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Autoindustrie VW mit Milliardenverlust: Aktionäre bekommen eine Milliarde Euro weniger

Gute drei Milliarden Euro wollte Volkswagen eigentlich an seine Aktionäre ausschütten. Doch die Coronakrise zwingt den Konzern zu mehr Sparsamkeit.
30.07.2020 Update: 30.07.2020 - 17:51 Uhr Kommentieren
Mit neuen SUVs konnte der VW-Konzern die Krise zumindest etwas abfedern. Quelle: imago images/ZUMA Wire
T-Roc-Fertigung im portugiesischen Setúbal

Mit neuen SUVs konnte der VW-Konzern die Krise zumindest etwas abfedern.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Düsseldorf Der Volkswagen-Konzern wird wegen der Coronakrise für das Jahr 2019 weniger Dividende als ursprünglich geplant zahlen. Um die eigene Kasse zu schonen, sollen jetzt nur noch gut zwei, statt der im Februar angekündigten rund drei Milliarden Euro, an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Das kündigte der Wolfsburger Autohersteller am Donnerstag an.

Die Coronakrise mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr hat den VW-Konzern schwer getroffen. Im ersten Halbjahr ist Volkswagen deshalb beim operativen Ergebnis in die Verlustzone gerutscht. Minus 800 Millionen Euro stehen jetzt in den Büchern. Vor einem Jahr betrug das operative Plus noch zehn Milliarden Euro (vor Sondereinflüssen wie etwa aus der Dieselaffäre). Das Vorsteuerergebnis ist im Jahresvergleich von plus 9,6 auf minus 1,4 Milliarden Euro gefallen.

„Das erste Halbjahr war eines der herausforderndsten in unserer Unternehmensgeschichte“, kommentierte VW-Finanzvorstand Frank Witter das Ergebnis. Der Konzern habe frühzeitig Schritte zu zusätzlichen Kostensenkungen und zur Sicherung der Liquidität eingeleitet. „Damit ist es uns gelungen, die Auswirkungen der Pandemie einigermaßen in Grenzen zu halten“, ergänzte er. „Niemand kann eine zweite Covid-19-Welle ausschließen“, warnte Witter zugleich.

Trotzdem sieht Volkswagen Anzeichen für eine Erholung. Nach dem absoluten Tiefpunkt im April zeichne sich jetzt von Monat zu Monat eine Besserung ab. Im Mai habe die Zahl der Fahrzeugauslieferungen in Westeuropa noch 57 Prozent unter dem Vorjahresresultat gelegen, im Juni seien es noch 30 Prozent gewesen. Im Juli habe sich die Erholung der Märkte weiter fortgesetzt, so der Konzern. Der Abstand bei den Auslieferungen dürfte im Vergleich zum Juli 2019 nur noch im einstelligen Prozentbereich liegen.

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    Für das zweite Halbjahr kalkuliert Volkswagen mit einer anhaltenden Besserung. „Aufgrund des positiven Trends unseres Geschäfts in den letzten Wochen und der Einführung zahlreicher attraktiver Modelle blicken wir vorsichtig optimistisch auf das zweite Halbjahr“, betonte Finanzvorstand Witter. Neue Sparprogramme seien bei VW voraussichtlich nicht notwendig.

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    Witter verteidigte zugleich die vielen Personalwechsel im Topmanagement während der vergangenen Wochen. „Mit dem neuen Führungsteam sind wir bestens gerüstet“, sagte der Finanzvorstand dazu. „Rauch aus Wolfsburg“ sei auch ein Zeichen für das intensive Ringen um positive Veränderungen im Konzern.

    Rückendeckung für Diess

    Der VW-Finanzchef bekannte sich zudem ausdrücklich zum Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess, der seinen Posten Anfang Juni nach internen Querelen fast verloren hätte. „Die wichtigste Botschaft ist aber, dass sich Aufsichtsrat und Vorstand ... völlig einig sind, dass unser Vorstandschef Herbert Diess die Führung bei der Umsetzung unserer Strategie innehat“, betonte Witter in einer Telefonkonferenz. „Glauben Sie mir, an seinem Ehrgeiz und seinem Drang nach schnellen und nachhaltigen Veränderungen hat sich nichts geändert“, ergänzte er.

    In den zurückliegenden Krisenmonaten ist Volkswagen sehr zurückhaltend mit seinen Kassenbeständen umgegangen. Im ersten Quartal dieses Jahres hatte Volkswagen bei seiner Netto-Liquidität noch 3,5 Milliarden Euro verloren. Diesen Abwärtstrend konnte der Wolfsburger Konzern im zweiten Quartal stoppen und die Netto-Liquidität sogar um 900 Millionen Euro auf 18,7 Milliarden Euro steigern. Dabei half maßgeblich die Ausgabe einer Anleihe mit einem Volumen von drei Milliarden Euro.

    Ein harter Sparkurs hat dazu beigetragen, dass nicht noch weitere Milliarden aus dem Konzern abgeflossen sind. Am deutlichsten zeigte sich die neue Sparsamkeit an den Sachkosten. Sie sind im ersten Halbjahr um 20 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gekappt worden. Entwicklungsausgaben hat Volkswagen leicht um 300 Millionen auf 6,7 Milliarden Euro zurückgenommen. Lagerbestände sind ebenfalls zurückgefahren worden.

    Weil die Produktion ruhte und die Autohändler in vielen Ländern geschlossen hatten, konnte Volkswagen im Frühjahr nur in extrem eingeschränktem Umfang Fahrzeuge verkaufen. Die Auslieferung neuer Autos im ersten Halbjahr ist dadurch um mehr als 27 Prozent auf 3,9 Millionen eingebrochen. Entsprechend ging auch der Umsatz um 23 Prozent auf 96 Milliarden Euro zurück.

    Trotz der weiter zunehmenden positiven Signale hält Volkswagen an seinem Jahresausblick vom April fest und vermeidet eine weitere Konkretisierung. Der VW-Konzern sprach erneut davon, dass in Wolfsburg für das gesamte Jahr mit einem positiven operativen Ergebnis gerechnet werde (vor und nach Sondereinflüssen). Die Vorjahreszahl werde Volkswagen dabei „gravierend“ unterschreiten. Wenig konkret sind die Aussagen zu Absatz und Umsatz. Wegen der Corona-Pandemie würden beide Werte „deutlich“ unter dem Niveau des Vorjahres liegen.

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    In Finanzkreisen wird der vorsichtige Wolfsburger Optimismus für das zweite Halbjahr geteilt. „Im Gesamtjahr 2020 sollte der Konzern noch deutlich schwarze Zahlen schreiben“, sagte Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover. Die Gewinngrößen des guten vergangenen Jahres werde VW allerdings voraussichtlich erst wieder 2022 erreichen.

    Die Wiederbelebung des chinesischen Automarktes werde Volkswagen in diesem Jahr helfen. „China macht Hoffnung und zeigt möglicherweise den Weg aus der Coronavirus-Krise auf“, so Schwope. In der Volksrepublik verkauft der Wolfsburger Konzern etwa 40 Prozent seiner Fahrzeuge.

    Andere Autohersteller ohne starkes China-Geschäft wie etwa Renault haben mit deutlich größeren Verlusten zu kämpfen. Der französische Konzern verkündete am Donnerstag einen Verlust von 7,3 Milliarden Euro.

    Porsche vergleichsweise stark

    Der Gewinneinbruch auf der Volkswagen-Konzernebene im ersten Halbjahr schlägt sich entsprechend negativ auch bei den meisten Fahrzeugmarken durch. Von insgesamt neun Automarken haben lediglich drei ein positives operatives Ergebnis geschafft.
    Porsche erreicht in Krisenzeiten vergleichsweise gute Zahlen und ist der wichtigste Ertragsbringer für VW.

    Der Sportwagenhersteller hat in den ersten sechs Monaten trotz Corona operativ 1,23 Milliarden Euro verdient, ein Minus von 26,3 Prozent zum Vorjahr. Die Umsatzrendite hat jedoch mit 9,9 Prozent gelitten. Porsche hat den Anspruch, mindestens 15 Prozent zu erreichen. „Wir geben aber alles, um auch in 2020 eine zweistellige operative Umsatzrendite zu erreichen“, sagte Porsche-Finanzchef Lutz Meschke.

    Außer Porsche haben Skoda und Scania ein positives operatives Ergebnis nach Wolfsburg gemeldet. Die tschechische Pkw-Tochter schaffte ein Plus von 228 Millionen Euro (Vorjahr: 824). Ähnlich ist die Entwicklung bei der schwedischen Lkw-Tochter Scania verlaufen: Das operative Plus ist von 828 auf 221 Millionen Euro gesunken.

    Die Marke Volkswagen Pkw führt die Liste der Verlustbringer an. Das operative Minus beträgt im ersten Halbjahr 1,5 Milliarden Euro. Audi steuert ein Minus von 643 Millionen Euro bei. Bei der Lkw-Tochter MAN beträgt der operative Verlust 423 Millionen Euro, bei den VW-Transportern sind es 334 Millionen Euro.

    Die für Anfang Mai geplante Hauptversammlung soll nun am 30. September stattfinden. Wie die meisten anderen großen Dax-Konzerne verzichtet auch Volkswagen wegen der Corona-Gefahren auf eine Präsenzveranstaltung und setzt stattdessen auf eine virtuelle Form im Internet.

    Die Rücknahme des Dividendenvorschlags vom Februar begründet Volkswagen mit der „nicht verlässlich einschätzbaren weiteren Entwicklung“. Ursprünglich hatte das Unternehmen eine Dividende von 6,50 Euro für die Stammaktie und von 6,56 Euro für die Vorzugsaktie vorgeschlagen. Der Konzern geht jetzt auf 4,80 Euro (Stämme) und 4,86 Euro (Vorzüge) zurück. Das entspricht exakt dem Dividendenniveau für das Jahr 2018.

    An der Börse bekam Volkswagen die erwartbare Quittung für die teilweise Rücknahme der Dividende. Die VW-Aktie gehörte zu den Verlierern im Frankfurter Aktienindex Dax. Bis zum Nachmittag hatte die Aktie an einem tendenziell schwächerer Börsentag mehr als fünf Prozent verloren.

    Mehr: VW stellt Strafanzeige – Spion nahm offenbar auch Treffen mit Prevent auf

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