Y-Food-Gründer Noel Bollmann und Benjamin Kremer: Die Mahlzeit aus der Flasche
Ein Getränk als Alternative zu Döner und Schokoriegel.
Foto: PRMünchen. Die beiden schlaksigen jungen Männer wissen nur zu gut, wie es ist, am Schreibtisch zu hocken. Eine Woche mit 100 Arbeitsstunden war für Noel Bollmann, 28, und Benjamin Kremer, 25, ganz normal, als sie noch als Investmentbanker arbeiteten. Kremer bei Goldman Sachs in London, Bollmann bei der Deutschen Bank. „Da bleibt einfach keine Zeit, sich gesund zu ernähren“, sagt Kremer.
Aus ihrer Abneigung gegen Junkfood haben die gebürtigen Münchener nun ein Geschäftsmodell gemacht: Mit Y Food bieten sie eine komplette und ihrer Ansicht nach auch gesunde Mahlzeit aus der Flasche an. Das Getränk besteht aus fettarmer Milch, Ölen, Kokosnuss und anderen natürlichen Bestandteilen. „Das nimmt den Hunger für drei, vier Stunden“, versichert Bollmann. 2,69 Euro kostet die Halbliterflasche, vier davon würden genügen, um einen Menschen einen Tag zu ernähren.
Seit dem Spätsommer 2017 vertreiben die beiden Gründer die Flüssignahrung übers Internet, mit einem Geschmack, der an Vanille erinnert. Nun kommen mit Schoko und Kaffee zwei weitere Richtungen hinzu. Der Umsatz verdopple sich alle vier Wochen, zuletzt lagen die Einnahmen bei 10.000 Euro im Monat.
Die Käufer scheinen zufrieden, zumindest legen das die Kommentare in den sozialen Medien nahe. „Wer braucht Champagner, wenn man diese Flaschen haben kann?“, schreibt ein Konsument auf Facebook. „Lecker, preiswert, gute Nährwerte“, kommentiert ein anderer. Und: „Schmeckt gut, macht satt und ist gesund.“ Y Food richtet sich an die Generation „Y“, also Menschen zwischen 18 und 35 Jahren.
Beim Direktvertrieb soll es aber längst nicht bleiben. Kremer und Bollmann versuchen, Firmen auch direkt zu beliefern. Bei Vodafone, Sixt, Würth und der Credit Suisse seien die weißen Flaschen testweise bereits erhältlich, sagen die Gründer.
Ganz neu ist die Idee mit der Mahlzeit aus der Flasche nicht, in den USA sorgt vor allem das Start-up „Soylent“ für Furore. Im vergangenen Jahr haben Investoren 50 Millionen Dollar in die Firma gesteckt. Doch der Drink enthält genmodifizierte Zutaten – und darf daher in Europa nicht angeboten werden.
Zudem basiere „Soylent“ auf Soja und sei nicht für den europäischen Geschmack gemacht, finden Kremer und Bollmann. Sie selbst sehen sich daher als Pioniere in Deutschland. Mehr als 100.000 Euro haben die Familien der Unternehmer in die kleine Firma gesteckt. Im Sommer, so kalkulieren die beiden Wirtschaftswissenschaftler, dürften noch einmal zwischen 200.000 und 400.000 Euro nötig werden. „Wir sind überzeugt, dass wir auf ein Zukunftsthema setzen“, sagt Bollmann.
Ob aus Y Food tatsächlich ein Erfolg wird? „Es entspricht jedenfalls dem Zeitgeist“, sagt Daniel Ohr, Gründer des Gourmetklubs Youdinner und Handelsexperte der Unternehmensberatung Keylens. Für Arbeitnehmer unter starkem Zeit- und Leistungsdruck könne es durchaus eine Alternative zu Döner, Butterbrezeln oder Schokoriegeln sein. Bei allen anderen sei es aber fraglich, ob sie auf die Mittagspause mit Kollegen verzichten wollen.
Die Y-Food-Gründer selbst greifen jeden Tag zu den weißen Plastikflaschen. Allein davon ernähren wollen sie sich trotzdem nicht: „Dafür mögen wir gutes Essen viel zu gerne“, gesteht Kremer.