Autoindustrie: Wird die Kobalt-Knappheit so schlimm wie die Chipkrise? Bei Batteriemetallen drohen neue Engpässe
Das Angebot an industriell beschränktem Kobalt ist begrenzt.
Foto: Getty Images; Per-Anders PetterssonZürich. Inzwischen rufen die Autobauer bei David Brocas direkt an. Der Chefhändler für das Batteriemetall Kobalt beim Schweizer Rohstoffriesen Glencore beobachtet: Immer weniger Autohersteller verlassen sich auf ihre Batteriezellen-Zulieferer, wenn es um die Versorgung mit produktionskritischen Rohstoffen geht. „Der Direktbezug von Rohstoffen wie Kobalt ist zur Norm geworden“, sagt Brocas im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Bei den Autoherstellern besteht die Sorge, dass Kobalt zu einem Problem werden könne, wie es Mikrochips heute sind.“
Der Chipmangel hat die Verwundbarkeit der Automobilindustrie schonungslos offengelegt. Allein im Oktober brach etwa in Deutschland die Zahl der zugelassenen Neuwagen um 35 Prozent ein. Der deutsche Automarkt steuert nach Prognosen des CAR-Instituts auf das schlechteste Autojahr seit der Wiedervereinigung zu. Vielfach stehen Bänder still, weil es schlicht nicht genügend Chips gibt, um die Autos zu bauen – und das bei einer boomenden Nachfrage.
Spätestens im kommenden Jahr dürfte die Chipkrise überwunden sein, erwarten Experten. Doch die Versorgungsrisiken der Industrie werden damit nicht geringer. Die Wende vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb verlagert die Risiken hin zu Batteriemetallen, wie Lithium, Kupfer – und Kobalt.