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Kommentar Die deutsche Autoindustrie wird sich wandeln – oder untergehen

Autobranche und Politik tragen gemeinsam Verantwortung, dass der Wandel zu neuen Antrieben und mehr Nachhaltigkeit gelingt. Ein Zurück gibt es nicht.
04.11.2020 - 04:00 Uhr 3 Kommentare
Die Autoindustrie wird dagegen auf absehbare Zeit die wichtigste Industrie in Deutschland bleiben. Quelle: dpa
Porsche-Werk in Leipzig

Die Autoindustrie wird dagegen auf absehbare Zeit die wichtigste Industrie in Deutschland bleiben.

(Foto: dpa)

Die deutsche Autoindustrie hat Fehler gemacht. Der Dieselskandal hat Vertrauen gekostet. Und die viel zu späte Entwicklung von Elektromodellen war fahrlässig. Die Folge ist eine nie dagewesene Entfremdung von den Verbrauchern, von der Öffentlichkeit und der Politik. Berlin springt nicht mehr gleich, wenn die Branche ihre Wünsche kundtut. Als im Frühjahr wegen Corona die Bänder stillstanden, weigerte sich die Große Koalition, eine neue Abwrackprämie auszuloben. Die Liebesbeziehung zu Deutschlands wichtigster Branche ist erkaltet.

Corona wird vorübergehen und der Verbrenner über kurz oder lang verschwinden, denn gesellschaftlich verliert er immer mehr an Akzeptanz. Das ist auch ein Erfolg von Fridays for Future. Wenn die Autoindustrie auf absehbare Zeit die wichtigste Industrie in Deutschland bleiben soll, braucht es mehr Unterstützung durch die Politik. Niemand muss die Autoindustrie auf Händen tragen. Die Politik darf aber nicht dabei zusehen oder gar dazu beitragen, dass die Branche unter die Räder gerät. Schließlich ist der Umbruch gigantisch.

Die größte Herausforderung für die Branche ist die Erfüllung der Klimaziele, denn die Europäische Union macht ernst. Im September forderte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, den Ausstoß von Treibhausgasen innerhalb der EU bis 2030 im Vergleich zu 1990 statt bislang um 40 um mindestens 55 Prozent zu verringern. Das Parlament ging im Oktober sogar noch einen Schritt weiter und stimmte für eine CO2-Reduzierung um 60 Prozent. Zur Erfüllung sieht die EU die Autoindustrie maßgeblich in der Pflicht.

Damit muss sich die Branche bis 2030 auf noch strengere Grenzwerte für den CO2-Ausstoß neuer Autos einstellen. Das aber wäre nicht nötig, denn die Vorgaben haben es schon jetzt in sich. Bislang müssen die Hersteller die Emissionen bei Pkws von 2021 bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 um 37,5 Prozent verringern – oder Strafe zahlen. Das ist, selbst ohne weitere Verschärfung, ein Kraftakt. Vor allem, was die 2025er-Ziele angeht, bis dahin sind es nur noch wenige Jahre.

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    Es gibt kein zurück in die alte Welt

    Die CO2-Grenzwerte lassen sich nur einhalten, wenn die Autobauer in den kommenden Jahren massenhaft Elektroautos und Plug-in-Hybride auf den Markt bringen. Das kostet viel Geld. Treiber sind vor allem die Batterien, die heute noch größtenteils von ostasiatischen Produzenten teuer zugekauft werden müssen.

    Effiziente und günstige Batterien sind die Voraussetzung dafür, dass sich die E-Mobilität im Massenmarkt durchsetzt. Niemand weiß, wann die Preise sinken werden. Zwar subventioniert die EU den Aufbau einer Batteriefertigung in Europa, auch in Deutschland. Doch die Beihilfen laufen irgendwann aus. Die Kosten an den Kunden weiterzureichen, ist keine nachhaltige Option. Die deutsche Autoindustrie steuert deswegen mit Sparprogrammen dagegen.

    Handelsblatt Auto-Gipfel 2020
    Das Handelsblatt lädt am 5.und 6. November die Spitzen der deutschen Autoindustrie zum Gipfel. Auftreten werden unter anderem Daimler-Chef Ola Källenius, BMW-Vorstandschef Oliver Zipse und Porsche-Chef Oliver Blume. Zugesagt hat auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Die Folgen der Corona-Pandemie und der Wandel zur Elektromobilität stehen im Mittelpunkt. Anders als in den Vorjahren findet die Veranstaltung nur im Netz statt. Mehrere Hundert Teilnehmer sind registriert. Tickets sind noch erhältlich: handelsblatt-autogipfel.de

    Der neue Weg hin zu neuen Antrieben ist richtig, es gibt kein zurück in die alte Welt. Tesla baut eine neue Fabrik direkt vor der Haustür. Rund 30 Kilometer von Berlin entfernt entsteht gerade im Rekordtempo die weltweit vierte Gigafactory des Elektroautopioniers. Dort sollen ab Sommer die ersten E-Autos vom Band laufen, in der Spitze könnten es bis zu 500.000 pro Jahr sein. Tesla setzt nicht nur in der Batterietechnik Maßstäbe, sondern auch in der Digitalisierung.

    Das hat einen Grund: Tesla sieht in einem Auto ein Device, auf dem eine Software läuft. Das Auto wird sozusagen um den Computer herumgebaut – eine Revolution in der Welt von BMW, Daimler, VW und Co. Bislang produzieren die deutschen Hersteller ein Auto mit vielen kleinen Computern, die untereinander selten eine gemeinsame Sprache haben. Zwar forcieren sie das Umdenken, stellen Softwareingenieure ein und bilden Beschäftigte weiter. Es ist allerdings ein gewaltiger Unterschied, ob man wie Tesla 2003 auf der grünen Wiese startet oder einen gewachsenen Konzern samt üppiger Belegschaft transformiert.

    Corona scheint fast schon beherrschbar

    Beim automatisierten Fahren geht Tesla ebenfalls beherzter zu Werke – auch wenn sich die Branche von manchen Träumen verabschiedet. Vor allem in Städten scheint das fahrerlose Fahren schwieriger als gedacht. Im Gegensatz zu Uber oder der Google-Schwester Waymo, die auf Roboterautos setzen, geht die deutsche Autoindustrie nicht davon aus, dass der Fahrer absehbar ganz abgeschafft wird. Er wird zwar mit einer Reihe von Systemen immer besser unterstützt, bleibt aber in der Verantwortung. Und so verwundert es nicht, dass Daimler und BMW laut über die Zerschlagung der unter der Marke YourNow betriebenen Mobilitätsdienste nachdenken. Mit Fahrer rechnet sich die kostspielige Wette nicht.

    Gegenüber dem technologischen Wandel scheint die Coronakrise für die Autoindustrie trotz all der Unsicherheit Stand heute beherrschbar. Auch dank des intensiven Einsatzes von Kurzarbeit und der Kaufprämie für E-Autos und teilelektrische Fahrzeuge. Selbst wenn die große Abhängigkeit von China mehr denn je deutlich wird.

    Die Autoindustrie, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, erfindet sich neu – oder sie wird untergehen. Autoindustrie und Politik tragen gemeinsam Verantwortung, dass die Transformation mit Elektrifizierung und Digitalisierung hin zu mehr Nachhaltigkeit gelingt.

    Mehr: Wie Tesla zum Autogiganten in Deutschland aufsteigen könnte – erklärt in vier Grafiken

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    3 Kommentare zu "Kommentar: Die deutsche Autoindustrie wird sich wandeln – oder untergehen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Deutsche Autoindustrie hat das Gehirn nach Amerika und das Herz nach China verloren. Da ist nichts mehr zu wandeln.

    • @Kirsten Ludowig:
      Den Verbrenner als "alte Welt" bezeichnen ist schlichtweg falsch, da es elektrische Automobile schon ewig gibt und nur die Batterien für eine vernünftige Reichweite fehlten. Auch ein Verbrenner kann CO2 neutral produziert werden und mit e-Fuels oder Wasserstoff CO2 neutral betrieben werden.
      Ihr Kommentar ist nicht ausgewogen. Den Raubbau an der Umwelt bei der Herstellung von Batterien, den hohen energetischen Aufwand, Infrastruktur und CO2 Themen, die negativen Folgen für Deutschland und Europa hinsichtlich Arbeitsplätze und Standort werden nicht erwähnt.
      Die deutsche Autoindustrie wandelt sich schon immer. War schon immer innovativ. Eine sofortiger Umstieg auf e-Autos wird von Ideologen gefordert und über Kommentare wie Ihren den Lesern eingetrichtert nach dem Motto "Eine Lüge wird zur Wahrheit je öfter sie man wiederholt" - doch ist dieser sofortige Umstieg nicht umsetzbar.
      Es ist FALSCH, dass e-Autos die Lösung sind, Hybrid Autos schon eher - was den von Ihnen geforderten "WANDEL" entspricht - Der WANDEL ist eine EVOLUTION: Hybrid-Autos können immer mehr elektrische oder CO2 neutrale Reichweite leisten - wobei aus meiner Sicht auch e-Fuels und Wasserstoff einen vernünftigen Antriebsstrang bieten.
      Die Politik will e-Autos - das halte ich schlichtweg für unsinnig. Was beim Abbrennen der e-Scooter der Deutschen Post passiert ist, kann täglich auf den Straßen passieren: Ein Unfall und die BATTERIE IST NICHT ZU LÖSCHEN. Zudem erzeugt das Kühlmittel (1234yf-in den neuen Autos) beim Verbrennen Flusssäure - extrem GIFTIG!
      Ja, liebe Frau Kirsten Ludowig, es wird ewig viel gefordert, aber ähnlich wie in der Energie- und Flüchtlingspolitik NICHTS ZU ENDE GEDACHT.

    • Die Liebesbeziehung zu Deutschlands wichtigster Branche ist erkaltet.
      Autoindustrie und Politik tragen gemeinsam Verantwortung
      Die deutsche Autoindustrie wird sich wandeln – oder untergehen
      Wahre Worte!
      Denn Betrug ist eben keine dauerhafte Geschäftsgrundlage

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