, erreichen nicht die richtigen Kunden – und Hersteller haben keine Ahnung, ob sie wirklich zum Kauf animiert haben.
Genau dieses Problem will Samplistick lösen. Das Start-up hat ein System mit Recyling-Gefäßen für individuelle Kosmetikproben entwickelt – und nun dafür namhafte Partner gefunden. In den Flagshipstores von Nivea wird es schon eingesetzt. Jetzt kommen als neue Kunden Weleda und Deutschlands größte Parfümeriekooperation Beauty Alliance mit rund 900 angeschlossenen Parfümerien dazu.
Doch wie genau sieht das System von Samplistick aus? Und profitieren davon auch die Kunden?
Wer steckt hinter Samplistick?
Mit Mitte 40 hat die dreifache Mutter Daniela Mündler Samplistick gegründet. „Eigentlich war es gar nicht mein Ziel, Unternehmerin zu werden“, sagt sie. Nach ihrem BWL-Studium in Bayreuth hat sie Karriere gemacht bei unterschiedlichen Familienunternehmen, von L’Oreal über LVMH bis Douglas. Zuletzt war sie Vorständin beim Kekshersteller Bahlsen.
Bei Douglas hatte sie erlebt, dass es in den Filialen immer wieder Versuche gab, den Kundinnen individuelle Proben abzufüllen, es aber keine vernünftige Lösung gab, das konzernweit auszurollen. Dieses Problem hat sie nicht mehr losgelassen. „Ich wollte einfach sehen, ob das nicht doch geht“, sagt Mündler.
Die Finanzierung hat sie auf drei Beine gestellt. Etwa ein Drittel kommt von Banken, ein weiteres Drittel von Business Angels, darunter Kienbaum Co-CEO Bibi Hahn. Der Rest sind Gelder aus speziellen Förderprogrammen für Gründer, beispielsweise von der NRW Bank. Im Frühjahr hat sie eine Frühfinanzierung über 700.000 Euro abgeschlossen.
Was macht Samplistick?
Verkäuferinnen können der Kundin genau das Produkt zum Testen abfüllen, für das sie sich interessiert – und nicht nur das, für das der Hersteller zufällig Proben im Angebot hat. „In der Regel haben sich die Kundinnen ja vorher informiert und haben bestimmte Produkte im Blick“, sagt Mündler. Der Probenbehälter besteht zu 100 Prozent aus Altplastik und ist vollständig recyclingfähig.
Über einen QR-Code wird das Pröbchen mit einer App verbunden. Dort werden alle Informationen zum Produkt gespeichert und die Kundin bekommt eine Art Merkliste der getesteten Parfüms und Cremes, die sie mit eigenen Anmerkungen versehen und später wieder für den Einkauf nutzen kann.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Entweder lädt die Kundin Fotos des Produkts und der Liste der Inhaltsstoffe in die App. Oder der Händler verbindet die App mit seinem Warenwirtschaftssystem und spielt so alle Informationen ein. Händler können Samplistick auch mit ihrem Kundenkartensystem verknüpfen und in ihre eigene App integrieren.
Was sagen die Händler?
„Wir haben lange nach Lösungen gesucht, die die Qualität unserer Produkte auf nachhaltige Art und Weise in einen modernen Proben-Service übersetzen und sind nun sehr froh, mit Samplistick eine tolle Lösung gefunden zu haben“, erklärt Weleda-Chefin Tina Müller. Als frühere Chefin von Douglas kennt sie die Pröbchen-Problematik nur zu gut.
Weleda-CEO Tina Müller: „Karrieren sind häufig Zufälle“
Für den Kosmetikhändler Baslerbeauty war wichtig, unabhängig von den Herstellern gezielte Testprodukte einsetzen zu können. „Dank der praktischen Sticks können wir ganz individuell auf die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden eingehen und diese erfüllen“, betont Timo Allert, Geschäftsführer von Baslerbeauty.
Wie stehen die Chancen?
Zumindest zurzeit ist Samplistick mit seinen patentierten Pröbchenbehältern noch konkurrenzlos. Und der Druck in der Branche ist angesichts der Müllflut und der hohen Kosten für das bisherige System hoch. Dazu kommt: Angesichts immer strengerer EU-Regulierungen zu Verpackungen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Proben in ihrer heutigen Form, die ja mehr Verpackung als Inhalt haben, verboten werden.
„Samplistick ist eine clevere Idee, die sicherlich auch bei der Generation Z punkten wird“, urteilt Agnes Bührmann, Handelsexpertin des Beratungsunternehmens Publicis Sapient. Diese Generation sei bei Kosmetika und Parfümerieartikeln bereits erstaunlich kaufkräftig.
Business Angel Bibi Hahn traut Gründerin Mündler einiges zu. „Ich bin überzeugt, dass Samplistick mit seinem modernen und nachhaltigen Ansatz den Markt verändern wird“, betont sie. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie viele Händler bereit sind, aktiv in diesen Systemwechsel zu investieren, statt weiter die von den Herstellern zur Verfügung gestellten Pröbchen zu nutzen. Richtig lohnend wird das wohl erst, wenn sie auch die in der App gesammelten Kundendaten aktiv nutzen.
Wie geht es weiter?
Samplistick will jetzt in die Serienproduktion der Probenbehälter einsteigen. Parallel verhandelt Mündler mit weiteren Parfümerieketten. Aber auch Apotheken und Friseure sollen bereits Interesse signalisiert haben.
Wenn die Zahl der teilnehmenden Geschäfte groß genug ist, wäre es auch möglich, ein Rücknahmesystem für die Samplisticks in den Parfümerien einzurichten und damit einen geschlossenen Kreislauf herzustellen. Doch bis dahin ist es für das junge Start-up noch ein weiter Weg.