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Handelsblatt Auto-Gipfel 2020 „Verlängern, ausbauen, höher setzen“ – Söder will Elektroprämien deutlich ausweiten

Corona-Pandemie und der Wechsel zum Elektroauto fordern die Branche. Söder will die Auszahlung der Elektroprämien verlängern, VDA-Chefin Müller will mehr Ladesäulen.
05.11.2020 Update: 05.11.2020 - 16:45 Uhr 6 Kommentare
Markus Söder: „Das Auto ist Technologietreiber.“ Quelle: imago images/Metodi Popow
Bayerischer Ministerpräsident

Markus Söder: „Das Auto ist Technologietreiber.“

(Foto: imago images/Metodi Popow)

München, Frankfurt, Berlin Wenn es der Autoindustrie schlecht geht, dann ist die Politik zur Stelle. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat in seinem Land mit BMW und Audi gleich zwei wichtige Autohersteller – und die kämpfen massiv mit den Folgen der Corona-Pandemie und dem Wandel zur Elektromobilität.

Söder will der deutschen Schlüsselindustrie helfen. Vehement drängt er nun auf eine deutliche Verlängerung und Erweiterung der Kaufprämien für Elektro- und Hybridautos. „Wir müssen die Elektroprämien deutlich über die Zeit verlängern“, forderte Söder am Donnerstag auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel 2020.

Neben der Verlängerung geht es dem CSU-Politiker auch um das Ausbauen der Prämien und das Höhersetzen der Förderbeträge insbesondere für Plug-in-Hybridfahrzeuge. „Plug-in ist sehr beliebt bei den Kunden“, sagte Söder mit Blick auf die jüngsten Zulassungszahlen.

Tatsächlich meldete das Bundeswirtschaftsministerium im Oktober mit 32.324 Förderanträgen einen erneuten Rekord. Seit Juli wurden mehr als 100.000 Anträge für Elektroautos oder Plug-in-Hybride gestellt. Dies führt das Ministerium maßgeblich auf die sogenannte Innovationsprämie zurück, die im Rahmen des Konjunkturpaketes der Bundesregierung beschlossen worden war.

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    Demnach hat der Bund noch einmal seine Subvention für den Kauf von elektrisch und teilelektrisch betriebenen Fahrzeugen verdoppelt. Die Förderbeträge liegen nun bei 9000 und 6750 Euro. Der Haken: Das Förderprogramm ist befristet bis Ende 2025 – sofern die bereitgestellten Finanzhilfen bis dahin nicht ausgeschöpft sind. Der Aufschlag aus dem Konjunkturprogramm gilt nur bis Ende 2021.

    „Die Autoindustrie weiß, dass wir sie unterstützen, aber wir sind keine Kumpel.“
    Markus Söder im Interview

    „Die Autoindustrie weiß, dass wir sie unterstützen, aber wir sind keine Kumpel.“

    Beide Begrenzungen will Söder nun aufheben – auch im Interesse der Hersteller. BMW, Volkswagen und auch Daimler weiten ihr Angebot an Stromautos massiv aus. „Die Autoindustrie weiß, dass wir sie unterstützen, aber wir sind keine Kumpel“, sagte Söder.

    Der Ministerpräsident brachte zudem eine weitere Senkung der Unternehmensteuern auf 25 Prozent ins Spiel und forderte ein Recyclingprogramm für Lastwagen. Der Umstieg auf Wasserstoff und Brennstoffzelle müsse ebenfalls staatlich gefördert werden – Bayern hat mit MAN auch einen Lkw-Hersteller.

    Söder gab mit seinen voluminösen Forderungen den Ton für den ersten Tag des Handelsblatt Auto-Gipfels vor, der sich vor allem um die Transformation der Autoindustrie dreht. Mit Hochdruck stellen die Hersteller und ihre Zulieferer ihre Modellpalette von Verbrennern auf Elektroantriebe um, um den Klimavorgaben der Politik zu genügen.

    VDA-Chefin warnt vor Belastungen

    So plant die Europäische Kommission mit der Abgasnorm Euro 7 eine weitere Verschärfung der Emissionsgrenzwerte. Ihre konkreten Vorstellungen will die EU zwar erst im kommenden Jahr offiziell vorstellen. Ersten Angaben zufolge sieht die Norm nach derzeitigem Stand deutlich niedrigere Grenzwerte bei CO2 und Stickoxiden sowie das Ende von Ausnahmeregelungen vor.

    Beim Auto-Gipfel warnte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, vor einer noch strengeren Regulierung. Ihre Argumente drehen sich um Arbeitsplätze, Wohlstand und den sozialen Frieden.

    „Europa muss den Beweis antreten, dass moderne Industriepolitik sich dem Klimaschutz verpflichten kann und dass das nicht heißt, dass man seine Wettbewerbsfähigkeit gefährdet“, sagte Müller. Das sei die zentrale Herausforderung und eine Warnung zugleich.

    Schon jetzt muss die Industrie in Summe einen dreistelligen Milliardenbetrag investieren, um die Elektrowende zu stemmen. Das Geld fließt in die Entwicklung neuer Modelle und die Umstellung der Werke.

    Grafik

    Mit der Umrüstung werden viele der rund eine Million Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie verloren gehen, da die Werke stärker automatisiert und weniger Komponenten je Auto benötigt werden. Ein Elektroantrieb ist deutlich kompakter und einfacher konstruiert als ein Verbrenner.

    Lücken in der Ladeinfrastruktur

    Volkswagen, Daimler, BMW und vor allem die Zulieferer haben mit dem Abbau von Stellen begonnen. Kommen nun härtere Grenzwerte und wird die Elektrifizierung weiter beschleunigt, dann müssen die Autobauer radikaler ihre Belegschaft verkleinern, ist die Befürchtung. Mit Blick auf diese Entwicklung warnte VDA-Chefin Müller vor einer weiteren Verschärfung. „Wenn wir soziale Fragen vernachlässigen, dann werden sich die Menschen abgekoppelt fühlen“, sagte sie.

    Müller verwies dabei auf die Entwicklung in den USA, wo viele Arbeitsplätze in der Industrie verloren gegangen sind. Das Land ist heute tief gespalten, wie sich an der Präsidentenwahl gezeigt hat. Statt immer höhere Ziele zu setzen, sollte die Politik darauf schauen, was geleistet werden könne, sagte Müller.

    Bereits die aktuellen Grenzwerte stellen die Autohersteller vor große Herausforderungen. So wird etwa Daimler die Grenzwerte vermutlich verfehlen. Den Stuttgartern und anderen Herstellern drohen daher empfindliche Bußgelder.

    Volkswagen hingegen sieht große Chancen, die Ziele zu erreichen. Der Vorstand um VW-Chef Herbert Diess hat dazu etliche neue E-Modelle ins Programm genommen, mit denen er die Lücke zu Tesla schließen will, dem Marktführer bei Elektroautos. Getrieben wird der Absatz der Wolfsburger auch von staatlichen Förderprogrammen, mit denen die Anschaffung von Stromern wirtschaftlicher wird.

    Die VDA-Chefin warnte auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel vor einer verschärften Regulierung.
    Hildegard Müller im Interview

    Die VDA-Chefin warnte auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel vor einer verschärften Regulierung.

    Diess beklagt aber wie Müller und andere Vertreter der Industrie Defizite auf staatlicher Seite, die den Siegeszug der Elektromobilität verzögern. Vor allem die Lücken in der Ladeinfrastruktur gelten als Hemmnis. Die für Europa geplanten eine Million Ladesäulen reichten bei Weitem nicht aus, sagte die VDA-Präsidentin.

    Derzeit kämen zwar pro Woche 10.000 neue Elektro- und Hybridautos in Deutschland auf den Markt, aber der Ausbau der Ladepunkte komme nicht mit. Kommen derzeit zehn Elektroautos auf einen öffentlichen Ladepunkt, so werden es Ostern 2021 bereits 20 Autos sein. „Wir brauchen jetzt einen Masterplan für jede Kommune“, forderte Müller.

    Wie zurzeit alle Handelsblatt-Veranstaltungen ist auch der Auto-Gipfel 2020 virtuell. Tickets gibt es unter handelsblatt-autogipfel.de.

    Mehr: Die deutsche Autoindustrie wird sich wandeln – oder untergehen

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    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ein Vorschlag:
      Warum nicht bei den eh schon vorhandenen Parkplätzen bei Zug- und S-Bahn-Stationen großflächig Ladepunkte installieren? Das könnte relativ einfach geschehen, indem man den vorhandenen Parkplätzen ein "Solardach" gibt. Also ein relativ günstiges Dach aus Solarzellen baut und darunter jedem Parkplatz eine relativ günstige Ladestation spendiert. Das müsste noch nicht mal eine Schnellladestation sein, langsames Laden mit dem auf dem Dach erzeugten Solarstrom würde völlig ausreichen. In der Regel stehen die Pendlerautos eh viel Stunden auf diesen Parkplätzen. Könnte man sogar so machen, dass man für die Ladeparkplätze eine leicht höhere Parkgebühr erhebt, wie für die anderen normalen Parkplätze. Damit würde sich das sogar für den Träger relativ schnell amortisieren.
      Vorteile: vorhandener Parkraum bleibt bzw. wird aufgewertet, für Solardächer und Ladestationen gibt es vermutlich sogar Förderungen, die Parkplätze werden überdacht und damit die Autos im Sommer und Winter besser geschützt, die jetzt schon Bahnfahrer fahren weiterhin mit der Bahn und haben einen Zusatznutzen, Autopendler können viel leichter zum Umsteigen auf Busse und Bahnen bewegt werden, der tagsüber erzeugte Solarstrom wird gleich in die Autos geladen, also 100% CO²-freie Produktion und Nutzung, die Innenstädte werden vom Autoverkehr (und damit Feinstaub) entlastet, der öffentliche Nahverkehr gestärkt, die "ungeliebten" Parkplätze ganz oben auf dem Dach des Parkhauses werden dann auch genutzt etc.
      Nachteile: es muss nur jemand machen und zunächst mal Geld investieren. Ansonsten: nach meiner Meinung keine.
      Also, wer sorgt nun in den Kommunen und bei den Verkehrsbetrieben dafür, dass das gemacht wird?

    • Es schenint schon in der DNA von Herrn Söder und der CSU zu liegen mit Steuergeldern nur so umsich zu werfen. Er muss ja dafür ja anschliessend auch nicht grade stehen und sein Parteifreund Scheuer kann sich bei den ganzen fehlschlägen sowieso an nichts mehr erinnern. Die ganze Truppe sollte mal 4 Wochen runterschalten und allen Zeit geben sich von der dauerschow zu erholen.

    • Guten Tag,
      eine bitte an den Automobilgipfel:
      Bitte geben Sie den jetzigen Hybrid-Käufern die Sicherheit, dass auch zum Zeitpunkt der Auslieferung noch die Prämie beantragen kannen und die Fördermittel noch nicht ausgeschöpft sind.

      Tausende bestellten die Hybriden noch im September und Oktober und bangen jetzt mit der Fördersumme, dass diese nicht ausgeschöpft ist, bis die Fahrzeuge im Mai, Juni oder Juli geliefert werden.

      Ansonsten werden tausende auf ihren Geldern sitzen bleiben bzw. die Bestellung stornieren. Ein Ausbau der Ladeinfrastruktur macht dann kein Sinn mehr.

      Und ich erinnere das Hybride für den Übergang bis die Technik vollkommen ist, das Ladenetzt ausgebaut ist, die Energieversorgung sichergestellt ist existenziell wichtig ist.

    • Poh, der Söder mit seiner markigen Selbstinszenierung nervt nur noch. Ein Ego-Proll vor dem Herrn.

    • Billiger Lobbyarbeit. Es geht ihm allein um die dreiste Subventionierung von den großen Limousinen mit unsinnigen Plug-In Hybrid. Weil vernünftige Hersteller wie Tesla auf so solche Dummheiten verzichten, hat man die auch gleich nahezu exklusiv.
      Der Staat muss nicht für die Rabatte aufkommen, die von der Autoindustrie geliefert werden müssen. Aber die nächste Dividendensaison naht und da muss man wohl das Geld zusammen halten

    • Das Zukunftskonzept für Auto-Mobilität ist doch ganz einfach: Plug-In Elektromobilität als Hybrid mit Brennstoffzelle (Wasserstoff). Dann braucht es viel kleinere Batterien und wegen der Abwärme aus den Brennstoffzellen gibt es auch kein Heizungsproblem im Winter. Alle Förderungen sollten genau diesen Weg unterstützen. Ich warte jedenfalls auf das erste Auto mit dieser Auslegung- Herzlichen Gruß

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