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Klaus Zellmer Golf statt Cayenne: Volkswagens neuer Vertriebschef kommt von Porsche

Porsche-Nordamerikachef Klaus Zellmer wagt den Sprung vom Luxusanbieter ins Massengeschäft. Er dürfte von vielen VW-Händlern durchaus kritisch erwartet werden.
15.09.2020 - 19:17 Uhr Kommentieren
Der erfahrene Automanager wird neuer Vertriebschef der Marke Volkswagen werden. Quelle: dpa
Porsche-Manager Klaus Zellmer (Archivbild)

Der erfahrene Automanager wird neuer Vertriebschef der Marke Volkswagen werden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Klaus Zellmer ist durch und durch ein Porsche-Mann. Seit 23 Jahren arbeitet der Manager für den Stuttgarter Sportwagenhersteller. Die Volkswagen-Tochter ist auch ein Stück Heimat für den 53-Jährigen, der im Stuttgarter Stadtteil Degerloch aufgewachsen ist. Schon früh haben ihn Autos fasziniert. „In der Autostadt Stuttgart ist das gar nicht anders möglich“, sagte Zellmer vor Jahren in einem Interview.

Doch nun verlässt er Porsche, weil ihn der Ruf der Wolfsburger Konzernmutter ereilt hat. Mit sofortiger Wirkung wird Zellmer neuer Vertriebsvorstand der Marke Volkswagen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Zellmer und seine Familie müssen dafür die Koffer packen: Seit fünf Jahren arbeitet er als Porsche-Nordamerikachef in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

Es wird kein ganz einfacher Schritt, auf den sich Zellmer mit seinem Wechsel nach Wolfsburg einlässt. Der Verkauf von Autos hat zwar den wesentlichen Teil seines Berufslebens bestimmt. Von 2010 bis 2015 war er beispielsweise auch Vertriebschef für den deutschen Markt. Deshalb hat in Wolfsburg eigentlich kaum jemand Zweifel daran, dass er ein geeigneter Nachfolger für den bisherigen VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann ist.

Doch trotzdem ist es eine andere Welt, in die sich Zellmer nach mehr als zwei Jahrzehnten Porsche begibt. Denn die Luxusautos aus Stuttgart-Zuffenhausen lassen sich viel einfacher verkaufen als die Massenware wie Golf und Tiguan aus dem Wolfsburger Stammwerk von Volkswagen. Ein Porsche ist ein Statussymbol, für das seine Kunden viel Geld auszugeben bereit sind. Ein Volkswagen hingegen ist doch viel eher ein Gebrauchsgegenstand.

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    Auch an der jüngsten Entwicklung der Verkaufszahlen lässt sich dieser Unterschied zwischen Masse und Klasse ablesen. Denn die Corona-Pandemie hat in Wolfsburg viel härter zugeschlagen als in Stuttgart. Während der Fahrzeugabsatz bei Volkswagen in der ersten Jahreshälfte um fast 27 Prozent eingebrochen war, ist die Konzernschwester Porsche mit einem Minus von zwölf Prozent viel glimpflicher davongekommen.

    Raus aus der Komfortzone

    Klaus Zellmer hat sich trotzdem auf das Wagnis eingelassen und die Komfortzone Porsche aufgegeben. Denn auch wenn es eine Automarke mit weniger Strahlkraft ist: Der Wechsel nach Wolfsburg steht für einen weiteren Karrieresprung. Vorstand bei einer der wichtigsten VW-Konzernmarken wird man nicht jeden Tag.

    Immerhin wird Zellmer von Wolfsburg aus den einen oder anderen Bekannten wiedertreffen. Denn etwa 90 deutsche Porsche-Händler, die er noch aus seiner Zeit als Deutschlandchef des Sportwagenherstellers kennt, verkaufen auch Autos der Marke Volkswagen. Das sollte ihm den Einstieg im neuen Job in Wolfsburg immerhin erleichtern.

    Auch wenn Zellmer Vertriebsvorstand der Marke VW wird und damit die weltweite Verantwortung für Verkauf und Marketing übernimmt, spielt der deutsche Markt doch noch immer die wichtigste Rolle. In keinem anderen Land der Welt werden mehr Autos von Volkswagen verkauft, China ausgenommen. Doch in der Volksrepublik produziert und verkauft VW seine Autos zusammen mit staatseigenen Joint-Venture-Partnern und kann daher nur begrenzt Einfluss auf die Geschäftsentwicklung nehmen.

    Wenn Zellmer in diesen Tagen seinen Posten antritt, dann dürfte er von seinen neuen Kollegen in Wolfsburg und vielen VW-Händlern durchaus kritisch erwartet werden. Denn sein Vorgänger, der allseits beliebte Jürgen Stackmann, hinterlässt eine große Lücke. Dem scheidenden VW-Vertriebsvorstand war es gelungen, die Marke Volkswagen in den vergangenen fünf Jahren seit dem Bekanntwerden des Dieselskandals wieder zu stabilisieren.

    Auseinandersetzung um den Golf 8

    Dass es für den 59-Jährigen nach dem Auslaufen seines Vertrags in Wolfsburg nicht mehr weitergeht, dürfte auch auf einen länger schwelenden Konflikt mit VW-Konzernchef Herbert Diess zurückzuführen sein, heißt es auf Wolfsburger Managementetagen. Stackmann wollte den Verkaufsstart des neuen Golf 8 wegen anhaltender Softwareprobleme etwas hinauszögern, Diess habe sich dagegen ausgesprochen.

    Auch bei den VW-Händlern hat diese Auseinandersetzung ihren Niederschlag gefunden. „Stackmann ist das Bauernopfer für die Golf-Probleme“, urteilt ein großer Volkswagen-Händler aus Nordrhein-Westfalen.

    Die Anlaufprobleme beim Golf dürften auch Klaus Zellmer in seiner Anfangszeit in Wolfsburg noch etwas beschäftigten. Doch andererseits hilft es ihm auch, dass sich die Golf-Produktion inzwischen deutlich besser eingespielt hat und die Stückzahlen wieder deutlich ansteigen. Wichtiger dürfte ein anderes Thema werden: Die Elektrooffensive von Volkswagen hat gerade erst begonnen. Die neuen E-Modelle, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen werden, muss Klaus Zellmer alle noch verkaufen.

    Mehr: Schwacher Absatz bei Golf und Passat – Der nächste VW-Vorstand geht

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