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  4. Mahlzeit aus der Flasche: YFood will mit Trinknahrung eine Alternative zu Fast Food bieten

NahrungsmittelAppetit auf Flaschenmahlzeit von YFood wächst

YFood will mit vollwertiger Trinknahrung eine Alternative zu Fast Food anbieten. Nun wollen die Münchener auf den umkämpften US-Markt expandieren.Katrin Terpitz 04.02.2022 - 08:32 Uhr Artikel anhören

Noel Bollmann und Ben Kremer (v.l.) machen mit ihren Trinkmahlzeiten schon so viel Umsatz wie mancher Mittelständler.

Foto: YFood

Düsseldorf. Fettiges Fast Food hatten die beiden Münchener Ben Kremer und Noel Bollmann irgendwann satt. Als Jungbanker bei Goldman Sachs und der Deutschen Bank blieb ihnen oft keine Zeit, gesund zu essen. 2017 gründeten sie YFood, um eine „vollwertige Mahlzeit aus der Flasche“ zu entwickeln. „Für alle, die sich im stressigen Alltag ausgewogen ernähren wollen“, erklärt Bollmann.

Was wie ein Joghurtdrink aussieht, enthält YFood zufolge alle essenziellen Mikro- und Makronährstoffe und soll den Hunger für drei bis fünf Stunden stillen. Vier Flaschen können den Tagesbedarf eines Erwachsenen decken. Die Trinknahrung auf Basis von fettarmer Milch, Pflanzenölen und Hafer ist ungekühlt haltbar. Die Geschmacksrichtungen gehen von Kaffee und Salted Caramel bis Fresh Berry. Inzwischen gibt es YFood auch als Riegel, vegan und als Pulver zum Selbstmischen.

Mit der Trinkmahlzeit scheinen die Gründer den Zeitgeist getroffen zu haben. 2021 verdoppelte YFood den Umsatz nach eigenen Angaben bei einem siebenstelligen Jahresgewinn. Heute verkauft YFood im Monat Produkte für mehr als acht Millionen Euro. Das wäre aufs Jahr gerechnet ein Umsatz von etwa 100 Millionen Euro.

„Unsere Kundschaft ist ein Querschnitt der Bevölkerung“, sieht Bollmann als einen Erfolgsgrund. YFood werde von vielbeschäftigten Beratern und Studierenden genauso gekauft wie von Gamern, Schichtarbeitern oder Fernfahrern. „Ohne Corona wären wir vermutlich noch stärker gewachsen. Denn die Leute sind sonst viel mehr unterwegs und haben wenig Zeit für Frühstück oder Mittagessen.“

Konkurrenz zu Döner und Big Mac

Kremer stellt klar: „Wir empfehlen keinem, sich nur von YFood zu ernähren.“ Als seltene Alternative zu Junkfood schadeten manche solcher Produkte sicher nicht, meint Astrid Donalies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die Ökotrophologin warnt davor, solche Drinks zu sich zu nehmen, um das Gewissen zu beruhigen. Es werde mitunter suggeriert, der Mahlzeitersatz könne vermeintliche Ernährungsfehler ausgleichen oder vorbeugen. Der Genussaspekt, wichtig für ausgewogene Ernährung, werde mit einem Drink, Riegel oder Pulver sicher nicht bedient.

„Höhle der Löwen“-Investor Frank Thelen war von der Geschäftsidee jedenfalls überzeugt und sicherte sich 2018 für 200.000 Euro 20 Prozent an YFood. Die Gründer, die weiter die Mehrheit halten, haben bisher 20 Millionen Euro eingesammelt – unter anderem vom Food-Tech-Fonds Five Seasons, Felix Capital und dem Milchkonzern Fonterra aus Neuseeland.

Einen Börsengang sehen die Gründer als „realistische Option irgendwann“. So arbeitet Domenico Cipolla, der bis 2016 den Online-Möbelhändler Home24 als CEO börsenreif machte, nun bei YFood.

Doch zunächst wollen die Münchener in den USA starten. „Wie immer gehen wir erst online in einen Markt. Das finanzielle Risiko ist relativ gering“, erklärt Bollmann. „So sehen wir schnell, welche Produkte und welches Marketing auf Social Media funktionieren. In kurzer Zeit können wir aussagekräftige Daten sammeln und unser Geschäftsmodell flexibel anpassen.“ Mit einem Kundenstamm im Internet sei es dann umso leichter, auch im Einzelhandel gelistet zu werden.

Die Konkurrenz in den USA ist groß: YFood ist nicht der einzige Hersteller von „Smart Food“. Soylent aus den USA verkauft Trinkmahlzeiten auf Basis von Sojaprotein, bisher aber nicht in der EU. Huel aus Großbritannien und Saturo aus Österreich produzieren Ähnliches.

Neben Trinkmahlzeiten bieten die Münchener auch Riegel und herzhafte Hot Bowls an. Die Produkte sollen eine ausgewogene Alternative zu Fast Food wie Döner und Hamburger sein.

Foto: YFood

Wie viele neue Marken verkaufte YFood seine Produkte zunächst nur im Internet. Die Trinkmahlzeiten gibt es heute in 30 Ländern online und in sechs europäischen Ländern im Einzelhandel – an insgesamt 26.000 Verkaufsstellen. „Eine gute Story, zeitgemäße Aufmachung kombiniert mit Marketing- und Vertriebspower – das sollte funktionieren“, urteilt Branchenexpertin Barbara Siegert, Partnerin der Beratung Munich Strategy.

Außer bei dm und Penny ist YFood in Deutschland bei allen großen Händlern erhältlich. „Nur bei Discountern wie Aldi und Lidl verkaufen wir YFood als Premiumprodukt bewusst nicht“, sagt Kremer.

Denn YFood hat seinen Preis. Eine 500-Milliliter-Flasche kostet im Sechserpack online 3,59 Euro, die vegane Variante 3,79 Euro. „Unsere Konkurrenz ist nicht die Cola im Regal nebenan, sondern der Döner oder Big Mac“, stellt Kremer klar. Verglichen damit sei YFood „preislich attraktiv“.

„Meal Replacer in flüssiger oder fester Form sind prinzipiell nichts Neues und auch nicht allzu komplex in der Herstellung. Sie bestehen aus gängigen Zutaten wie Molken- oder Erbsenprotein“, erklärt Siegert. „Solche Produkte zählen zu den hochverarbeiteten Lebensmitteln. Dahinter stehen hochtechnisierte, industrielle Prozesse, um aus den Zutaten lange haltbare Produkte mit einem definierten Nährstoffgehalt herzustellen“, gibt Ernährungsexpertin Donalies zu bedenken.

Personalisierte Mahlzeiten als Ziel

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Bei YFood arbeiten rund 20 der 150 Mitarbeiter in der Produktentwicklung. Auf Wunsch der Kunden kreierten sie nun auch herzhafte Varianten. Mit kochendem Wasser übergossen, haben die Hot Bowls namens Italian Pasta oder Thai Curry eine Konsistenz wie Nudel- oder Reisgerichte. Wie alle YFood-Produkte werden sie von Lohnfertigern hergestellt.

YFood forscht zudem an personalisierten Mahlzeiten. Siegert erwartet, dass die heute schon ernährungsbewussten Selbstoptimierer ihre Ernährung weiter verfeinern. „Der persönliche Fitnesstracker kommuniziert dann mit der Mixstation für den Wellnessdrink.“ Ähnliches haben die Gründer von YFood vor: „In Zukunft ist denkbar, nach DNA- und Blutanalyse eine optimale Ernährung für den aktuellen Bedarf zu Hause herzustellen.“

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