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Fahrzeughersteller Opel gründet Transfergesellschaft: Hunderte Beschäftigte sollen wechseln

Dem Autobauer geht der Stellenabbau nicht schnell genug. Nun versucht Opel, vielen Mitarbeitern eine Transfergesellschaft schmackhaft zu machen – sonst drohen Kündigungen.
26.10.2020 - 21:05 Uhr Kommentieren
Der Autobauer will am Standort Rüsselsheim massiv Stellen abbauen. Quelle: dpa
Opel

Der Autobauer will am Standort Rüsselsheim massiv Stellen abbauen.

(Foto: dpa)

München Wer in einem der sogenannten „Fokusbereiche“ bei Opel am Stammsitz in Rüsselsheim arbeitet, hat ein veritables Problem. Denn das Management des Autobauers will sie loswerden. Für Hunderte Beschäftigte in Prototypenbau, Teilelager, Werkzeugbau, Design und den Werkstätten des Engineerings werde es durch die Antriebswende hin zu Elektromotoren bald „keine Arbeit mehr geben“, betonte Opel-Chef Michael Lohscheller jüngst im Handelsblatt-Interview.

Die Folge seien unvermeidbare Anpassungen. Lohschellers Führungstruppe versucht daher, die Betroffenen seit Monaten davon zu überzeugen, eine Abfindung anzunehmen, in Altersteilzeit zu gehen oder den Vorruhestand anzutreten. Doch die meisten zieren sich. Der geplante Abbau von 2100 Stellen bis Ende kommenden Jahres stockt deswegen erheblich.

Lohscheller macht Druck, droht im Extremfall sogar mit Kündigungen. Zugleich unterbreitet der Manager den Beschäftigten in den Fokusbereichen nun ein letztes Angebot, das Unternehmen doch noch sozial verträglich zu verlassen – sie können bis „spätestens zum 01.01.2021“ in eine Transfergesellschaft wechseln.

„Zur Verbesserung der Vermittlungsaussichten auf dem Arbeitsmarkt wird eine Transfergesellschaft eingerichtet“, heißt es dazu in einem internen Rundschreiben von Opel-Geschäftsleitung und Betriebsrat an die Belegschaft, das dem Handelsblatt vorliegt. Demnach lädt die PSA-Tochter die Beschäftigten aus den Fokusbereichen am Dienstag und Mittwoch zu insgesamt vier digitalen Infoveranstaltungen ein, um ihnen den Wechsel in die Transfergesellschaft schmackhaft zu machen.

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    Eine Transfergesellschaft dient dazu, von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeitern den Übergang in einen neuen Job zu ermöglichen, etwa durch Weitervermittlung oder Qualifizierung. Während dieser Zeit zahlt die Agentur für Arbeit ein Transferkurzarbeitergeld von bis zu 67 Prozent des bisherigen Nettogehalts.

    Das Unternehmen spart sich dadurch meist die Kosten für langwierige Trennungsprozesse. Die Beschäftigten haben im Gegenzug ein Jahr Zeit, um sich beruflich neu zu orientieren. Im Falle einer Kündigung droht ihnen dagegen schon nach drei Monaten die Arbeitslosigkeit.

    „Umfangreiches Paket“ beim Personalabbau

    Opel arbeitet bei seiner Transfergesellschaft mit der auf Trennungsprozesse spezialisierten Firma von Rundstedt & Partner zusammen. Der Konzern bewirbt das Modell damit, dass die Beschäftigten nicht nur eine Abfindung erhalten, sondern die Vergütung in der Transfergesellschaft auch auf 80 Prozent des letzten Nettogehalts aufgestockt wird.

    Zudem lockt Opel Interessierte mit einer „Sprinterprämie“ für all jene, die schnell einen neuen Job finden und somit frühzeitig aus der Transfergesellschaft ausscheiden. Beschäftigte haben auch die Option, ihr Arbeitsverhältnis bei Opel für ein Jahr in der Transfergesellschaft ruhend zu stellen – mitsamt einem Rückkehranspruch zu Opel.

    Der Eintritt in die Transfergesellschaft beruht jedoch auf Freiwilligkeit. Kein Opel-Angestellter kann zum Wechsel gezwungen werden. Ob der Autobauer also tatsächlich Hunderte Beschäftigte über diesen Weg aus der Bilanz hieven kann, ist fraglich.

    Zumal die Belegschaft in Deutschland laut Zukunftstarifvertrag eigentlich bis Mitte 2025 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt ist. Doch die Geschäftsleitung verweist intern auf eine Katastrophenklausel, wonach die Übereinkunft im Falle eines massiven Absatzeinbruchs wie infolge der Coronakrise aufgekündigt werden kann.

    Entlassungen wären gleichwohl ein Tabubruch für Betriebsrat und Gewerkschaft. Um diese noch zu verhindern, haben sich Management und Arbeitnehmervertreter auf ein „umfangreiches Paket zur Förderung des freiwilligen Ausscheidens und zur Mobilität“ geeinigt, wie es in dem internen Schreiben heißt.

    Zentrales Element der Übereinkunft ist die freiwillige Transfergesellschaft. Darüber hinaus wird das Programm zur Altersteilzeit auch für den Jahrgang 1964 geöffnet. Bei internen Reorganisationen sollen frei werdende Stellen zudem bevorzugt mit Beschäftigten aus den Fokusbereichen besetzt werden.

    Außerdem führt Opel ein „Rückkehrrecht“ ein. Das heißt: Wer andernorts einen neuen Job antritt, dort aber binnen der ersten sechs Monate wieder entlassen wird, kann zu Opel zurückkommen. So will der Konzern Beschäftigten, die wegen der aktuell unsicheren Lage vor einem Wechsel zurückschrecken, ein Stück weit die Sorgen nehmen.

    Mehr: Opel-Chef: „Wir können betriebsbedingte Kündigungen nicht kategorisch ausschließen“

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