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Martina Merz Eine ordnende Hand für Thyssen-Krupp

Erst seit wenigen Tagen gehört Martina Merz dem Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp an, nun soll sie an seine Spitze berufen werden. Was macht sie aus?
13.12.2018 - 19:13 Uhr Kommentieren
„Kompromisslos, aber mit großer Zuneigung.“ Quelle: imago/Eibner
Martina Merz

„Kompromisslos, aber mit großer Zuneigung.“

(Foto: imago/Eibner)

Stuttgart Martina Merz gilt als Favoritin für einen der derzeit schwierigsten Posten in der Industrie. Sie könnte die erste Aufsichtsratschefin bei Thyssen-Krupp werden. Es wäre dennoch ein Schritt, den die resolute Ex-Bosch-Managerin zu Beginn ihrer Karriere sicher nicht für möglich gehalten hätte.

Die Genderdiskussion ist ihr eigentlich zuwider. Auch wenn sie schon zu ihrer Bosch-Zeit mal junge Mütter als Vorbild für Führungskräfte bezeichnete: „Diese Frauen führen kompromisslos, aber auch mit großer Zuneigung.“

Beide Fähigkeiten wird die heute 55-Jährige auch bei der Aufsicht des kriselnden Essener Konglomerats brauchen, sofern sie den Job tatsächlich bekommt. Ein Fragezeichen ist angebracht, nachdem die Berufung von Ex-Daimler-Finanzchef Bodo Uebber so kläglich gescheitert ist.

Merz gehört dem Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp erst seit wenigen Tagen an. Die Maschinenbauerin hatte einen der beiden Plätze übernommen, die mit den Rücktritten von Ulrich Lehner und René Obermann frei geworden waren. Nun könnte schon der nächste Schritt folgen: Merz’ Wahl zur Nachfolgerin von Bernhard Pellens wäre eine gute Lösung, hieß es im Umfeld der Krupp-Stiftung.

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    Auch wenn die Großaktionäre nun offenbar gemeinsam hinter Merz’ Berufung zur Chefkontrolleurin stehen, stößt die Personalie in anderen Teilen des Aufsichtsrats auf massive Kritik. So erklärte ein Beteiligter dem Handelsblatt, Merz sei eine erfahrene, integre Unternehmerin.

    Allerdings werfe das Vorgehen Fragen auf. „Warum muss der Wechsel ausgerechnet jetzt vorgenommen werden?“, hieß es. Pellens sei doch gerade erst gewählt worden. Der neuerliche Wechsel trage neue Unsicherheit in das Unternehmen.

    Bereichsleiterin bei Bosch, zwei Jahre bei der Lufthansa

    Mag sein, aber mit Merz bekäme der Konzern sicherlich eine ordnende Hand, die Widerstände und Turbulenzen gewohnt ist. Bei Bosch war sie als Bereichsleiterin noch eine Exotin unter Männern. Sie führte zuletzt das Bremsengeschäft und damit dessen Verkauf. Im Prinzip verkaufte sie sich selbst mit.

    Und das war nicht das erste Mal. Als Bosch vor 17 Jahren die Schießsystem-Sparte an Brose verkaufte, ging sie „ohne Rückfahrkarte“ mit der Mannschaft mit und musste den Personalabbau des Mittelständlers im Ex-Bosch-Bereich mit durchziehen. Den anderen etwas zumuten, ohne selbst ein Risiko einzugehen, das ging ihr gegen den Strich.

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    Erst später kehrte sie wieder zu Bosch zurück. „Sie hat als Führungskraft immer auch die Kommunikation zu den Mitarbeitern im Blick gehabt. Das ist nicht selbstverständlich“, erinnert sich ein Weggefährte bei Bosch. Das betone ihre integrative Kraft. Bei den Schwaben galt Merz aber auch als „Arbeitstier“, sie habe unheimlich viel geleistet.

    Vielleicht hätte sie als erste Frau auch den Aufstieg in die Geschäftsführung schaffen können. Doch Merz entschied sich 2015, eigene Wege mit einer Aufsichtsratskarriere zu gehen. Bei der Lufthansa hat sie seit zwei Jahren bereits Aufsichtsratserfahrung gesammelt, ebenso im Board of Directors bei Volvo und dem luxemburgischen Lkw-Zulieferer SAF Holland.

    Bremsen sind für Merz ein „sehr emotionales Produkt“

    Dass sie mal so weit kommen würde, war nicht von Anfang an klar. Die Schwäbin machte Mittlere Reife in Tuttlingen und konnte sich nur fürs Technische Gymnasium Villingen-Schwenningen entscheiden, weil die Klassensprecherin bei einem Schulfreund im Auto mitfahren konnte.

    Beim späteren Studium auf dem Weg der praxisorientierten Berufsakademie spezialisierte sie sich auf Fertigungstechnik, „weil man da am meisten mit vielen verschiedenen Menschen zu tun hat“, sagte sie einmal. Berufsakademie war damals eine baden-württembergische Spezialität, bei der die Studierenden gleich Geld verdienten, aber dafür auch eng an die Firma – in diesem Fall Bosch – gebunden wurden.

    Bewährt hat Merz sich dann aber in der Unternehmenspraxis. Sie schaffte es, Bremsen als „sehr emotionales Produkt“ zu beschreiben. In Europa würden zum Beispiel wegen der aggressiveren Fahrweise zupackende Bremsen bevorzugt. In den USA hingegen seien vor allem weiche Bremsen gefragt.

    Und die Japaner hätten wieder andere Vorlieben. Ihre – meist männlichen – Geschäftspartner müssen keine übertrieben große Rücksicht nehmen: „Ich kann auch rustikal werden“, hat sie mal in einem Zeitungsinterview gesagt. Früher sei es auch schon mal vorgekommen, dass sie mit einem Geschäftspartner ins verruchte Cabaret Crazy Horse in Paris musste. Aber Erfahrung mit etwas verrückten Zuständen kann als Vorbereitung auf den Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat ja nicht schaden.

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