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Auto-GipfelZF-Chef Holger Klein sieht Renaissance des Plug-in-Hybrid

Der Autozulieferer will die Antriebsform als Brückentechnologie noch nicht abschreiben. ZF-Chef Holger Klein verweist auf dem Auto-Gipfel auf die hohe Nachfrage.Martin-W. Buchenau 26.10.2023 - 10:53 Uhr Artikel anhören

Holger Klein beim Handelsblatt Auto-Gipfel: Der Zulieferer verzeichnet steigende Nachfrage nach Plug-in-Hybriden.

Foto: Handelsblatt Media Group / Foto Vogt GmbH

Essen. Der zweitgrößte deutsche Autozulieferer erlebt gerade die Renaissance der Plug-in-Hybride „Totgesagte leben länger. Wir haben eine Sonderkonjunktur im Hybrid-Geschäft“, sagte ZF-Chef Holger Klein am Mittwoch auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel in Essen. „Allein in China ist die Zulassung von Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 80 Prozent auf 1,5 Millionen Fahrzeuge gestiegen.“

Zwar habe es in Deutschland nach Auslaufen der Förderung einen Knick gegeben, aber im Nachbarland Niederlande sei der Absatz um 50 Prozent gestiegen. „Besonders Kunden mit Reichweitenangst wählen den Hybrid“, betonte Klein. Mit inzwischen 100 Kilometer elektrischer Reichweite hätten die Plug-in-Hybride in der Transformation eine wichtige Bedeutung als Brückentechnologie.

ZF liefert Komponenten für den gesamten Antriebsstrang, vom Elektromotor über das Getriebe bis zu den Achsen. Plug-in-Hybride sind technologisch aufwendig, weil sie mit zusätzlichem Elektromotor und Batterie teurer und schwerer sind als reine Verbrenner oder reine E-Autos.

Ex-ZF-Chef Wolf-Henning Scheider hatte vor fünf Jahren noch vom „Volks-Hybrid“ geschwärmt – als Ideallösung nachhaltiger Mobilität für Ein-Auto-Haushalte. Doch dann kam zwischenzeitlich die große Welle zur energieeffizienteren reinen Elektromobilität, und es wurde still um die Milliardenaufträge für Plug-in-Hybride unter anderem von BMW.

Getriebe brauchen doppelt so viele Arbeitsstunden wie E-Antriebe

ZF kommt der unverhoffte Aufschwung ganz recht. Denn er verschafft etwas Luft beim Thema Beschäftigung. „Getriebe brauchen doppelt so viele Arbeitsstunden wie ein elektrischer Antriebsstrang“, sagte Klein.

Zuletzt gab es heftige Befürchtungen der Arbeitnehmervertreter, dass im größten ZF-Werk in Saarbrücken von gut 9000 Jobs relativ schnell keine 3000 mehr übrig bleiben würden. Werden jetzt doch noch mehr Hybrid-Komponenten produziert, verringert sich der Anpassungsdruck etwas.

>> Mehr vom Handelsblatt Auto-Gipfel 2023: Nio-Europachef teilt gegen EU-Untersuchung aus

Der ist immer noch gewaltig. Der Stiftungskonzern hat zwar Elektro-Aufträge über 30 Milliarden Euro in den Büchern, wie Klein bestätigte: „Es wird aber nicht reichen, um das Beschäftigungsniveau zu halten.“ Das liege auch daran, dass die Märkte in Amerika und Asien schneller wachsen und Europa eher stagniert. Da Zulieferer immer in der Nähe ihrer Kunden produzieren, stehen die heimischen Arbeitsplätze zusätzlich unter Druck.

Ex-ZF-Chef Scheider: „Transformation ist kein Sprint, sondern ein Marathon“

„Es gibt bei der Beschäftigung nicht eine große Lösung. Wir müssen viele Puzzle-Teile zusammenfügen“, sagte Klein und verwies auf den geplanten Bau einer Chipfabrik im Saarland, die 600 Arbeitsplätze schaffe: „Die Transformation ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“

Der zweitgrößte deutsche Autozulieferer hat nach eigenen Angaben innerhalb von acht Jahren die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor von 60 auf 30 Prozent reduziert. Bis 2030 will ZF den sogenannten CO2-Fußabdruck direkt in der Produktion und beim Energieeinkauf (Scope 1 und Scope 2) um 80 Prozent gegenüber 2019 verringern. 2040 soll die Gruppe dann komplett klimaneutral sein.

Der Autozulieferer ZF hängt noch stark an Verbrenner-Autos, Elektrofahrzeuge brauchen zum Beispiel keine Getriebe.

Foto: dpa

Als Einzelmaßnahme hatte ZF vor wenigen Wochen seinen neuen Elektromotor ohne Magnete und Seltene Erden vorgestellt. „Mit der neuen Technologie sparen wir 50 Prozent des CO2 in der Produktion ein.“ Wichtiges Thema für das Erreichen von Klimaneutralität in der gesamten Lieferkette sei der Bezug von grünem Stahl. Recycling und Überarbeitung von Gebrauchtkomponenten seien weitere Bausteine.

Gleichzeitig ist das laut Klein aber nur ein Teil der Transformation. Die Märkte würden sich zudem in Richtung USA und Asien verlagern. Es gehe darum, wettbewerbsfähig zu bleiben - bei einem Weltmarktniveau, das dauerhaft deutlich unter dem Höchststand von 2017 liege.

Elektromobilität: Puls schlägt in China

In der Elektromobilität schlägt der Puls längst in China. „Der Innovationsspeed ist sehr hoch. China ist wie ein Fitness-Gym. Wenn wir in China mitgehen können, dann schaffen wir es überall“, sagte Klein. Die Hälfte des Umsatzes in China macht ZF bereits mit chinesischen Kunden. Erstkunde für die elektronische Lenkung („Steer-by-Wire“) war der chinesische Autobauer Nio. Seine 800-Volt-Leistungselektronik für schnelles Laden baut ZF in Topmodelle der chinesischen Autobauer ein.

Im ersten Halbjahr hatte ZF beim Umsatz um rund zehn Prozent zugelegt und den Gewinn vor Zinsen und Steuern auf 941 Millionen gesteigert. ZF-Chef Klein sprach bei der Vorlage der Zahlen dennoch von einer „besonders herausfordernden zweiten Jahreshälfte“. Mittlerweile klingt das etwas moderater: „Die Situation ist nicht einfach, aber ich bin ganz zuversichtlich“, sagte Klein auf dem Auto-Gipfel.

ZF sorgte in diesem Jahr mit einigen spektakulären Kooperationen für Aufsehen. Nach dem Werk für Siliziumkarbid-Chips im Saarland mit Partner Wolfspeed hatte ZF im Juni ein Joint Venture mit Apple-Auftragsfertiger Foxconn zur Achsfertigung geschlossen. ZF will beim Vorstoß von Foxconn in die Autoproduktion lieber Partner als Opfer sein. Sonst hätten die Taiwanesen sich einen Konkurrenten von ZF als Partner geholt.

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Erstpublikation: 25.10.2023, 17:07 Uhr.

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