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AutozuliefererLeoni-Produktion in Ukraine wieder angelaufen: „Die Leute wollen arbeiten“

Der Kabelbaum-Spezialist betreibt seine Werke in der Region wieder im Zweischichtbetrieb. Die Autohersteller wollen weiterhin Produkte aus der Ukraine beziehen.Axel Höpner 23.03.2022 - 11:50 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Produktion in den ukrainischen Werken des Kabelbaum-Spezialisten läuft wieder an.

Foto: Future Publishing/Getty Images

München. Trotz des Kriegs ist die Produktion des Kabelbaum-Spezialisten Leoni in den beiden ukrainischen Werken wieder angelaufen. „Es gab Raketenangriffe und Bombeneinschläge nicht weit entfernt von unseren Standorten“, sagte Leoni-Chef Aldo Kamper. Die Beschäftigten harrten bei niedrigen Temperaturen zeitweise stundenlang in Luftschutzbunkern aus, um dann wieder in die Fertigungshalle zurückzukehren. „Doch die Leute wollen arbeiten. Sie wollen zeigen, dass die Ukraine eine Zukunft hat.“

Leoni hat zwei Werke in der Nähe von Lwiw im Westen der Ukraine. Die Produktionsunterbrechungen hatten auch für Leoni-Kunden direkte Konsequenzen. So mussten BMW und Volkswagen die Produktion wegen fehlender Kabelbäume zeitweise unterbrechen.

Anfang dieser Woche hat Leoni laut Kamper auch die zweite Schicht in den ukrainischen Werken wieder aufgenommen. Man werde so wohl auf 60 bis 70 Prozent der normalen Kapazitäten kommen. „Ich habe wahnsinnig hohe Achtung vor den Mitarbeitern, die das ermöglichen.“ Zudem erhöhte Leoni den Ausstoß in den anderen europäischen und nordafrikanischen Werken.

Der Konzern beschäftigt in der Ukraine 7000 Menschen. Zwei Drittel davon seien Frauen, sagte Kamper. Einige hundert von ihnen seien nach Rumänien geflüchtet, wo sie aber auch bei Leoni arbeiten könnten. Auch die meisten Männer würden derzeit arbeiten, einige seien aber im Kriegseinsatz.

Die Region ist vergleichsweise wenig direkt vom Krieg betroffen, da sie weiter von der russischen Grenze entfernt liegt. Doch flögen immer wieder Raketen über die Gegend, sagte Kampa. Man wisse nicht, wo diese einschlagen, und die Mitarbeiter müssten in Sicherheit gebracht werden.

Autohersteller wollen weiterhin Teile aus der Ukraine beziehen

Niemand müsse im aktuellen Kriegszustand arbeiten, betonte der CEO. Doch die Belegschaft wolle weitermachen. Für den Konzern gelte: „Wir glauben an die Ukraine.“

Auch die Autohersteller hätten klare Signale gegeben, dass sie Waren aus der Ukraine beziehen wollten, solange dies möglich ist. Kamper deutete an, dass sich die Autobauer an den Kosten für die teilweise Verlagerung der Produktion beteiligen werden.

Leoni hatte wegen des Ukrainekriegs Mitte März bereits die Prognose zurückgenommen. Der angepeilte Konzernumsatz von mehr als fünf Milliarden Euro sei wohl nicht mehr erreichbar. Auch das operative Ergebnis (Ebit) vor Sondereffekten werde niedriger ausfallen als die geplante mittlere zweistellige Millionensumme, warnte Leoni.

Konzern steht robuster da als zu Beginn der Pandemie

Doch insgesamt steht der Konzern auch dank des Restrukturierungsprogramms „Value 21“ derzeit robuster da als zu Beginn der Coronapandemie. Damals war Leoni eines der ersten Unternehmen, das Staatshilfe in Anspruch nehmen musste. Bund und Länder gaben Bürgschaften für neue Kredite.

Die Stabilisierung von Leoni zeigt sich auch im Aktienkurs. Dieser ist zwar wegen des Ukrainekriegs und der Herausforderungen in der Branche seit einem Zwischenhoch im vergangenen Herbst von 18 auf knapp zehn Euro gesunken. Im Coronajahr 2020 war er zwischenzeitlich aber auf weniger als fünf Euro abgerutscht.

Im vergangenen Jahr steigerte Leoni den Umsatz deutlich von 4,1 auf 5,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) vor Sondereffekten und Restrukturierungskosten betrug 170 Millionen Euro nach einem Verlust von 59 Millionen Euro im Jahr zuvor. „Wir haben wieder guten Grip und sind stabil zurück auf Kurs“, sagte Kamper. Damit übertraf Leoni teils die eigenen Prognosen. Der Ukrainekrieg trübt den Ausblick nun allerdings ein.

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Auch die anderen Autozulieferer sind von den Kriegsfolgen betroffen. So hatte zum Beispiel Continental erklärt, wegen des Ukrainekriegs und der unterbrochenen Transportketten könnten je nach Ausmaß der Verwerfungen sowohl Umsatz als auch Ergebnis aller Unternehmensbereiche niedriger ausfallen als im Vorjahr.

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