Ferdinand Piëch: Der Manager und seine Familie
Ferry Porsche (vorn) im 356er-Cabriolet mit Söhnen Ferdinand, Alexander, Gerhard und Wolfgang (sitzend, v. l.).
Foto: PR/ PorscheDüsseldorf. Die Nonchalance, mit der Ferdinand Piëch seine Nachkommen behandelte, ist gerichtlich überliefert. „Etwa ein Dutzend. So genau weiß man das nicht“, sagte der Patriarch in einem Interview über die Zahl seiner Kinder. Als ein Magazin im Oktober 2005 schrieb, Piëch wisse nicht, wie viele Kinder er habe, ging er juristisch dagegen vor. Das sei ein Scherz gewesen, argumentierte Piëchs Anwalt.
Die Richter an der Pressekammer des Landgerichts Hamburg glaubten ihm und gaben zu Protokoll: „Das Gericht geht davon aus, dass Herr Piëch weiß, wie viele Kinder er hat.“ Piëch versicherte eidesstattlich, zwölf Kinder zu haben. Es waren aber dreizehn.
Hans Porsche, der Sohn von Marlene Porsche, sprach Ferdinand Piëch zu Lebzeiten stets mit „Onkel“ an. Erst nach Piëchs Tod erfuhr er, dass Piëch sein Vater gewesen war. In Piëchs Autobiografie, erschienen 2002, kann er bis heute nachlesen, was sein Vater von seiner Mutter hielt.
Es habe 1972 schnell „geknistert“ zwischen ihm und seiner Schwägerin Marlene, schrieb Piëch. Er war damals verheiratet und bereits Vater von fünf Kindern. Aber Marlene Porsche war laut Piëch „eine attraktive Frau“ und „besaß das gewisse Etwas zum Verwirren von Männern“.
Und weiter: „Sie hatte einen starken Zug zur Spitze der Manager, wenn ich das so sagen darf, vielleicht nicht berechnend, denn das Materielle dürfte in ihrem Fall ja nicht wirklich das Thema sein. Es war einfach eine gewisse Neigung und ein schauspielerisches Talent.“
Ohrfeigen von der Mutter
Er würde sich nie scheiden lassen, sagte Piëch laut Buch zu Marlene Porsche. Dann tat er es doch, sie auch. „Wir lebten dann zwölf Jahre mehr oder weniger zusammen.“ Die beiden hatten drei Söhne, zwei weitere Piëch-Kinder entstanden „außerhalb dieser Beziehung“, schrieb der Manager. Er nannte weder die Namen dieser beiden Kinder noch den ihrer Mutter: Es war Herma Hutter, das damalige Kindermädchen der Familie.
Piëchs Beziehung zu Frauen war immer kompliziert. Das begann mit seiner Mutter. Piëchs Vater starb, als er 15 Jahre alt war. „Im Moment seines Todes fiel diese fixe Größe meiner Maßstäbe weg“, schrieb Piëch. „Meine Mutter und ich konnten ganz gut miteinander umgehen, aber es fehlte die Ernsthaftigkeit einer gewissen Furcht vor ihr. Ich kassierte hin und wieder die üblichen Ohrfeigen jener Zeit, aber damit richtete sie nicht viel bei mir aus.“
Ferdinand Porsche mit seinen Enkeln Ferdinand Alexander Porsche (l.) und Ferdinand Piëch.
Foto: PR/ PorscheSo blieb es. In der Hauptschule in Zell am See war Piëch Klassenbester gewesen, in der weiterführenden Schule in Salzburg wurde er zum Sitzenbleiber. Seine Mutter steckte ihn daraufhin in eine elitäre Schule im Schweizer Hochgebirge, ein „typisches Abhärtungsinternat“, wie Piëch schrieb. Wirklich disziplinieren ließ er sich nicht. Oftmals stahl er sich abends fort, seiner ersten Liebe wegen: Corina von Planta.
Als Piëch 22 war, tauschten die beiden die Eheringe. „Heiraten war damals die logische Konsequenz, wenn ein Kind unterwegs war“, erklärte Piëch. Noch während des Studiums entstanden drei Kinder. In seinem Buch verlor Piëch kaum ein Wort über sie.
Nur so viel: Die Ehe und Vaterschaft gleich zu Studienbeginn war für Piëch „ein leises Vergnügen“, seiner Mutter Louise zuwiderzuhandeln. „Eine sehr frühe Heirat passte absolut nicht in die Lebensplanung für ihre Kinder.“
Ob seine Kinder je mehr Bedeutung für ihn hatten, ist den Zeilen nicht zu entnehmen. Seitenweise schrieb Piëch in seiner Autobiografie über die Wichtigkeit von Fugenmaßen, die Gefährlichkeit von Korrosionszonen, die Vorzüge der Luftkühlung und die ideale Positionierung von Autospiegeln.
Die Merkmale seiner ersten zehn Kinder kommen in Piëchs Lebenserinnerungen nicht vor. Auch mancher Sprössling wusste nicht, ob der Vater sich überhaupt für ihn interessierte. „Piëch sprach wenig und wenn, dann wusste man oft nicht, was er meinte“, sagt ein Familienmitglied. So richtig erwärmt habe sich Piëch nur für „seine Uschi“.
Ursula Plasser war 25, als sie 1982 auf ein Zeitungsinserat von Marlene Porsche antwortete. Piëchs Lebensgefährtin suchte eine Gouvernante. „Ursula gefiel mir sehr“, schrieb Piëch. „Sie war hübsch, fröhlich und hatte eine wunderbare Art, mit den Kindern umzugehen. Ich fühlte mich von ihrer heiteren Natürlichkeit immer stärker angezogen. Nach einiger Zeit funkte es plötzlich.“
Ferdinand Piëch (links) mit Verwandten.
Foto: PressebildDie beiden heirateten 1984, trotz Warnung: Bei einem Vorgespräch zur Hochzeit fragte eine österreichische Standesbeamtin Ursula Plasser nach den Lebensumständen ihres Ehemanns in spe, schrieb Piëch. „Als sie hörte, dass ich schon neun Kinder hatte, nahm sie meine künftige Frau an die Hand und sagte: „Maderl, überlege dir’s noch einmal ganz genau.“
Mit dem nächsten Kind, so Piëch, kam er auf den Geschmack. Markus Piëch wurde 1985 geboren. „Das Familienleben hat mich ausgeglichener und lockerer gemacht“, schrieb Piëch. „Jedenfalls bin ich über die Jahre fröhlicher geworden. Es läuft wie in einer normalen Familie, die glücklich ist.“