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Adani-Projekt in Australien„Potenzielle Pleite“ – Siemens-Chef Kaeser sorgt mit Aussagen zu Kohleprojekt für Wirbel

Der Technologiekonzern hätte bei einem Rückzug von dem Adani-Auftrag unbegrenzt haften müssen. Doch hätte eine Insolvenz wohl nicht gedroht.Axel Höpner 23.01.2020 - 16:59 Uhr aktualisiert

„Wäre es vielleicht mein Unternehmen gewesen, mein Geld, meine potenzielle Pleite, hätte ich gesagt, fein, lasse ich es darauf ankommen.“

Foto: AFP

München. Die Entscheidung von Siemens-Chef Joe Kaeser, an dem Auftrag für das umstrittene Kohleprojekt in Australien festzuhalten, erhitzt weiter die Gemüter. So wollen ihm Kleinaktionäre bei der Hauptversammlung Anfang Februar die Entlastung verweigern. In Davos verteidigte der Siemens-Chef seine Entscheidung.

Den Münchenern hätten nach seinen Angaben bei einer einseitigen Kündigung „nicht limitierte Schadensersatzpflichten“ gedroht. „Wäre es vielleicht mein Unternehmen gewesen, mein Geld, meine potenzielle Pleite, hätte ich gesagt, fein, lasse ich es darauf ankommen“, sagte Kaeser in Davos der „Welt“.

Laut Industriekreisen wollte Kaeser damit aber wohl nicht eine drohende Pleite von Siemens an die Wand malen. Sein Unternehmen wäre womöglich ja ein anderes, ein kleineres gewesen, hieß es in Industriekreisen. Hier gehe es eher um hypothetische Überlegungen.

Der indische Industriekonzern Adani will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt errichten, das jährlich bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle fördern soll. Siemens soll für 18 Millionen Euro die Signaltechnik für den Zug liefern. Kaeser hatte nach eigenen Angaben erst spät von der indirekten Beteiligung von Siemens an dem Projekt erfahren.

Acht Siemens-Aktionäre und Aktionärsvereine wollen Kaeser auf der Hauptversammlung das Misstrauen aussprechen. Bis zum Ablauf der Frist sind acht Gegenanträge eingegangen, die sich gegen die Entlastung Kaesers oder des ganzen Vorstands aussprechen.

Bei der Lösungssuche für Klimaprobleme warf Kaeser Klimaaktivisten am Donnerstagnachmittag eine Verweigerungshaltung vor. „Kommt an den Tisch, wir lösen das gemeinsam“, sagte er der Redaktion der Fernsehsendergruppe RTL/ntv während des Weltwirtschaftsforums. „Je länger ihr wegbleibt und euch der Lösung verweigert, desto stärker verwirkt ihr euren moralischen Anspruch, uns zu kritisieren“, sagte Kaeser.

Er lobte zwar das Ansinnen von Fridays For Future. „Ich finde das gut, was sie machen. Ich finde das echt stark“, sagte der Manager. Er wünsche sich allerdings, dass sich die Aktivisten an der Lösungssuche beteiligten, um die „Komplexität der Zusammenhänge“ zu verstehen – beispielsweise zwischen Arbeitsplätzen und Klimaschutz.

Kaeser hatte der Klimaaktivisten Luisa Neubauer bei einem Gespräch über das umstrittene Kohleprojekt einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten. Neubauer hatte das Angebot abgelehnt und erklärt: „Ich möchte Herrn Kaeser überhaupt nicht unterstellen, dass er mich kaufen wollte, aber es war strategisch schon gut geplant, in die große Debatte um die Kohlemine überraschend eine Postenfrage einzuwerfen. Und obwohl ich diese Herangehensweise etwas unprofessionell finde, habe ich trotzdem so respektvoll wie möglich reagiert.

„Das können wir besser“

„Der Fall Adani in Australien hat mich gelehrt, dass wir künftig Entscheidungen mit direkt klimarelevantem Bezug im Vorfeld besser evaluieren, dann gegebenenfalls proaktiv erklären müssen, statt dann hinterher auf Kritik defensiv zu reagieren“, sagte Kaeser dem Handelsblatt. „Das können wir besser.“

Der Siemens-Vorstand hatte sich einstimmig entschieden, trotz der massiven Proteste an dem Auftrag festzuhalten. Eine juristische Prüfung hatte ergeben, dass es rechtlich unbegrenzte Haftungsrisiken gab. Adani hätte Siemens dafür verantwortlich machen können, wenn sich das Projekt wegen des Rückzugs verzögert hätte oder gar geplatzt wäre. Bei einer Kündigung ohne triftigen Grund hätten dem Vorstand in der Folge auch Untreuevorwürfe gedroht.

In Industriekreisen geht man davon aus, dass bei einem Siemens-Rückzug andere Anbieter hätten einspringen können. Die Signaltechnik, die bestellt wurde, sei eher eine einfache Technologie, für die es auf dem Weltmarkt eine ganze Reihe von Anbietern gebe. Doch schon bei einer Verzögerung wegen einer Neuausschreibung hätten Siemens hohe Schadensersatzforderungen gedroht.

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Er persönlich hätte das Projekt „wahrscheinlich sogar bei 180 Millionen Euro zurückgegeben“, sagte Kaeser. Doch Siemens müsse Kunden gegenüber vertragstreu sein, hatte er bei Verkündung seiner Entscheidung betont.

Mehr: Die deutsche Frontfrau von „Fridays for Future“, Luisa Neubauer, erklärt, warum sie nicht Aufsichtsrätin bei Siemens werden will.

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