Energiepreise Industrie: Deutsche Chemie- und Pharmafirmen zieht es in die USA
Die deutsche Chemiebranche orientiert sich westwärts.
Foto: BASF SEDüsseldorf, New York. Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie verlegt ihre Pläne für weiteres Wachstum verstärkt in die USA. Das zeigen die jüngsten Investitionsankündigungen sowie Einschätzungen vom Handelsblatt befragter Firmen. Ein Grund: Die energieintensive Branche lockt das billigere Gas. Doch die Lage ist vielschichtiger.
Als weitere Gründe nennen Chemieunternehmen die stabile US-Wirtschaft sowie das staatlich geförderte Erstarken der amerikanischen Industrie. „Wenn Unternehmen eine Region mit üppigen Energievorkommen zu günstigen Preisen, mit stabilen Rahmenbedingungen und wenig Bürokratie suchen, dann sind die USA der Ort der Wahl für Investitionen“, sagt Antonis Papadourakis, Amerikachef des Kölner Chemiekonzerns Lanxess.
Mit der Neuorientierung gen Westen reagieren die deutschen Firmen zudem auf Befürchtungen, dass sich China zum unsicheren Standort entwickeln könnte. „Wir sehen derzeit eine deutliche Verschiebung in der Bewertung von Standorten und Lieferketten. Die USA werden als positiver und als relativ verlässlicher Handelspartner angesehen“, beobachtet Andreas Eggert, Healthcare-&-Life-Sciences-Experte bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman.
Energiepreise in der Industrie: Nordamerika als wichtigste Wachstumsregion
Zwar haben die Direktinvestitionen deutscher Chemie- und Pharmafirmen in den USA 2020 durch Corona an Volumen eingebüßt. Doch in den Investitionsplänen der Firmen ist der Schwenk erkennbar. Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wollen fast 40 Prozent der deutschen Unternehmen in den kommenden Monaten höhere Investitionen in den USA tätigen.