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Bahntechnik Topmanagerin wechselt: Siemens verliert Mobility-Chefin Sabrina Soussan

Die Französin wird Chefin des Schweizer Sicherheitstechnikkonzerns Dormakaba. Siemens Mobility wird künftig allein von Co-Chef Peter geführt.
08.07.2020 Update: 09.07.2020 - 13:00 Uhr Kommentieren
Die erfolgreiche Siemens-Managerin wechselt als CEO zum Schweizer Unternehmen Dormakaba, Weltmarktführer für Gebäude-Sicherheitssysteme. Quelle: Siemens
Sabrina Soussan

Die erfolgreiche Siemens-Managerin wechselt als CEO zum Schweizer Unternehmen Dormakaba, Weltmarktführer für Gebäude-Sicherheitssysteme.

(Foto: Siemens)

München, Düsseldorf Der charmante französische Akzent sollte nicht täuschen: Sabrina Soussan weiß sich durchzusetzen. Bei einem Rundgang durch das Siemens-Stammwerk im rheinischen Krefeld bügelt die bisherige Co-Chefin von Siemens Mobility mit einem „kein Problem“ jegliche Zweifel weg. Die Fabrik könnte am Rande ihrer Kapazitäten operieren.

Die Frage danach hatten leitende Mitarbeiter des Werks auf der Besichtigungstour eher mit einem skeptischen Stirnrunzeln quittiert. Zwischen den neuesten ICEs für die Deutsche Bahn, Regionalzügen und Metros für die ganze Welt schien den Besuchern kaum noch Platz zu sein, um die erwarteten Milliardenaufträge im Zuge der Eisenbahnoffensive vieler Staaten aufzunehmen.

Heute räumt Soussan überraschend schnell ihr Büro in Erlangen, der Mobility-Zentrale des Siemens-Konzerns. Das Münchener Unternehmen verliert damit eine der wichtigsten Frauen aus seinem Führungskreis. Soussan, Co-Chefin der Mobility-Sparte, verlässt das Unternehmen zum 10. Juli auf eigenen Wunsch, teilte Siemens mit.

Zum Jahreswechsel steigt die 51-Jährige als Vorstandsmitglied bei der börsennotierten Schweizer Dormakaba ein. Zum April 2021 soll sie dort den Chefposten übernehmen. Dormakaba zählt sich mit 2,8 Milliarden Franken Umsatz und 16.000 Mitarbeitern zu den Weltmarktführern für Gebäude-Sicherheitssysteme und -Schließtechnik.

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    Die Französin führte die Siemens-Bahntechnik, die seit Jahren mit Großaufträgen und guten Margen glänzt, seit 2017 gemeinsam mit Michael Peter. Peter, der bislang für die Signaltechnik verantwortlich zeichnete, wird nun alleiniger Chef. „Das ist ein Schlag ins Kontor“, hieß es im Siemens-Umfeld über den Weggang der nicht immer bequemen, aber erfolgreichen Managerin.

    Schluss mit der Pendelei

    Auch privat könnte ihr ein Wechsel zupasskommen, da sie bei ihrer Siemens-Aufgabe viel pendeln musste. Das fränkische Erlangen war ohnehin nur der Ort, am dem ihr Schreibtisch stand. Die in Paris geborene Managerin und Chefin der Zugsparte von Mobility war meist zu Kunden unterwegs.

    Siemens-Konzernvize Roland Busch sagte: „Wir bedauern es sehr, dass Sabrina Soussan uns verlässt.“ Er habe aber Verständnis für ihre Entscheidung. Der künftige alleinige Mobility-Chef Peter sei ein ausgewiesener Experte für Mobilität, Automatisierung und Digitalisierung. „Er steht bei Kunden und Mitarbeitern für Kontinuität an der Spitze dieses erfolgreichen Geschäftsfelds“, erklärte Busch. Und in der Branche wird die Führung durch Peter auch als ein Zeichen gewertet, dass die Digitalisierung der Eisenbahn einen noch größeren Stellenwert für Siemens einnehmen soll.

    Soussan ist eine der wenigen Frauen, die sich in der männerdominierten Bahnwelt behauptet haben. Ihr Karrierestart in der Autobranche hat ihr dabei geholfen – auch in der PS-Industrie führen oft Männer die Geschäfte. Soussan hat das nach eigenen Aussagen „nie gestört“. Derzeit ist sie auch noch Aufsichtsratsmitglied des Autozulieferers Schaeffler.

    Als störend empfand sie dagegen nach ihrem Wechsel in die Bahnbranche, dass Eisenbahnen traditionell eher in Kleinserie und damit teuer und fehlerbehaftet gebaut wurden. Siemens musste das vor einigen Jahren bei der verspäteten Auslieferung des prestigeträchtigen ICE bitter erfahren. Soussans Vorgabe lautete denn auch: „Pünktliche Lieferung ist alles.“

    Weibliches Management-Vakuum bei Siemens

    Unter ihrer Regie wurde der Fahrzeugbau bei Siemens weiter standardisiert und automatisiert. Mireo heißt eines dieser Produkte, ein elektrischer Triebwagen, der erst kürzlich die Werkshallen verließ – in für diese Branche rekordverdächtiger Entwicklungs- und Zulassungszeit.

    Laut Industriekreisen versuchte Siemens, die erfolgreiche Managerin zu halten. Sie sei auch für den Posten des Personalvorstands im Gespräch gewesen. Zugetraut wurde ihr auch ein Posten im Spitzenmanagement, falls es zu der geplatzten Fusion von Siemens mit dem französischen Konkurrenten Alstom gekommen wäre. Der Plan scheiterte Anfang 2019 am Veto der EU-Kommission.

    Soussan ist mit einem Deutschen verheiratet und hat eine Tochter. Sie war mehr als 20 Jahre in verschiedenen Positionen bei Siemens in Deutschland, Frankreich, Japan, Großbritannien und in der Schweiz tätig. Sie hat einen Abschluss in Maschinenbau und Luft- und Raumfahrttechnik und erwarb einen MBA an den Universitäten Poitiers (Frankreich) und Dublin (Irland). Ihr beruflicher Start erfolgte 1994 in der Motorenentwicklung von Renault.

    Künftig wird der studierte Elektrotechniker Peter die Sparte Mobility allein führen. Er hatte im Herbst 2017 gemeinsam mit Soussan den Co-CEO-Posten übernommen. Solche Doppelspitzen seien meist nur für eine Übergangszeit geeignet, hieß es in Industriekreisen.

    Mit dem Weggang der Managerin verliert Siemens eine starke weibliche Führungsfigur. Im Vorstand des Technologiekonzerns sind seit dem Weggang von Personalchefin Janina Kugel und von Energie-Vorständin Lisa Davis die Männer wieder unter sich. Allerdings wird laut Industriekreisen im Herbst wieder eine Frau zum Personalvorstand berufen.

    Mehr: Führungsduo von Siemens-Mobility glaubt an die Rückkehr der Kunden

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