Auf Druck von Trump: BMW plant zweite US-Fabrik
Der Dax-Konzern will Antriebe in den USA bauen.
Foto: MauritiusMünchen. Erfahrungen mit Donald Trump hat man bei BMW reichlich: Kurz nach dem Amtsantritt 2017 polterte der US-Präsident gegen den Plan der Münchener, eine Autofabrik in Mexiko bauen zu wollen. Erst der Besuch von Konzernchef Harald Krüger im Weißen Haus rückte einige Dinge zurecht.
Die größte BMW-Fabrik der Welt stehe nicht in München oder Mexiko, sondern in Spartanburg in South Carolina, erklärte Krüger dem US-Präsidenten. Vom Süden der USA exportiere BMW mehr Autos nach China oder Europa als die heimischen Branchengrößen Ford oder General Motors.
Viel genützt hat das nicht. Erneut ist die Handelspolitik der USA der größte Risikofaktor in Krügers Kalkulationen. Als Vergeltung für US-Strafzölle belegt China nun Autoimporte aus den USA mit einer Abgabe von 25 Prozent. Allein diese Maßnahme kostet BMW in diesem Jahr fast 300 Millionen Euro.
Zudem drohen BMW, Daimler und Volkswagen Strafen, wenn sie die Anforderungen des neuen Freihandelsabkommens mit Mexiko und Kanada (Nafta) nicht erfüllen. Trump hat die Anforderungen an die lokale Wertschöpfung für Autoproduzenten in der Nafta-Region deutlich erhöht.
Es könnte noch schlimmer kommen. Seit Tagen droht die US-Regierung, den Einfuhrzoll von Autolieferungen aus Europa in die USA von aktuell 2,5 auf 25 Prozent zu erhöhen. Trump, so hieß es aus politischen Kreisen, wolle „ein Signal des guten Willens“ von den deutschen Autobauern. Als Belohnung winkt ein neuerliches Treffen im Weißen Haus.
Die Botschaft ist angekommen: Krüger erwägt den Bau einer zweiten Fabrik in den USA, erklärte der BMW-Chef nun auf der Motorshow in Los Angeles. Dort könne der Konzern Motoren und Getriebe für die Nafta-Region bauen.
„Mit unserer Fabrik in Spartanburg und der neuen Fabrik in Mexiko werden wir unser Produktionsvolumen in Nordamerika ausweiten. Damit erreichen wir Stückzahlen, die einen solchen Schritt sinnvoll machen“, präzisiert BMW.
Trump fordert 75 Prozent Wertschöpfung
Nach dem neuen Freihandelsabkommen müssen Autohersteller in den USA auf 75 Prozent heimischer Wertschöpfung kommen, um nicht mit Strafzahlungen belegt zu werden. Daimler und BMW, die größten Autoproduzenten im Süden der USA, kommen je nach Modell auf Werte zwischen 65 und 70 Prozent. Da „reicht es nicht, ein bisschen mehr Stahl bei einem US-Anbieter einzukaufen“, erklärt ein Branchenvertreter. Trumps Berater wüssten genau, wo die Deutschen zu packen sind.
Denn während BMW in China beispielsweise seine Motoren längst vor Ort baut, werden sowohl Motoren als auch Getriebe für die US-Produktion aus Europa angeliefert. BMW begründet diese Praxis mit den fehlenden Stückzahlen in den USA, die den Bau einer Motorenfabrik bislang nicht gerechtfertigt hätten.
Mindestens so gewichtig war aber der Druck der Betriebsräte, die mit den Motorenfertigungen aus Deutschland ihre Standorte sichern konnten. Das hat bisweilen absurde Folgen: Jeder in Deutschland verkaufte X5-Geländewagen aus amerikanischer Produktion hat einen Antriebsblock, der gleich zweimal über den Atlantik transportiert wurde.
Doch mit dem neuen Werk in Mexiko, das Mitte 2019 3er-Limousinen baut, steigen die Stückzahlen in Nordamerika. 150.000 Autos will BMW Anfang des kommenden Jahrzehnts in Mexiko produzieren. In South Carolina laufen bereits die Vorbereitungen für die Erweiterungen. Mit dem neuen X7 kommt BMW dann auf 450.000 Einheiten in seinem US-Werk.
BMW erreicht also Anfang des kommenden Jahrzehnts mit 600.000 Autos ein Produktionsvolumen, das den Import von Getrieben und Motoren aus Europa nicht mehr rechtfertigt. Die Investitionen von mehreren Hundert Millionen Euro für ein Motorenwerk dürften sich bei den deutlich geringeren Lohnkosten im Süden der USA schnell rentieren, kalkuliert man in München – unabhängig von Drohungen Trumps.
Dennoch sucht BMW Partner. Eine Möglichkeit wäre Daimler. Seit Jahren betreibt BMW mit dem Erzrivalen eine Einkaufskooperation bei „nicht markenprägenden Komponenten“ wie Fensterheber und Gurtstraffer. Das jährliche Einkaufsvolumen soll mittlerweile fünf Milliarden Euro umfassen.
Eine Ausweitung gilt nach den aktuell laufenden Kartelluntersuchungen der EU allerdings als heikel, insbesondere wenn es um Motoren geht. Wahrscheinlicher ist die Zusammenarbeit bei Getrieben mit einem Zulieferer. ZF Friedrichshafen etwa, größter BMW-Getriebelieferant, hat einen Standort in South Carolina.
Ein Teil der US-Produktion geht nach China
Weniger gefallen dürfte Trump, wie BMW die chinesischen Strafzölle umgehen will. Bereits seit einigen Monaten spielen die Münchener Pläne durch, einen Teil der US-Produktion nach China zu verlagern. Nach dem X3 steht nun offenbar die Entscheidung für den Bau des X5 in China bevor. Bisher wird der gut verkaufte Geländewagen komplett aus South Carolina nach China exportiert.
Die Regierung in Peking jedenfalls hat Krüger die Entscheidung schon schmackhaft gemacht: Als erster ausländischer Hersteller darf BMW die Mehrheit an dem Produktions-Joint-Venture in China übernehmen.