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Ferdinand Piëch Der Manager und seine Familie

Ferdinand Piëch hatte viele Frauen und noch mehr Kinder. Die Verhältnisse untereinander sind kompliziert. Eine Übersicht über seine Familie.
18.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Ferry Porsche (vorn) im 356er-Cabriolet mit Söhnen Ferdinand, Alexander, Gerhard und Wolfgang (sitzend, v. l.). Quelle: PR/ Porsche
Die andere Seite des Clans

Ferry Porsche (vorn) im 356er-Cabriolet mit Söhnen Ferdinand, Alexander, Gerhard und Wolfgang (sitzend, v. l.).

(Foto: PR/ Porsche)

Düsseldorf Die Nonchalance, mit der Ferdinand Piëch seine Nachkommen behandelte, ist gerichtlich überliefert. „Etwa ein Dutzend. So genau weiß man das nicht“, sagte der Patriarch in einem Interview über die Zahl seiner Kinder. Als ein Magazin im Oktober 2005 schrieb, Piëch wisse nicht, wie viele Kinder er habe, ging er juristisch dagegen vor. Das sei ein Scherz gewesen, argumentierte Piëchs Anwalt.

Die Richter an der Pressekammer des Landgerichts Hamburg glaubten ihm und gaben zu Protokoll: „Das Gericht geht davon aus, dass Herr Piëch weiß, wie viele Kinder er hat.“ Piëch versicherte eidesstattlich, zwölf Kinder zu haben. Es waren aber dreizehn.

Hans Porsche, der Sohn von Marlene Porsche, sprach Ferdinand Piëch zu Lebzeiten stets mit „Onkel“ an. Erst nach Piëchs Tod erfuhr er, dass Piëch sein Vater gewesen war. In Piëchs Autobiografie, erschienen 2002, kann er bis heute nachlesen, was sein Vater von seiner Mutter hielt.

Es habe 1972 schnell „geknistert“ zwischen ihm und seiner Schwägerin Marlene, schrieb Piëch. Er war damals verheiratet und bereits Vater von fünf Kindern. Aber Marlene Porsche war laut Piëch „eine attraktive Frau“ und „besaß das gewisse Etwas zum Verwirren von Männern“.

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    Und weiter: „Sie hatte einen starken Zug zur Spitze der Manager, wenn ich das so sagen darf, vielleicht nicht berechnend, denn das Materielle dürfte in ihrem Fall ja nicht wirklich das Thema sein. Es war einfach eine gewisse Neigung und ein schauspielerisches Talent.“

    Ohrfeigen von der Mutter

    Er würde sich nie scheiden lassen, sagte Piëch laut Buch zu Marlene Porsche. Dann tat er es doch, sie auch. „Wir lebten dann zwölf Jahre mehr oder weniger zusammen.“ Die beiden hatten drei Söhne, zwei weitere Piëch-Kinder entstanden „außerhalb dieser Beziehung“, schrieb der Manager. Er nannte weder die Namen dieser beiden Kinder noch den ihrer Mutter: Es war Herma Hutter, das damalige Kindermädchen der Familie.

    Piëchs Beziehung zu Frauen war immer kompliziert. Das begann mit seiner Mutter. Piëchs Vater starb, als er 15 Jahre alt war. „Im Moment seines Todes fiel diese fixe Größe meiner Maßstäbe weg“, schrieb Piëch. „Meine Mutter und ich konnten ganz gut miteinander umgehen, aber es fehlte die Ernsthaftigkeit einer gewissen Furcht vor ihr. Ich kassierte hin und wieder die üblichen Ohrfeigen jener Zeit, aber damit richtete sie nicht viel bei mir aus.“

    Ferdinand Porsche mit seinen Enkeln Ferdinand Alexander Porsche (l.) und Ferdinand Piëch. Quelle: PR/ Porsche
    Eine Dynastie, zwei Stämme

    Ferdinand Porsche mit seinen Enkeln Ferdinand Alexander Porsche (l.) und Ferdinand Piëch.

    (Foto: PR/ Porsche)

    So blieb es. In der Hauptschule in Zell am See war Piëch Klassenbester gewesen, in der weiterführenden Schule in Salzburg wurde er zum Sitzenbleiber. Seine Mutter steckte ihn daraufhin in eine elitäre Schule im Schweizer Hochgebirge, ein „typisches Abhärtungsinternat“, wie Piëch schrieb. Wirklich disziplinieren ließ er sich nicht. Oftmals stahl er sich abends fort, seiner ersten Liebe wegen: Corina von Planta.

    Als Piëch 22 war, tauschten die beiden die Eheringe. „Heiraten war damals die logische Konsequenz, wenn ein Kind unterwegs war“, erklärte Piëch. Noch während des Studiums entstanden drei Kinder. In seinem Buch verlor Piëch kaum ein Wort über sie.

    Nur so viel: Die Ehe und Vaterschaft gleich zu Studienbeginn war für Piëch „ein leises Vergnügen“, seiner Mutter Louise zuwiderzuhandeln. „Eine sehr frühe Heirat passte absolut nicht in die Lebensplanung für ihre Kinder.“

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    Ob seine Kinder je mehr Bedeutung für ihn hatten, ist den Zeilen nicht zu entnehmen. Seitenweise schrieb Piëch in seiner Autobiografie über die Wichtigkeit von Fugenmaßen, die Gefährlichkeit von Korrosionszonen, die Vorzüge der Luftkühlung und die ideale Positionierung von Autospiegeln.

    Mit diesen Autos hat Ferdinand Piëch den VW-Konzern geprägt
    Porsche Typ 356 2
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    Im Wagen: Ferry Porsche; Kinder v.l.n.r.: Ferdinand Piëch, Sohn von Ghislaine Kaes (nicht sicher, ob Edwin oder Phillipp), und Michel Piëch. Über den gelernten Maschinenbau-Ingenieur und Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hört man oft, er habe „Benzin im Blut“. Die Leidenschaft des Autonarren und Technikfreaks erschöpfte sich indes nicht nur in Fantasien. Piëch bewies immer wieder Stehvermögen, konnte seine Ideen trotz Gegenwinds langfristig durchboxen und den Spieß gegenüber Gegnern und Kritikern umdrehen ...

    (Foto: PR)
    Benzin im Blut – VW-Patriarch Ferdinand Piëch
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    Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch steht auf diesem Archivbild von 1982 neben einem Audi 100. Am 17. April 1937 wurde der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in Wien geboren. Er galt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang – von 1993 bis 2002 – stand er an der Spitze des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrates. „Autos bauen“ nannte er einmal als sein größtes Hobby. Das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW.

    (Foto: dpa)
    Porsche Bergspyder 909
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    Ferdinand Piëch ist auf diesem Bild mit dem Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968 zu sehen. „Burli“, wie er genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der NS-Zeit das Werk in Wolfsburg, das von Käfer- auf Kriegsproduktion umgestellt wurde. Großvater und Onkel Ferry konstruierten nur wenige Jahre nach Kriegsende die ersten Sportwagen, auf VW-Basis. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich. So war es kein Wunder, dass Autos auch das Berufsleben von Piëch bestimmten.

    Gulf Porsche 917
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    In Zürich studierte Piëch Technik an der ETH, schloss mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren 1962 ab und ging zu Porsche in die Versuchsabteilung. Piëch machte Blitzkarriere: nach vier Jahren als Abteilungsleiter und nach weiteren fünf Jahren als technischer Geschäftsführer. Piëch war technikbesessen, er baute etwa die Rennmaschine Porsche 917.

    Porsche 917
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    Der Porsche 917, hier beim Einsatz im 24-Stunden-Klassiker von Le Mans im Jahr 1971, war ein riesiger Imageerfolg für die Sportwagenschmiede. Das extrem schwer beherrschbare und leichtgewichtige PS-Monster spielte praktisch mit der Konkurrenz in den Rennsaisons 1970 und 1971. 14 Rennnsiege wurden allein in diesen beiden Jahren verbucht.

    (Foto: picture-alliance / ASA)
    Abschied von Porsche
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    1972 musste Piëch Porsche verlassen, weil die Familien Porsche und Piëch nach Querelen beschlossen hatten, kein Familienmitglied dürfe mehr bei dem Sportwagenbauer arbeiten. Der Techniker wechselte in den VW-Konzern, zu Audi. Der Aufsichtsrat der Audi NSU Auto Union AG ernannte ihn im Sommer 1975 zum Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung.

    (Foto: picture-alliance - dpa)
    Bei Audi in Ingolstadt
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    Auch bei Audi setzte Piëch seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piech machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Am 9. Januar 1990 präsentierte er im Werk Ingolstadt den Jubiläumswagen, einen Quattro. Seit Anlauf der Produktion im Jahr 1965 wurden in dem Werk sieben Millionen Autos der Marke Audi produziert.

    (Foto: dpa)

    Die Merkmale seiner ersten zehn Kinder kommen in Piëchs Lebenserinnerungen nicht vor. Auch mancher Sprössling wusste nicht, ob der Vater sich überhaupt für ihn interessierte. „Piëch sprach wenig und wenn, dann wusste man oft nicht, was er meinte“, sagt ein Familienmitglied. So richtig erwärmt habe sich Piëch nur für „seine Uschi“.

    Ursula Plasser war 25, als sie 1982 auf ein Zeitungsinserat von Marlene Porsche antwortete. Piëchs Lebensgefährtin suchte eine Gouvernante. „Ursula gefiel mir sehr“, schrieb Piëch. „Sie war hübsch, fröhlich und hatte eine wunderbare Art, mit den Kindern umzugehen. Ich fühlte mich von ihrer heiteren Natürlichkeit immer stärker angezogen. Nach einiger Zeit funkte es plötzlich.“

    Ferdinand Piëch (links) mit Verwandten. Quelle: Pressebild
    Es kann (nicht) nur einen geben

    Ferdinand Piëch (links) mit Verwandten.

    (Foto: Pressebild)

    Die beiden heirateten 1984, trotz Warnung: Bei einem Vorgespräch zur Hochzeit fragte eine österreichische Standesbeamtin Ursula Plasser nach den Lebensumständen ihres Ehemanns in spe, schrieb Piëch. „Als sie hörte, dass ich schon neun Kinder hatte, nahm sie meine künftige Frau an die Hand und sagte: „Maderl, überlege dir’s noch einmal ganz genau.“

    Mit dem nächsten Kind, so Piëch, kam er auf den Geschmack. Markus Piëch wurde 1985 geboren. „Das Familienleben hat mich ausgeglichener und lockerer gemacht“, schrieb Piëch. „Jedenfalls bin ich über die Jahre fröhlicher geworden. Es läuft wie in einer normalen Familie, die glücklich ist.“

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