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Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz

Im Spot der Hauptversammlung des angeschlagenen Industriekonzerns.

(Foto: dpa)

Hauptversammlung Wie Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz den „Reset-Knopf“ drücken will

Bei der Thyssen-Hauptversammlung umreißt die Managerin ihre Zukunftspläne für den Ruhrkonzern – und stimmt die Aktionäre auf einen langwierigen Umbau ein.
31.01.2020 Update: 31.01.2020 - 13:01 Uhr 3 Kommentare

Bochum Zu Hunderten sind sie am Freitag nach Bochum gereist – und sparten nicht mit ihrer Kritik am Management. „Thyssen-Krupp war einmal ein Leuchtturm der deutschen Wirtschaft“, sagte Henrik Pontzen von Union Investment. „Heute ist das Unternehmen eine Baugrube, die unter Wasser steht.“

Vorstandschefin Martina Merz ist angetreten, um die Baugrube zu beseitigen. Doch noch kann sie den Aktionären allenfalls umreißen, mit welcher Aufstellung Thyssen-Krupp in die Zukunft gehen soll. Klar ist: Das profitable Aufzugsgeschäft steht vor dem Verkauf, ebenso wie weite Teile der Komponentenfertigung und des Anlagenbaus.

„Der Einschnitt ist schmerzhaft, aber er macht Thyssen-Krupp wieder manövrierfähig“

Der Ruhrkonzern solle zur schlanken Firmengruppe werden, stellt Merz den Aktionären in Aussicht. Bislang hätten die knappen Finanzreserven die Weiterentwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens beschränkt. Das soll sich mit dem Verkauf des Aufzugsgeschäft schlagartig ändern.

Auf 15, 17, ja sogar 20 Milliarden Euro schätzt mancher Aktionär die potenziellen Erlöse. Die allerdings dürften davon nur indirekt profitieren. „Jeder Euro soll in die Entwicklung unserer Geschäfte fließen“, sagte Merz in ihrer Rede.

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    Noch ist offen, ob der Ruhrkonzern das Geschäft ganz oder teilweise verkauft oder an die Börse bringt. Doch der Erlös solle Thyssen-Krupp einen „echten Neustart“ ermöglichen, so die Managerin. Vor allem die Stahlsparte, der neue Kern des Unternehmens, steht vor einem milliardenschweren Investitionsbedarf.

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    „Wir verhandeln gemeinsam mit dem Stahlvorstand derzeit mit den Vertretern der Arbeitnehmer über die neue Stahlstrategie“, erklärte Merz nun. Nach Ansicht der meisten Aktionärsvertreter sollte der Vorstand die Aufzugsparte komplett verkaufen, um nicht nur die Stahlsparte, sondern auch den Rest des Konzerns zu sanieren.

    Milliardenschwere Abschreibungen möglich

    Sowohl im Anlagenbau als auch für Teile der Komponentenfertigung sucht Thyssen-Krupp Partner oder Käufer. Dass dabei die Preise erzielt werden können, mit denen die Geschäfte in der Bilanz stehen, gilt als unwahrscheinlich.

    Es könnte also zu milliardenschweren Abschreibungen kommen. „Der Umbau wird kein Big Bang“, stimmte Merz die Aktionäre auf eine längere Dürreperiode ein. „Sondern es ist ein Weg der vielen kleinen Schritte.“ Nicht nur an der Performance des Unternehmens, auch an der Tätigkeit des Aufsichtsrats übten einige Aktionärsvertreter heftige Kritik.

    Kritik am Kurs des Managements. Quelle: dpa
    Demonstranten am Rande der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp

    Kritik am Kurs des Managements.

    (Foto: dpa)

    So forderte etwa der Corporate-Governance-Experte und frühere DWS-Aufsichtsratschef Christian Strenger, sowohl die frühere Chefkontrolleurin Martina Merz (die im September interimsweise für zwölf Monate auf den Vorstandsposten gewechselt war), Krupp-Stiftungschefin Ursula Gather und Cevian-Vertreter Jens Tischendorf für ihre Tätigkeit im Kontrollgremium im vergangenen Jahr nicht zu entlasten.

    „Lähmende Querelen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat“ hätten im vergangenen Jahr dazu geführt, dass man bei den vielen Baustellen des Konzerns kaum vorangekommen sei, so Strenger. Er beantragte, die beiden Großaktionäre Krupp-Stiftung (21 Prozent) und Cevian (18 Prozent) von der Abstimmung über die Entlastung auszuschließen.

    Zahlreiche Redner forderten die Stiftung zudem auf, bei der Besetzung des Aufsichtsrat künftig von ihrem Recht abzusehen, zwei der Posten in dem Gremium eigenmächtig zu besetzen. „Frau Gather, verzichten Sie auf das Entsenderecht“, forderte so zum Beispiel Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger.

    Ein anderer Aktionärsvertreter schimpfte regelrecht im Zorn: „Frau Gather darf unter keinen Umständen entlastet werden.“

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    In der Vergangenheit hatten beide Teilhaber regelmäßig die Hauptversammlungsmehrheit gestellt. Auch Ingo Speich, Fondsmanager der Deka, kritisierte die Unternehmensführung hart. „Gewinn und Cashflow schmelzen schneller dahin als Eisenerz im Hochofen“, sagte Speich. Das sei nicht nur die Schuld des Vorstands, sondern auch des Aufsichtsrats. „Dessen größter Fehler war der Fünfjahresvertrag für Guido Kerkhoff.“

    Weil der Ruhrkonzern den Vertrag des vorherigen Vorstandschefs vorzeitig auflösen ließ, wurde eine Abfindung von sechs Millionen Euro fällig. Das sei auch angesichts des Stellenabbaus, den die Belegschaft erwartet, nur schwer vermittelbar, so die einhellige Einschätzung vieler Redner.

    Weitere Details zum Konzernumbau will Merz im Mai bekanntgeben. Im Februar wollen sich Vorstand und Aufsichtsrat zudem für eine der drei Optionen beim Verkauf der Aufzugsparte entscheiden. Bislang hat der finnische Aufzughersteller Kone mit rund 17 Milliarden Euro das höchste Gebot abgeben – das ist das Doppelte dessen, was Thyssen-Krupp derzeit an der Börse wert ist.

    Vor diesem Hintergrund fordern Aktionäre wie Christian Strenger, die Hauptversammlung über den Verkauf entscheiden zu lassen. Merz winkte ab: eine Zustimmung der Aktionäre sei bei der Transaktion nicht notwendig, so die Chefin.

    Für die Vorlage der Quartalszahlen Mitte Februar stellte Merz ein Ergebnis „innerhalb der Erwartungen“ in Aussicht. Besonders positiv dürfte das aber nicht ausfallen: Für 2019/20 hatte die Vorstandschefin bereits einen negativen Cashflow in Milliardenhöhe angekündigt.

    Mehr: Thyssen-Krupp: Wie eine Ikone der deutschen Wirtschaft abstürzte.

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    3 Kommentare zu "Hauptversammlung: Wie Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz den „Reset-Knopf“ drücken will"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Nach den Zahlen ist die Aufzugssparte das einzig interessante an Thyssen - da ist sonst nichts. Auch die Herren Cromme und Beitz haben es in den letzten Jahren ihrer Tätigkeit nicht besser gemacht, sondern verschlimmert. Am besten: alles einstampfen und nur noch die Aufzugssparte.

    • Die Strategie, die einzig überlebensfähige und profitable Business Area, zu verkaufen, ergibt keinen Sinn. Danach ist tk eine Resterampe von unprofitablen, verlustreichen und viel zu kleinen Unternehmeneinheiten. Wie soll aus lauter Kranken ein Gesunder werden? Und wer glaubt bitte ernsthaft, dass ausgerechnet das hoch zyklische Stahlgeschäft der Kern eines gesunden Konzerns sein kann? Nur ein paar Stichworte: Dumping Stahl aus China u. Russland ohne wirksame Gegenwehr der EU; auch in Europa gigantische Überkapazitäten, weil bspw. bankrotte italienische Stahlwerke aus wirtschaftspolitischen Erwägungen durchgeschleppt werden - wieder ohne Eingreifen der EU; dazu in D die höchsten Energiepreise in Europa ohne Aussicht auf Besserung - Ausnahmeregelungen wird die EU kippen; eine wirtschaftsfeindliche Regierung aus CDU/CSU und SPD, die sich immer neue Belastungen ausdenkt - durch Stahl kettet sich tk an den stetig unattraktiver werdenden Standort D; immer härtere CO2 und Umwelt- Vorgaben, die nicht einzuhalten sind; Vorprodukte, die extremsten Schwankungen Unterliegen (Eisenerz bspw.); sehr kapitalintensives Geschäft.
      Gerne würde man zu diesen Themen auch eine schlüssige, nachvollziehbare Strategie von Frau Merz - die zwar bis vor Kurzem als Vorsitzende des Aufsichtsrats die Strategie des Vorstands überwachte, aber trotzdem nun alle Schuld auf ihre Vorgänger schiebt - hören. Wieso soll man ausgerechnet mit einem Produkt wie Stahl, das bspw. die Chinesen, Russen oder Niederländer aufgrund günstigerer Rahmenbedingungen viel billiger herstellen nachhaltig Geld verdienen können? Wer soll denn den Unfug vom iPhone des Stahls glauben?
      Die Strategie von Hiesinger war erheblich schlüssiger und hatte eine industrielle Logik: Kern des tk Konzerns sollte das Aufzugsgeschäft sein. Es ist unerfindlich, wieso die EU Kommission hier einen Strich durch die Rechnung machte - bei anderen Fällen (s.o. Riva) einfach nur zuschaut. Trotzdem wäre es einen erneuten Versuch wert.

    • Betriebswirtschaftlicher Irrsinn die Cash Cow zu verkaufen. Könnte KUKA 2 werden. Gute Nacht Deutschland.

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