Handelskrieg: Großbritannien lockert Ziele für Elektroautos
London. Die britische Regierung lockert ihre Anforderungen für den Verkauf von Elektrofahrzeugen (EV), um die wirtschaftlichen Folgen der US-Strafzölle für die Autoindustrie abzumildern. Demnach können die britischen Autobauer Hybridfahrzeuge und sogenannte „Plug-in“-Hybridautos noch bis 2035 in Großbritannien verkaufen.
Ursprünglich sollten ab 2030 nur noch vollelektrische Autos im Königreich auf den Markt kommen, damit Großbritannien bis 2050 sein gesetzlich verankertes Klimaziel erreichen und klimaneutral werden kann.
„Der Welthandel befindet sich im Umbruch“, sagte Premierminister Keir Starmer am Montagnachmittag mit Blick auf die von US-Präsident Donald Trump verhängten Importzölle. Die getroffenen Maßnahmen würden dazu beitragen, „dass einheimische Unternehmen britische Autos, die von britischen Arbeitnehmern hergestellt werden, in die ganze Welt exportieren können“.
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Die US-Regierung hat die Einfuhr von Autos und Autoteilen aus dem Ausland mit einer Sonderabgabe von 25 Prozent belegt. Diese Zölle gelten unabhängig von den universellen Einfuhrabgaben, die Trump vergangene Woche verkündet hatte und die für die restlichen Güterimporte aus Großbritannien zehn Prozent betragen.
Die USA sind nach der Europäischen Union der größte Absatzmarkt für die britische Autoindustrie. Etwa 20 Prozent aller in Großbritannien hergestellten Autos wurden bislang in die Vereinigten Staaten geliefert. Das entspricht einem Exportwert von 8,3 Milliarden Pfund (etwa 9,7 Milliarden Euro) in den vergangenen zwölf Monaten. Insbesondere für Luxushersteller wie Bentley, Jaguar und Rolls-Royce sind die USA oft der wichtigste Absatzmarkt.
An dem Verkaufsverbot für reine Verbrennerfahrzeuge ab 2030 will die Regierung in London trotz der Lockerungen festhalten. Allerdings werden die Strafen für jene Autohersteller reduziert, die bis dahin die sukzessiv ansteigenden Absatzquoten für Elektrofahrzeuge verfehlen. So müssen E-Autos in diesem Jahr 28 Prozent der Verkäufe ausmachen. Trotz eines starken Nachfrageanstiegs lag die Quote zuletzt immer noch unter 20 Prozent. Für jedes zu wenig verkaufte Elektrofahrzeug werden die Strafzahlungen nun um 3000 Pfund auf 12.000 (etwa 14.400 Euro) reduziert.
Wer seine Absatzquote in einem Jahr verfehlt, darf das Minus jedoch künftig in den Folgejahren wiedergutmachen. Autobauer, die ihre Quoten für EVs übertreffen, sollen es zudem leichter haben, dafür „EV-Guthaben“ anzusammeln und flexibler zu nutzen. Vergleichsweise kleine Luxuswagenhersteller wie Aston Martin, Lotus und McLaren werden von dem Verkaufsverbot für Verbrennerfahrzeuge vollständig ausgenommen.
Autobauer fordern mehr Staatshilfen
Die Unternehmen begrüßten die Maßnahmen, betonten aber, mehr Hilfen seien nötig. „Angesichts des potenziell starken Gegenwinds, dem die Hersteller nach der Einführung von US-Zöllen ausgesetzt sind, werden mit ziemlicher Sicherheit größere Maßnahmen erforderlich sein, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zu sichern“, sagte etwa Mike Hawes, Chef der britischen Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT). Die Einfuhrabgaben der USA könnten von den Herstellern nicht aufgefangen werden.
Als „hilfreich“ bezeichnete Stellantis-Manager Eurig Druce die Änderungen. Zugleich forderte er aber die Regierung auf, „die Marktnachfrage anzugehen und Maßnahmen zur Stimulierung der Nachfrage einzuführen“.
Starmer hat zwar zusätzliche Finanzhilfen von 2,3 Milliarden Pfund angekündigt, die Hersteller vermissen jedoch höhere Steueranreize für Privatkunden. Skeptisch äußerte sich Robert Forrester, Chef der Autohandelskette Vertu Motors: „Die fälligen Strafen summieren sich immer noch auf Milliardenbeträge für die Hersteller. Hinzu kommen jetzt die Zölle.“
Premierminister Starmer hofft, dass er die gegen Großbritannien verhängten Importzölle noch mit einem Technologie- und Freihandelsabkommen mit den USA wieder wegverhandeln kann. Zugleich betonte der Regierungschef jedoch, dass die globalisierte Welt, „so wie wir sie kennen“, am Ende sei. Trumps Sanktionen seien nicht nur eine „Phase“, die schnell vorübergehe, sondern es handele sich um eine „neue Ära“. Seine Regierung werde deshalb die Industriepolitik nutzen, um britische Unternehmen vor dem heraufziehenden „Sturm“ zu schützen.