Luftfahrt: Lufthansa trotzt den Zöllen – doch wie lange noch?
Frankfurt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will sich durch Handelskonflikt und Zollstreitigkeiten seine Zuversicht nicht nehmen lassen. „Wir sind stark ins neue Jahr gestartet. Die Vorausbuchungen für das zweite Quartal liegen überall auf dem Vorjahresniveau, teilweise sogar darüber“, sagte der Manager am Dienstagvormittag bei der Präsentation aktueller Zahlen.
Diese hatten Investoren und Analysten mit Spannung erwartet. Schließlich bringt der von US-Präsident Donald Trump begonnene Handelskonflikt derzeit viel Unsicherheit in die Luftfahrtbranche. In den USA haben mehrere Fluggesellschaften ihre Prognosen zurückgenommen und gaben auch keine neuen ab.
Anders sieht es bei Lufthansa aus. Der bereinigte Betriebsverlust vor Zinsen und Steuern im ersten Quartal 2025 sank im Vergleich zum Vorjahr von 849 auf 722 Millionen Euro. Fluggesellschaften machen im reiseschwachen ersten Quartal typischerweise Verlust. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 8,1 Milliarden Euro.
Ein erfolgreiches Jahr 2025 kann die Lufthansa-Führung gut gebrauchen, schließlich feiert der Konzern 2026 seinen hundertsten Geburtstag. Investoren reagierten jedoch zurückhaltend auf die Zahlen: Die Lufthansa-Aktie verlor zwischenzeitlich gut drei Prozent.
Der Verkehr nach und von Nordamerika ist für die Lufthansa-Gruppe wichtig und sehr lukrativ. Bisher sei nicht absehbar, dass sich die Nachfrage abschwäche, sagte Spohr. Trotz der aktuell großen Unsicherheiten gehe der Konzern für das gesamte Jahr von einem deutlichen Anstieg des Betriebsgewinns gegenüber 2024 (1,65 Milliarden Euro) aus.
Hier ist die Nachfrage laut Spohr auch im bisherigen April gewachsen. In den Heimatmärkten der Gruppen-Airlines um vier Prozent, in anderen Ländern Europas um acht Prozent und in den USA selbst sogar um zehn Prozent. In den USA kann Lufthansa die Tickets auch mit mehr Gewinn verkaufen als in Europa.
Die Zölle wirkten sich vor allem auf den Verkehr innerhalb Nordamerikas aus, sagte der Lufthansa-Chef. Doch die britische Virgin Atlantic berichtete vor einigen Wochen von schwächeren Geschäften zwischen Europa und den USA. Air France-KLM will wegen schleppender Nachfrage für Flüge in die USA die Preise in der Economy-Klasse senken.
Könnte also auch das Transatlantikgeschäft der Lufthansa noch unter den Zöllen leiden? Spohr spricht von einem aktuell etwas geringeren Buchungseingang – in den höheren Reiseklassen etwas weniger ausgeprägt als in der Economy. „Es ist aber zu früh, von einer Abschwächungen zu sprechen“, sagte Spohr.
Er glaube, dass die eine oder andere Buchung später nachgeholt werde. Allerdings plant das Management für das vierte Quartal vorbeugend mit einem etwas geringeren Kapazitätsausbau. Das einst vorgesehene Plus von sechs Prozent beim Fluganbot soll um drei Prozent reduziert werden.
Alex Irving von Bernstein ist skeptisch, ob das reicht. Die Konsumausgaben würden sinken und Unternehmen ihre Reisebudgets kürzen. „Die Kapazität wird gekappt, das wird aber den Schlag gegen die Margen nicht vollständig neutralisieren“, warnte der Analyst am 22. April in einem Branchenreport.
CEO Spohr versucht zu beruhigen. Bei Bedarf könne Lufthansa die Kapazität in der zweiten Jahreshälfte noch deutlicher reduzieren. „Sie erleben mich recht zuversichtlich, aber nicht naiv“, sagte der Manager.
Finanzvorstand Till Streichert setzt in dem Fall auf andere entlastende Faktoren wie „vorteilhafte Treibstoffpreise und Wechselkurse“. „Diese können helfen, die Effekte eventueller Nachfrageveränderungen finanziell zu kompensieren.“
Kosten steigen deutlich
Allerdings hat Lufthansa ein Problem. Zwar konnten die Passagier-Fluggesellschaften wie Lufthansa, Swiss, Austrian oder Eurowings die Durchschnittserlöse, die sogenannten Yields, um 0,4 Prozent steigern. Die Airlinemarken konnten also höhere Ticketpreise durchsetzen.
Gestiegen sind allerdings auch die Aufwendungen für die Flüge. Die sogenannten Stückkosten – das sind die Kosten ohne Treibstoff- und Emissionsaufwendungen – legten um 3,1 Prozent zu. Ursachen sind unter anderem höhere Gebühren für die Flugsicherung oder die Sicherheitskontrollen an Flughäfen. Aber auch die Wartung der Jets verteuerte sich.
Entsprechend stieg im ersten Quartal in der Passagiersparte des Konzerns der Betriebsverlust leicht um zwei Prozent auf 934 Millionen Euro. Die gute Nachricht: Die Restrukturierung der Kernmarke Lufthansa, die im vergangenen Jahr als einzige Airline der Gruppe Verlust machte, kommt voran. Der bereinigte Betriebsverlust sank von 640 auf 553 Millionen Euro.
Das liegt wiederum an einem verlässlicheren Flugbetrieb. Lufthansa musste weniger Entschädigungen zahlen und weniger Hotelzimmer für gestrandete Fluggäste buchen. Diese Sonderkosten sanken in der gesamten Gruppe im ersten Quartal von 98 auf 47 Millionen Euro und halfen so auf der Ergebnisseite.
Dennoch macht der Jahresauftakt deutlich, wie sehr Lufthansa in Krisen davon profitiert, nicht nur Menschen zu befördern. Es ist vor allem der Wartungstochter Lufthansa Technik und dem Frachtableger Lufthansa Cargo zu verdanken, dass der Konzern den Betriebsverlust im ersten Quartal reduzieren konnte.
Die Wartung von Flugzeugen und Triebwerken läuft nach wie vor auf Hochtouren. Lufthansa Technik konnte mit einem bereinigten Betriebsergebnis von 161 Millionen Euro einen neuen Rekordwert erzielen.
Lufthansa Cargo machte aus einem bereinigten Betriebsverlust von 22 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum ein Plus von 62 Millionen Euro. In Asien läuft das E-Commerce-Geschäft gut, und in den USA haben viele Firmen im Vorgriff auf Zölle ihre Lager gefüllt.
Doch auch dieser Erfolg ist fragil. In den USA berichten Speditionsfirmen, die auf Luftfracht spezialisiert sind, dass das Auftragsvolumen für Transporte von China in die Vereinigten Staaten in den letzten Wochen um rund 30 Prozent gefallen ist. Offenbar warten viele Firmen ab, ob es wie von Trump angedeutet doch noch eine Einigung im Zollstreit mit China gibt.