Autobauer: Machtkampf bei Porsche – Zwei Vorstände sollen gehen
Düsseldorf, München. Der Autobauer Porsche plant Entlassungen in der Führungsspitze. Am Samstagabend versendete das Unternehmen dazu eine Pflichtmitteilung. Demnach sei Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche beauftragt worden, Gespräche mit zwei Vorständen über ein einvernehmliches Ausscheiden aus dem Gremium zu führen.
Laut Mitteilung handelt es sich um den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Lutz Meschke, der die Bereiche Finanzen und IT verantwortet, sowie den Vertriebs- und Marketingvorstand Detlev von Platen. Gründe für die geplanten Entlassungen nannte Porsche nicht.
Die geplanten Entlassungen werfen ein Schlaglicht auf die Probleme der bislang hochprofitablen VW-Tochter. Denn der von VW-Konzernchef Oliver Blume in Personalunion geführte Sportwagenbauer gerät aufgrund der Absatzkrise und eigener Fehleinschätzungen immer stärker unter Druck und muss kräftig sparen.
Der 58-jährige Meschke ist seit 2009 im Porsche-Vorstand und kennt das Unternehmen wie kaum ein anderer. Meschke ist zudem Vorstand in der Porsche SE, der börsennotierten Holdinggesellschaft der Familien Porsche und Piëch, die Volkswagen und Porsche kontrolliert. Der gebürtige Rheinländer arbeitete eng mit Oliver Blume zusammen, als dieser 2015 Produktionsvorstand und später Vorstandschef der Porsche AG wurde.
Blume überließ Meschke oft die Bühne und machte ihn auch zu seinem Statthalter, als er 2022 Herbert Diess als VW-Chef ablöste. Gemeinsam gelang es beiden, die Porsche AG 2022 erfolgreich an die Börse zu bringen. Den Vorstandsvorsitz bekam Meschke aber nicht – Blume führte den VW-Konzern und die Sportwagentochter in einer Doppelrolle. Ein Umstand, den nicht nur Investoren immer wieder bemängelten. Auch Meschke gab sich mit der Rolle als Statthalter immer weniger zufrieden, wie es in Unternehmenskreisen hieß.
Als Finanzvorstand sah er, wie sich Kennzahlen und Aussichten der mit Abstand profitabelsten VW-Tochter ab 2022 spürbar eintrübten. Verdiente Porsche im Nach-Corona-Boom aufgrund des knappen Angebots und der hohen Nachfrage noch prächtig, so geht es seitdem bergab.
Milliardeneinsparungen notwendig
Porsche hat aktuell mit steigenden Kosten zu kämpfen, wie das Handelsblatt vor zwei Wochen berichtete. Nach Informationen aus Kreisen des Konzerns musste die VW-Tochter allein 2024 rund 1,5 Milliarden Euro einsparen – fast eine Milliarde mehr als ursprünglich intern veranschlagt. Erst im Sommer musste Porsche die Prognose für das Jahr 2024 kappen und erwartet seither 14 bis 15 Prozent Marge. Zuvor lag der Zielkorridor bei 15 bis 17 Prozent. Die Aktien verloren seit dem vergangenen März rund ein Drittel ihres Wertes.
Das sind noch nicht die Zahlen einer handfesten Krise, aber die Tendenz ist für Porsche bedrohlich. Der Sportwagenkonzern hat sich – wie der Mutterkonzern Volkswagen – einem radikalen Elektrokurs verschrieben. Doch die Verkäufe der Elektromodelle laufen schleppend, insbesondere die des 2019 eingeführten Taycan.
Porsche reagiert mit einer sehr teuren Überarbeitung der Modellpalette. Fünf der insgesamt sechs Porsche-Baureihen bekamen in den vergangenen Monaten eine Rundumerneuerung, darunter die Elektrovariante des einstigen Verbrennerbestsellers Macan. Wegen Softwareproblemen kam das elektrische SUV knapp drei Jahre später auf den Markt als ursprünglich geplant. Meschke übte immer offener Kritik an den ambitionierten Elektroplänen Blumes, heißt es im Konzern. Der Konflikt zwischen den beiden langjährigen Weggefährten drohte das Unternehmen zunehmend zu lähmen.
Hinzu kamen Probleme mit den Zulieferern. Ein Werk für Aluminiumlegierungen des US-Herstellers Novelis in der Schweiz war Ende Juni von einem Hochwasser getroffen worden. Laut den Analysten von Bernstein konnten deshalb 10.000 E-Macans nicht gebaut werden. Allein das entspräche Umsatzeinbußen von etwa einer Milliarde Euro.
China wird zum großen Krisenherd
Auf der anderen Seite bricht der Absatz in einstigen Boomregionen ein. Besonders in China, dem drittgrößten Absatzmarkt, wo Porsche im vergangenen Jahr mehr als ein Viertel weniger Autos verkaufte als noch 2023. Noch sei Porsche in China profitabel, versichern Insider. Aber die große Marge bringe der Markt nicht mehr. Die Versäumnisse in China werden intern Vertriebsvorstand Detlev von Platen angelastet, der nun auch gehen soll.
Eine schnelle Wende ist bei Porsche jedoch nicht in Sicht. Denn in China sind die von Porsche angebotenen Elektroautos wie der Taycan nach Einschätzung von Experten viel zu teuer.
Und auch in den USA, dem größten Porsche-Markt, droht Ungemach. Anders als Konkurrenten wie Mercedes oder BMW haben die Zuffenhausener keine US-Produktion. Sollte die US-Regierung unter Donald Trump tatsächlich Zölle auf Importe aus Europa einführen, wäre das für Porsche ein weiterer Schlag. Eine gemeinsame Produktion mit der Konzernschwester Audi ist zwar angedacht, dürfte aber eher Ende des Jahrzehnts umgesetzt werden.
Für VW-Chef Blume ist die geplante Ablösung Meschkes ein Befreiungsschlag – in einer schwierigen Gesamtsituation. Nun geht es darum, schnell überzeugende Nachfolger zu finden und den Vorstand zu verjüngen. Ob er selbst den Vorstandsvorsitz in nächster Zeit abgibt, ist offen. Sicher ist: Für Blume stehen einmal mehr entscheidende Monate bevor.
Denn mit Porsche droht ein weiterer Pfeiler des VW-Konzerns ins Wanken zu geraten. Erst in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Audi aufgrund sinkender Absätze und siechender Rendite ein neues Sparprogramm auflegen muss. Und kurz vor Weihnachten trotzte Blume den Arbeitnehmern der Muttermarke Volkswagen den Abbau von 30.000 Stellen in Deutschland ab.
Doch viele Details sind immer noch offen. Das für 2026 geplante Renditeziel von 6,5 Prozent rutscht nach Informationen des Handelsblatts nun um drei bis vier Jahre nach hinten.
Erstpublikation: 02.02.2025; 08:20 Uhr.