Autoindustrie: Audi kämpft mit schwacher Rendite bei 1,5 Prozent Marge
Düsseldorf. Eigentlich sollte für Audi in diesem Jahr eine neue Ära beginnen. Mit einer groß angelegten Modelloffensive, wachsendem Elektroanteil und einem grundlegenden Konzernumbau wollte die VW-Tochter Kurs auf die Zukunft nehmen. Doch Anfang 2025 ist davon wenig zu spüren. Der Ingolstädter Premiumhersteller leidet weiter unter der Ertragsschwäche – und verliert in entscheidenden Märkten an Boden.
Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, erzielte Audi im ersten Quartal dieses Jahres eine operative Umsatzrendite von nur 1,5 Prozent – ein minimaler Anstieg gegenüber 2024, eigentlich zielt man in Ingolstadt in diesem Jahr aber auf sieben bis neun Prozent Marge.
Lichtblick sind Audis E-Auslieferungen mit einem Plus von 30 Prozent. Allerdings sind Elektromodelle bislang margenschwächer als Verbrennerfahrzeuge.
Volkswagens Premiumtochter steht auf ihrem wichtigsten Einzelmarkt China enorm unter Druck. Innerhalb des VW-Konzerns zählt Audi außerdem zu den größten Verlierern der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Genau wie Porsche hat Audi kein eigenes Werk in den USA. Allerdings sind Autos der Marke weniger preiselastisch als jene von Porsche. Und das Klumpenrisiko ist groß: Sein meistverkauftes Modell, das SUV Q5, importiert Audi aus Mexiko.
Kosten für CO2-Rückstellungen
„Das Jahr wird aufgrund der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr anspruchsvoll bleiben“, räumte Audi-Chef Gernot Döllner am Montag ein. Die Zahlen belegen, wie stark Audi in der Krise steckt – auch wenn einzelne Unternehmenstöchter noch stützen.
Unter dem Strich blieb dem Audi-Konzern, zu dem neben der Hauptmarke auch Bentley, Lamborghini und Ducati gehören, ein Quartalsgewinn von 630 Millionen Euro – rund 14 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Der Umsatz konnte zwar von 13,7 auf 15,4 Milliarden Euro zulegen, was vor allem auf Modellwechsel und höhere Preise zurückzuführen ist – doch die Ertragskraft bleibt schwach. Unter anderem musste der Konzern Rückstellungen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich für strengere CO2-Regeln bilden.
Dass der Einbruch nicht noch deutlicher ausfiel, liegt zum Teil an der Schwäche der Vergleichswerte. Schon im ersten Quartal 2024 hatte Audi infolge fehlender Teile für margenstarke Modelle einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Und auch für das Gesamtjahr hatte Audi einen Gewinnrückgang vermeldet.
China bringt nicht mehr so viel Geld wie früher
Auf Audis Bilanz liegt ein Mix von Belastungsfaktoren: Die Kosten der Transformation lasten schwer auf dem Ergebnis. Neue Modelle wie der Q6 e-tron sind noch nicht in der Breite am Markt angekommen, verursachen aber bereits hohe Anlaufkosten. Und in China bekommt Audi – genau wie seine deutschen Mitstreiter BMW und Mercedes-Benz – die neue Dominanz heimischer Marken zu spüren.
Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger sprach von einem „sehr intensiven Preiswettbewerb“. Entsprechend sank der operative Gewinn aus dem Chinageschäft auf 170 Millionen Euro – ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.
Auch in Nordamerika brach der Absatz ein. Vor dem Hintergrund der Zollpolitik von US-Präsident Trump denkt Audi nun über eine Produktionsverlagerung nach, wie das Handelsblatt bereits im Januar berichtet hat. Ob es auch zu einer lokalen Fertigung kommt, will Audi noch im laufenden Jahr entscheiden, heißt es aus dem Konzern.
„Neuaufstellung“ mit weniger Kosten
Während die Absatzmärkte leiden, gerät Audi unter Sparzwang. Im März kündigte das Unternehmen an, in Deutschland maximal 7500 Stellen bis 2029 abzubauen. Zugleich wurde die Ergebnisbeteiligung der Mitarbeiter für mehrere Jahre reduziert. Schon im laufenden Quartal könnte mit dem Abbau begonnen werden. Ziel ist es, die Fixkosten deutlich zu senken und die Profitabilität nachhaltig zu steigern.
Die Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Konzernumbaus, den CEO Döllner unter dem Schlagwort „Neuaufstellung“ vorantreibt. Dazu zählen auch neue Modelle, die Audi zuletzt in Shanghai auf der weltgrößten Automesse präsentierte. Analysten sind jedoch skeptisch, ob die Maßnahmen ausreichen, um das Vertrauen in die Marke zurückzugewinnen.
Die Probleme bei Audi sind symptomatisch für das große Bild im Volkswagen-Konzern und der Branche. Die Muttergesellschaft hatte in der vergangenen Woche schwache Zahlen vorgelegt: Der Konzerngewinn sank im ersten Quartal um rund 41 Prozent auf nur noch 2,2 Milliarden Euro.
Auch andere Premiumanbieter tun sich schwer. Mercedes-Benz musste ebenfalls einen schwachen Jahresauftakt hinnehmen. BMW veröffentlicht seine Zahlen am Mittwoch.
Audi hält offiziell an seinen Jahreszielen fest – ein Umsatz zwischen 67,5 und 72,5 Milliarden Euro sowie eine operative Rendite zwischen sieben und neun Prozent. Allerdings sind darin weder die Auswirkungen der US-Zölle noch die Effekte des Stellenabbaus enthalten.
Mit Agenturmaterial.
Erstpublikation: 05.05.2025, 09:10 Uhr.
