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  4. Volkswagen Aktie: Geht die Batterietochter PowerCo bald an die Börse?

ElektromobilitätNeues Batteriegeschäft: Volkswagen sucht Investoren für PowerCo

Bis Ende des Jahrzehnts will die neue VW-Tochter PowerCo führend in Europa sein. Dafür ist viel Geld nötig. Auch ein Börsengang wird diskutiert.Stefan Menzel 15.07.2022 - 02:19 Uhr Artikel anhören

Das E-Modell bei der Produktion im VW-Werk Zwickau.

Foto: Paul-Langrock.de

Wolfsburg. Das Ziel ist klar: Die neue Volkswagen-Tochter PowerCo soll in wenigen Jahren zum wichtigsten europäischen Hersteller von Batteriezellen aufsteigen. Bis 2030 sollen sechs sogenannte „Gigafactories“ auf dem Kontinent errichtet werden, die für bis zu fünf Millionen Elektroautos reichen, Investitionsbedarf: 20 Milliarden Euro. Aus den aktuell 350 Beschäftigten dürften bis Ende des Jahrzehnts 20.000 Mitarbeiter werden. Auch ein späterer Teilbörsengang wird diskutiert.

Parallel dazu hält die PowerCo Ausschau nach weiteren Ansiedlungsflächen in Nordamerika, wo Volkswagen ebenfalls über eigene Zellwerke nachdenkt. „Der Fokus liegt jetzt auf Europa, die USA sind eine Option“, sagt Kai Müller, Finanzvorstand der neuen VW-Tochter, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Auf längere Sicht will Volkswagen den Aufbau der Zellfertigung nicht allein finanzieren. „Vom nächsten Jahr an könnten Finanzinvestoren dazukommen“, ergänzt Volkswagen-Finanzvorstand Arno Antlitz. Erste Anfragen potenzieller Investoren gebe es bereits.

„Start-ups haben in der Regel weder Geld noch marktreifes Produkt, noch Kunden. Das ist bei der PowerCo anders. Wir haben den Großkunden Volkswagen. Wir haben eine funktionierende Technik und die Anschubfinanzierung. Entsprechend hoch ist das Interesse von Dritten, sich bei uns zu beteiligen“, fügt Kai Müller hinzu.

In einem weiteren Schritt könne die Batterietochter des VW-Konzerns zumindest teilweise auch an die Börse gebracht werden. Das sei jedoch eine Überlegung für die weitere Zukunft, die frühestens 2024 oder auch erst später realisiert werde. Zunächst müsse das neue Unternehmen weiter aufgebaut werden. 2030 will der Volkswagen-Konzern 50 Prozent seiner weltweiten Verkäufe mit Elektroautos bestreiten, in Europa ist ein Anteil von 70 Prozent geplant.

Weil die neue PowerCo – der anfänglich interne Arbeitstitel für die VW-Tochter ist inzwischen offizieller Name – direkt als europäische Aktiengesellschaft („SE“) angelegt wurde, wäre ein Börsengang vergleichsweise einfach - Vorstand und Aufsichtsrat gibt es schon. Auch eine spätere rechtliche Neuordnung fiele bei einem möglichen Börsengang weg.

Ein Schritt, den man bewusst gegangen sei, wie VW-Finanzchef Antlitz betont. „Wir wollen ein eigenständiges, wettbewerbsfähiges und prinzipiell auch kapitalmarktfähiges Unternehmen.“

Grundsteinlegung für die erste VW-Gigafactory in Salzgitter: In der niedersächsischen Industriestadt fasst Volkswagen das neue Batteriegeschäft zusammen.

Foto: Reuters

Volkswagen könnte später einmal auch andere Töchter an die Börse bringen, die eine ähnliche Querschnittsfunktion für den gesamten Konzern besitzen wie die neue PowerCo. Vergleichbar zur neuen Batterietochter sind VW Financial Services (VWFS), die sich um den Aufbau einer Mobilitätsplattform kümmern. Die gesamten Software-Aktivitäten des Konzerns sind in der Cariad SE zusammengefasst.

Der VW-Konzern gibt sich zuversichtlich, dass die neue und zum 1. Juli ausgegliederte Batterietochter schon bald mit den etablierten Zellherstellern aus Asien mithalten wird. „Wir können skalieren. Das hilft uns bei unserem ambitionierten Hochlauf und verschafft uns erhebliche Vorteile“, sagt Finanzvorstand Antlitz. Um die fachliche Expertise weiter auszubauen, werde die PowerCo weiterhin Chemiker und andere Batterieexperten einstellen.

Volkswagen PowerCo: Eigene Batteriefertigung soll Abhängigkeiten verringern

Im Unterschied zu den meisten anderen Autoherstellern hat sich Volkswagen dazu entschieden, eine komplett eigenständige Batteriefertigung aufzubauen. Das soll eine allzu große Abhängigkeit von den großen Zellherstellern aus China, Südkorea und Japan verhindern. Bis 2025 bezieht der Autokonzern ausschließlich Zellen von den asiatischen Lieferanten, danach soll die Eigenfertigung beginnen. In der vergangenen Woche war der Grundstein für die erste VW-eigene Zellfabrik im niedersächsischen Salzgitter gelegt worden.

Ihre Zentrale bezieht die neue VW-Tochter gleich neben der geplanten Zellfabrik in Salzgitter. 2500 Menschen sollen später einmal in der PowerCo-Zentrale arbeiten. Mit allen Gigafactories kommt die Batterietochter von Volkswagen voraussichtlich auf einen Jahresumsatz von 20 Milliarden Euro. Wenn die PowerCo-Fabriken in einigen Jahren einmal ausreichend Batteriezellen für die Marken des VW-Konzerns produzieren, könnte die Fertigung später auch für andere Autohersteller ausgeweitet werden.

In Investorenkreisen stößt diese Strategie auf Zustimmung. „Angesichts der strukturellen Knappheit auf dem Batteriemarkt und der geopolitischen Unsicherheiten sind eigene Gigafactories eine entscheidende Voraussetzung dafür, um bei Elektroautos eine global führende Rolle spielen zu können“, so Patrick Hummel, Automobilanalyst bei der UBS aus der Schweiz.

Mit den sechs geplanten Zellwerken kann zunächst nur die Pkw-Produktion des VW-Konzerns bedient werden. Doch auch die Lastwagen der Lkw-Töchter MAN und Scania sollen nach dem Jahr 2030 verstärkt elektrisch unterwegs sein – und brauchen deshalb Batteriezellen.

„Die Gespräche dazu laufen“, erläutert PowerCo-Vorstand Müller. Pkw- und Lkw-Zellen sollen auf jeden Fall dasselbe Format bekommen. Der Lastwagen-Bedarf könne deshalb auch durch eine Erweiterung der jetzt geplanten sechs Gigafabriken bedient werden.

Die PowerCo will in ihren Zellwerken eine Einheitszelle einführen, mit der etwa 80 Prozent des gesamten Konzernbedarfs abgedeckt werden können. „Das sorgt für weniger Komplexität als bei den meisten Wettbewerbern“, sagt VW-Finanzvorstand Antlitz. Für einige ihrer besonders sportlichen Modelle werden vor allem die Konzerntöchter Audi und Porsche Batterien einsetzen, die nicht mit dem Standard aus Salzgitter abgedeckt werden.

Mit Einheitszelle ist dabei das äußere Format gemeint. Das Innenleben – die Chemie – kann trotzdem entscheidend verändert werden. So sollen etwa die für 2025 geplanten elektrischen Einstiegsmodelle Batteriezellen auf Eisenphosphat-Basis („LFP“) bekommen. Sie sind preisgünstiger als die üblichen Kobalt-Akkus und machen damit Einstiegspreise bei E-Autos von weniger als 25.000 Euro möglich.

Eine weitere Aufgabe der PowerCo wird auf der eigenen Rohstoffsicherung liegen. „Es gibt einen echten Run auf die Rohstoffe", sagt PowerCo-Finanzvorstand Müller. Auch hier sei man in engen Gesprächen. Müller: „Weil unsere Absätze schon heute gesichert sind, haben wir eine starke Verhandlungsposition.“ An erster Stelle sind Lithium, Kobalt und Nickel gefragt.

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Schon vor der PowerCo-Ausgründung hatte der VW-Konzern Lieferabkommen mit Rohstoffproduzenten abgeschlossen. Als eigenständiges Unternehmen wird sich die neue Konzerntochter nun darum kümmern. Diese Sicherung der Rohstoffketten dürfte noch einmal zusätzlich Geld kosten. Konzernvorstand Antlitz spricht von einem „wesentlichen Betrag“.

Groß ist auch die Nachfrage nach den Maschinen, die in den Gigafactories für die Zellfertigung gebraucht werden. Bislang dominieren auf diesem Feld ebenfalls asiatische Anbieter. Volkswagen und Bosch wollen dem gemeinsam Paroli bieten. Die beiden großen deutschen Konzerne gründen deshalb ein Gemeinschaftsunternehmen, das sich auf Maschinen und Anlagen für die Zellfertigung konzentriert.

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