Brandanschlag auf Tesla: Fabrik bis Ende nächster Woche ohne Strom
Die Fabrik in Grünheide wurde komplett geräumt, so das Unternehmen. In mehreren Städten und Gemeinden der Region fiel der Strom zeitweise aus. Die Brandenburger Polizei geht von Brandstiftung aus. Das Landeskriminalamt nahm Ermittlungen auf. Den Schaden zu beheben könnte eine Zeit lang dauern: Noch bis Ende nächster Woche werde die Fabrik ohne Strom sein, sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Mittwochabend zur Nachrichtenagentur Reuters.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) verurteilte den mutmaßlichen Brandanschlag. „Ein solcher Anschlag auf unsere Strominfrastruktur ist eine schwere Straftat, die durch nichts zu rechtfertigen ist“, erklärte Faeser am Dienstag in Berlin. Wirtschaftsminister Robert Habeck forderte rasche Aufklärung und Ahndung. „Gewalt und Sabotage dürfen kein Mittel der Auseinandersetzung sein“, sagte der Grünen-Politiker.
Zu der Tat hatte sich die linksextremistisch eingestufte „Vulkangruppe“ in einem Schreiben bekannt. Darin wirft die Gruppe Tesla „extreme Ausbeutungsbedingungen“ vor und fordert die „komplette Zerstörung der Gigafactory“.
Auch Tesla-Chef Elon Musk reagierte: „Das sind entweder die dümmsten Ökoterroristen der Welt oder sie sind Marionetten derer, die keine guten Umweltziele haben“, schrieb Musk am Dienstag auf dem Portal X. „Die Produktion von Elektrofahrzeugen anstelle von Fahrzeugen mit fossilen Brennstoffen zu stoppen, ist extrem dumm.“ Dabei schrieb der Tesla-Chef die letzten drei Wörter auf Deutsch.
Den Strom für die Tesla-Fabrik liefert der Netzbetreiber Edis, der zu zwei Dritteln dem Versorger Eon und einem Drittel Kommunen aus Brandburg und Mecklenburg-Vorpommern gehört. „Nach Freigabe durch die zuständigen Ermittlungsbehörden wird Edis unverzüglich die Reparaturarbeiten aufnehmen“, sagte ein Sprecher.
Tesla steht beim Hochfahren vor Problemen
Laut Tesla wird es „einige Zeit“ in Anspruch nehmen, bis die Fabrik wieder mit Strom versorgt wird. Er rechne nicht damit, dass die Fertigung in dieser Woche wieder hochgefahren werden könne, sagte Werksleiter André Thierig am Dienstag. Ob das Anfang kommender Woche geschehen könne, sei noch unklar.
Alle Mitarbeitenden sollten bis auf Weiteres zu Hause bleiben. Die Tesla-Aktie verlor am Dienstag zum Handelsstart an der Wall Street gut zwei Prozent.
Der Stillstand kostet den Autobauer viel Geld. Tesla entstehe durch den Produktionsstopp ein wirtschaftlicher Schaden im hohen neunstelligen Bereich, sagte Thierig. Pro Tag könne das Unternehmen nun mehr als 1000 Fahrzeuge nicht produzieren. „Wir sind tief besorgt darüber, was hier passiert ist.“
Selbst wenn der Strom wieder fließt, stehe Tesla vor „riesigen Problemen“ beim Hochfahren der Produktion, sagt Peter Mertens, ehemaliger Entwicklungschef von Audi. Die meisten Schwierigkeiten dürfte es im Rohbau geben. Jeder Roboter müsse aus den Karosserien gefahren und wieder in die Nullposition gebracht werden.
Die unfertigen Karosserien müssen verschrottet werden, genauso wie die, die im Korrosionsschutzbad oder der Lackierung stehen geblieben sind, sagt Mertens. Die Beratung Berylls schätzt, dass Tesla deswegen insgesamt bis zu 40 Fahrzeuge verliert.
Danach kommt, was Experten die „Erststückfreigabe“ nennen, also ein Neuanfahren des Produktionsprozesses mit entsprechender Qualitätskontrolle. Das alles braucht Zeit. „Tesla braucht mindestens einen Tag für den kompletten Wiederanlauf“, sagt Heiko Weber, Partner bei der Branchenberatung Berylls.
2021 gab es bereits einen Brandanschlag auf Tesla
Es ist nicht der erste Anschlag auf Tesla. Beim Aufbau des Werks gab es 2021 einen Brandanschlag auf die Stromversorgung der Baustelle. Auch damals bekannte sich die linksradikale „Vulkangruppe“ dazu. „Tesla ist weder grün, ökologisch noch sozial“, hieß es damals in einem Schreiben der seit einigen Jahren in Berlin aktiven Gruppe.
Es gibt derzeit Proteste gegen den geplanten Ausbau des einzigen europäischen Werks des Konzerns. So besetzten vor wenigen Tagen bis zu 100 Umweltaktivisten ein Waldstück in der Nähe, wohnen in Zelten und Baumhäusern.
Sie werden von der Bürgerinitiative Grünheide unterstützt. In einer Befragung hatte sich kürzlich eine deutliche Mehrheit der Anwohner gegen den Ausbau um 120 Hektar ausgesprochen.
Das Votum ist aber nicht bindend, über den Ausbau entscheidet das Land Brandenburg.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) warnte vor einer Form von Terrorismus und sieht die Wirtschaft in Gefahr. „Wenn der Hintergrund wirklich sein sollte, hier einem Wirtschaftsunternehmen – nämlich Tesla – Schaden zuzufügen, dann hat es natürlich auch Konsequenzen für die gesamte Wirtschaft in Deutschland“, sagte der Politiker. Der mutmaßliche Anschlag auf die Strominfrastruktur sei „ein nicht hinnehmbarer Akt der Gewalt“.
Umweltaktivisten und Bürgerinitiative distanzieren sich
Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) stellte sich demonstrativ vor Tesla und verurteilte den mutmaßlichen Brandanschlag. „Es ist von denjenigen, die diesen Anschlag verübt haben, billigend in Kauf genommen worden, dass Menschen dadurch verletzt werden“, sagte er. „Ich glaube, das ist eine neue Qualität, die wir an der Stelle haben.“
Die protestierenden Umweltaktivisten wiesen einen Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Anschlag zurück. „Mit unseren Körpern und Baumhäusern stellen wir uns der Erweiterung der Fabrik entgegen. Dabei gefährden wir keine Menschenleben“, teilte die Initiative Teslastoppen mit.
Sie müssen mit Räumung rechnen: Die Landesregierung prüft, ob sie das Protestcamp neu bewertet. „Das kann auch die Beendigung der Duldung bedeuten“, sagte Steinbach. Der Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg – die Bürgerinitiative gegen Tesla – distanzierte sich von dem mutmaßlichen Anschlag: „Dieser Anschlag schadet unserer Arbeit.“
Tesla will das Werksgelände in mehreren Schritte ausbauen, um die jährliche Produktion von den geplanten 500.000 Fahrzeugen zu verdoppeln. Derzeit stellt Tesla in Grünheide nur den SUV-Crossover Model Y her, künftig will es dort auch ein preiswertes Massenmodell fertigen.
Mit Agenturmaterial
Erstpublikation: 05.03.2024, 08:31 Uhr